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Die Maßnahme des US-Finanzministers Scott Bessent hat den Anleihemarkt nur kurz beruhigt. Gestern kündigte das Ministerium an, deutlich mehr lang laufende Staatsanleihen zurückzukaufen. Die langfristigen Renditen sanken zunächst, doch heute ist diese Bewegung bereits vollständig verpufft.
Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen stieg heute von rund 5,19 auf 5,26 Prozent. Damit liegt sie wieder etwa auf dem Niveau vor der Maßnahme. Auch die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen legte weiter auf 4,71 Prozent zu und notiert damit knapp unter dem höchsten Stand seit Anfang 2025.
Diese schnelle Gegenbewegung ist bemerkenswert. Wichtiger ist womöglich aber, dass Washington überhaupt eingegriffen hat. Das zeigt, dass sich die US-Regierung Sorgen über die hohen langfristigen Renditen macht und bereit ist, Maßnahmen zu ergreifen, falls der Druck am Anleihemarkt weiter zunimmt.

Das US-Finanzministerium gab am Mittwoch überraschend bekannt, sein Rückkaufprogramm für lang laufende Staatsanleihen deutlich auszuweiten. Bei Anleihen mit Laufzeiten von zehn bis dreißig Jahren sollen die Rückkäufe mindestens verdoppelt werden.
Indem das Ministerium selbst mehr Anleihen zurückkauft, schafft es zusätzliche Nachfrage. Das kann die Anleihekurse stützen und die Renditen entsprechend nach unten drücken.
Genau das geschah gestern. Vor allem die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen gab unmittelbar nach der Ankündigung deutlich nach. Auch der Dollar schwächte sich ab, während riskantere Anlagen wie Aktien und Krypto profitierten.
Einen Tag später ist dieser Renditerückgang jedoch bereits wieder verschwunden.
Nach Einschätzung von Howard Du, Stratege bei TD Securities, zeigt das, dass Anleger noch nicht davon überzeugt sind, dass Bessent die langfristigen Renditen dauerhaft unter Kontrolle bringen kann.
Der Markt sendet damit ein klares Signal. Washington kann vorübergehend zusätzliche Nachfrage nach Staatsanleihen schaffen, doch die grundlegenden Probleme verschwinden dadurch nicht.
Die US-Regierung kämpft mit hohen Haushaltsdefiziten und muss enorme Mengen neuer Schulden aufnehmen. Zugleich bleibt die Inflation ein Risiko, unter anderem wegen des hohen Ölpreises. Hinzu kommt, dass große Technologieunternehmen viel Kapital aufnehmen, um ihre Investitionen in KI-Infrastruktur zu finanzieren. Das könnte den Druck auf den breiteren Anleihemarkt zusätzlich erhöhen.
Anleger verlangen deshalb eine höhere Vergütung dafür, Geld über längere Zeit zu verleihen. Das hält vor allem die langfristigen Renditen hoch.
Auch außerhalb der Vereinigten Staaten zeigt sich dieses Problem. Die langfristigen Renditen im Vereinigten Königreich und in mehreren europäischen Ländern stiegen am Donnerstag erneut und bewegen sich in der Nähe der höchsten Niveaus seit Jahren.
Dass die US-Renditen bereits wieder steigen, bedeutet nicht, dass die Maßnahme unbedeutend war. Bessent hat vielmehr gezeigt, dass das Ministerium bereit ist, seine Instrumente einzusetzen, wenn der Anleihemarkt zu stark unter Druck gerät.
Das ist relevant, weil dauerhaft hohe Renditen immer stärker auf die Wirtschaft durchschlagen. Die US-Regierung zahlt mehr für neue Schulden, Unternehmen sehen sich mit höheren Finanzierungskosten konfrontiert, und auch Hypotheken sowie andere Kredite können teurer werden.
Die Frage ist daher nicht nur, ob diese konkrete Maßnahme die Renditen dauerhaft senken kann. Anleger wissen nun auch, dass Washington offenbar eine Schwelle sieht, ab der es erneut eingreifen dürfte.
Vorerst testet der Anleihemarkt diese Schwelle bereits wieder. Mit einer Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen von 5,26 Prozent ist der Rückgang nach Bessents Ankündigung innerhalb eines Tages fast vollständig verschwunden.
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