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Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen ist am Montag erstmals seit 2023 über die Marke von 5 Prozent gestiegen. Sie gilt weltweit als Referenz für nahezu jeden Kredit und jede Anlageklasse, von Hypotheken bis zu Aktien. Anders als beim letzten Mal deutet diesmal wenig auf einen schnellen Rückgang hin.

Inflation und Schulden treiben die Renditen

Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg am Montag um vier Basispunkte auf 5,01 Prozent. Ein Basispunkt entspricht einem Hundertstel Prozentpunkt.

Dieses Niveau wurde zuletzt im Oktober 2023 erreicht, damals allerdings nur für einen einzigen Tag. Anschließend kehrten Käufer an den Markt zurück, weil sich der Arbeitsmarkt abkühlte und die Inflation nachließ.

Diesmal ist die Lage anders. Der Arbeitsmarkt bleibt robust, und die Inflationsdaten für August fielen höher aus als erwartet.

Hinzu kommt der Krieg mit Iran, der den Ölpreis nach oben trieb. Zudem rechnet der Markt mit einer restriktiveren Notenbank; bereits am kommenden Mittwoch dürfte es wohl zu einer ersten Zinserhöhung kommen.

Zu Jahresbeginn lag die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen noch unter 4 Prozent, danach stieg sie deutlich.
Zu Jahresbeginn lag die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen noch unter 4 Prozent, danach stieg sie deutlich. – Quelle: TradingView/Newsbit

Das Tempo ist dabei mindestens so wichtig wie das Niveau selbst. Wenn die Rendite binnen eines halben Jahres um einen vollen Prozentpunkt steigt, bleibt Kreditnehmern kaum Zeit, sich darauf einzustellen.

Die Notenbank hat darauf weniger Einfluss, als viele vermuten. Ihre Beschlüsse prägen vor allem die kurzen Zinsen, also die Rendite von Anlagen mit Laufzeiten von wenigen Wochen oder Monaten.

Je länger die Laufzeit, desto stärker verwässert dieser Effekt. Bei zweijährigen Papieren dreht sich fast alles um die nächsten Schritte der Notenbank, bei zehnjährigen Anleihen um den Durchschnitt über den gesamten Zeitraum.

Ein oder zwei Zinsschritte fallen in diesem Durchschnitt kaum ins Gewicht. Deutlich schwerer wiegt die Inflation, die Anleger für die kommenden zehn Jahre erwarten, weil sie den realen Wert der späteren Rückzahlung schmälert.

Darauf kommt ein Aufschlag für Unsicherheit, die Laufzeitprämie. Zweifel an den US-Staatsfinanzen schlagen genau dort durch, und gerade dieser Aufschlag steigt derzeit.

Am Ende treffen diese drei Faktoren auf Angebot und Nachfrage. Der Kupon einer Staatsanleihe ist festgelegt. Wenn Käufer eine höhere Rendite verlangen, kann nur noch der Kurs fallen.

Ein niedrigerer Kurs bedeutet eine höhere Rendite. Der Kurs gerät unter Druck, sobald mehr Anleihen auf den Markt kommen als Käufer bereitstehen. Genau das geschieht derzeit: Staaten und Unternehmen nehmen weiter umfangreich Kapital auf, zusätzlich zur Kreditwelle für KI-Infrastruktur.

US-Finanzminister Scott Bessent kauft derweil langlaufende Anleihen zurück, um die Renditen zu drücken. Bislang zeigt sich der Markt davon jedoch kaum beeindruckt.

Zehnjahresrendite wieder auf dem Niveau von 2007

Im Frühjahr 2020 fiel die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen auf 0,335 Prozent und damit auf den niedrigsten Stand aller Zeiten. Es waren die Jahre des kostenlosen Geldes, in denen Notenbanken ihre Leitzinsen nahe null hielten und selbst Anleihen kauften.

Nach der Finanzkrise 2009 ist die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen deutlich gefallen.
Nach der Finanzkrise 2009 ist die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen deutlich gefallen. – Quelle: TradingView/Newsbit

Die gesamte Wirtschaft wurde auf diesem Zinsniveau aufgebaut. Staaten, Unternehmen und Hauskäufer finanzierten sich zu 1 bis 3 Prozent, in der Annahme, dass dies so bleiben würde.

Genau darin liegt der Unterschied zu 2007. Damals waren 5 Prozent völlig normal, und der Markt für US-Staatsanleihen hatte ein Volumen von rund 4,5 Billionen Dollar. Heute sind es etwa 32 Billionen Dollar.

Die Staatsverschuldung ist inzwischen größer als die gesamte US-Wirtschaft. Die Ratingagentur Fitch Ratings bezeichnete das Land im August deshalb als „anfällig für künftige wirtschaftliche Schocks“.

Der Schmerz entsteht erst bei der Refinanzierung. Eine Anleihe aus dem Jahr 2020 mit 1 Prozent Zins wird bei Fälligkeit durch neues Papier mit 5 Prozent ersetzt. Erst dann steigt die Zinslast tatsächlich.

Hypotheken und Aktien spüren den Druck sofort

Die langen Renditen sind der Grundpreis des Geldes. Ein Unternehmen zahlt die Zehnjahresrendite plus einen Aufschlag für das eigene Risiko, und US-Hypotheken bewegen sich nahezu eins zu eins mit ihr.

Der durchschnittliche Zinssatz für 30-jährige Hypotheken stieg in der vergangenen Woche auf 6,76 Prozent, nach 6,15 Prozent zu Jahresbeginn. Bei einem Kredit über 400.000 Dollar entspricht das rund 160 Dollar mehr im Monat.

Auch die Bewertungen von Aktien, Edelmetallen und Krypto geraten dadurch unter Einfluss. Wenn eine Staatsanleihe ohne nennenswertes Risiko 5 Prozent abwirft, muss jede andere Anlage diese Hürde erst einmal übertreffen.

Trotzdem liegt der S&P 500 in diesem Jahr mehr als 10 Prozent im Plus. Die KI-Konzerne liefern Quartal für Quartal außergewöhnlich starke Zahlen, weshalb Anleger die hohen Renditen bislang ausblenden. Auch die Investitionswelle wird wegen der hohen erwarteten Erträge durch Renditen von 5 Prozent nicht gebremst.

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