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Zu Jahresbeginn schien es bei den Zinsen in den Vereinigten Staaten nur eine Richtung zu geben: nach unten. Dieses Bild hat sich vollständig gedreht. Nach enttäuschenden Inflationsdaten und einem erneuten Anstieg des Ölpreises rechnen immer mehr große Banken damit, dass die US-Notenbank die Zinsen in dieser Woche anhebt.
Goldman Sachs und JPMorgan haben sich dieser Einschätzung inzwischen angeschlossen. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit einer neuen Phase von Zinserhöhungen. Das ist für Aktien und Anleihen relevant, aber auch für riskante Anlagen wie Bitcoin (BTC) und andere Kryptowährungen.
Die Federal Reserve (Fed) berät in dieser Woche über die US-Zinsen. Goldman Sachs erwartet nun, dass die Notenbank den Leitzins um 25 Basispunkte anhebt. Zuvor war die Bank noch von unveränderten Zinsen ausgegangen.
Auch JPMorgan rechnet mit einer Anhebung um 25 Basispunkte. Dabei dürfte es nach Einschätzung der Bank möglicherweise nicht bleiben. Die Analysten erwarten im Dezember eine weitere Zinserhöhung in gleicher Höhe.
Der Stimmungswechsel folgt auf neue Konjunkturdaten aus den Vereinigten Staaten. Sowohl die Verbraucherpreise als auch die Erzeugerpreise stiegen im August stärker als erwartet. Damit wachsen die Zweifel, ob die amerikanische Inflation schnell genug in Richtung des Zwei-Prozent-Ziels fällt.
Hinzu kommt der Ölpreis. Neue Spannungen im Nahen Osten trieben Öl auf mehr als 100 Dollar je Barrel. Teurere Energie kann die Inflation erneut anheizen und erschwert es der Fed, die Zinsen niedrig zu halten.
Zugleich rechnet Goldman-Ökonom David Mericle damit, dass die Fed behutsam vorgeht. „Wir gehen davon aus, dass der FOMC die Märkte nicht unnötig überraschen will“, schreibt er. Sinngemäß erwartet Goldman also, dass die Notenbank Anleger nicht mit einem Beschluss konfrontiert, der deutlich von dem abweicht, was die Finanzmärkte inzwischen eingepreist haben.
Die Verschiebung an der Wall Street fällt deutlich aus. Einer von Coin Bureau veröffentlichten Übersicht zufolge erwarten 16 der 20 beobachteten Banken und Researchhäuser, dass der nächste Schritt der Fed eine Zinserhöhung sein wird.
Drei Häuser erwarten für 2026 insgesamt Anhebungen um 75 Basispunkte. Elf rechnen mit 50 Basispunkten, zwei mit 25 Basispunkten. Unter anderem Bank of America, Deutsche Bank und RBC gehören zu den Häusern, die am Ende eine zusätzliche Straffung um 75 Basispunkte erwarten.
Nur vier Häuser weichen davon ab. HSBC geht vorerst von unveränderten Zinsen aus. Jefferies erwartet dagegen im Dezember eine Senkung um 25 Basispunkte. Morgan Stanley und Oxford Economics rechnen der Übersicht zufolge erst 2027 wieder mit einer Zinssenkung.
Das steht in scharfem Kontrast zu den Erwartungen zu Beginn des Jahres 2026. Damals rechneten die Finanzmärkte noch mit vier Zinssenkungen. Inzwischen dreht sich die Debatte nicht mehr vor allem um die Frage, ob die Fed die Zinsen anhebt, sondern auch darum, wie viele weitere Erhöhungen danach folgen könnten.
Auch die Finanzmärkte haben ihre Erwartungen rasch angepasst. Laut CME FedWatch preisen die Märkte inzwischen eine Wahrscheinlichkeit von rund 88 Prozent für eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte in diesem Monat ein. Vor den neuen Inflationsdaten lag diese Wahrscheinlichkeit noch bei etwa 70 Prozent.
Für den Bitcoin-Kurs ist dieser Umschwung wichtig. Höhere Zinsen machen vergleichsweise sichere Anlagen wie US-Staatsanleihen attraktiver. Gleichzeitig verteuert sich die Kreditaufnahme, und das Volumen günstigen Kapitals im Finanzsystem nimmt ab.
Das kann Aktien und Kryptoanlagen belasten. Bitcoin und andere riskante Anlagen profitieren in der Regel eher von der Erwartung, dass die Fed die Zinsen senkt und die Finanzierungsbedingungen lockert.
Der Markt blickt deshalb am Mittwoch nicht nur auf die Zinsentscheidung selbst. Die Botschaft der Fed für die folgenden Monate könnte mindestens ebenso wichtig werden. Wenn die Währungshüter deutlich machen, dass mehrere Zinserhöhungen nötig sind, um die Inflation zu bremsen, könnten die Zinserwartungen für den Rest des Jahres 2026 erneut in Bewegung geraten.
Goldman Sachs erwartet vorerst, dass die Erhöhung in dieser Woche nicht zwangsläufig der Beginn einer längeren Serie sein muss. Die Bank rechnet weiterhin mit zwei Zinssenkungen im Jahr 2027, auch wenn diese inzwischen später erwartet werden als zuvor.
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