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Der Hardwarewallet-Hersteller Trezor fordert einen Teil seiner Kunden auf, ihre Kryptobestände noch heute in Sicherheit zu bringen. In einem seiner Geräte soll ein verstecktes Bauteil stecken, mit dem Angreifer Zugriff auf die Wallet erlangen können. Die Spur führt zu demselben Händler, der bereits Anfang des Monats Ledger in Schwierigkeiten brachte.
Trezor machte den Fall heute Morgen auf der Social-Media-Plattform X bekannt. Betroffen ist eine Trezor Safe 5, die ein Kunde in Indonesien im August über den Online-Marktplatz Tokopedia bei CryptoBilis gekauft hatte.
Der Händler aus Südostasien war bis zum 9. Oktober offizieller Partner des tschechischen Wallet-Herstellers. Eine Hardwarewallet ist ein kleines Gerät, das die digitalen Schlüssel für Kryptobestände offline aufbewahrt.
Laut der am Mittwoch eingegangenen Meldung befindet sich in diesem Gerät zwischen Hauptplatine und Display eine zusätzliche Platine mit einem Mobilfunkmodul und einer Antenne.
Diese Platine soll sämtliche Bildschirminhalte auslesen und über das Mobilfunknetz übertragen. Dazu gehört auch die Wiederherstellungsphrase: eine Wortfolge, die als Ersatzschlüssel dient. Wer sie kennt, kann über ein anderes Gerät auf die Kryptobestände zugreifen und sie abziehen.
Trezor hat das Gerät bislang nicht selbst untersucht. Das Unternehmen hat jedoch per Video mit dem Käufer gesprochen und nimmt die Meldung ernst. Vertriebschef Danny Sanders erläuterte, warum Trezor nicht auf die Laboruntersuchung wartet.
Gegenüber Cointelegraph erklärte Sanders, das Gerät liege dem Labor zwar noch nicht vor, die Meldung werde aber als glaubwürdig eingestuft. Trezor wolle die Kunden lieber sofort warnen, als eine Bestätigung abzuwarten und damit zu riskieren, dass in der Zwischenzeit jemand Geld verliere.
Soweit bekannt, wurden bislang keine Gelder gestohlen. Der Käufer hatte seine Kryptobestände bereits auf eine andere Wallet übertragen, bevor er das versteckte Bauteil entdeckte. Wer seit März eine Trezor-Wallet bei CryptoBilis gekauft hat, soll seine Coins nach Angaben des Unternehmens auf eine neue Wallet mit einer neuen Wiederherstellungsphrase übertragen. Trezor schickt diesen Kunden ein Ersatzgerät.
Nach Angaben von Trezor liegt bislang nur eine solche Meldung vor. Im selben Beitrag auf X schreibt das Unternehmen, es habe seit dem 9. Oktober vier Geräte von CryptoBilis-Kunden untersucht und dabei keine Hinweise auf Manipulationen gefunden.
Vieles deutet darauf hin, auch wenn sich Trezor noch nicht festlegen will. Das Gerät stammt vom selben Händler wie die manipulierten Ledger-Wallets. Zudem funktioniert das versteckte Bauteil laut Trezor auf ähnliche Weise. Wer dahintersteckt, weiß das Unternehmen noch nicht. Es untersucht den Fall gemeinsam mit Ledger.
Der französische Konkurrent gehört neben Trezor zu den bekanntesten Herstellern von Hardwarewallets. Bei Ledger wurde das Problem Anfang Oktober bekannt. Dabei wurden fast 100 Millionen Dollar erbeutet.
Trezor hatte sich damals noch zuversichtlich geäußert. Mitte Oktober schrieb Sanders an Wiederverkäufer, es gebe keinerlei Hinweise auf manipulierte Trezor-Geräte.
Diese Aussage bezog sich laut Trezor ausschließlich auf Neugeräte von autorisierten Händlern. Allerdings war CryptoBilis im August, als die betroffene Safe 5 verkauft wurde, noch ein autorisierter Händler.
Der Sicherheitsforscher Joe Grand gibt zudem an, Trezor bereits im August auf manipulierte Wallets nicht autorisierter Händler auf TikTok und Facebook hingewiesen zu haben. Die Sicherheitsprüfungen bei der Einrichtung einer Trezor-Wallet sollen Fälschungen und veränderte Software erkennen.
Das in die Ledger-Geräte eingebaute Bauteil ließ die Software jedoch unverändert und las lediglich die angezeigten Inhalte mit. Trezor räumt selbst ein, dass Siegel und Verpackung allein keinen ausreichenden Schutz bieten.
Der Vorfall reiht sich in eine lange Serie von Sicherheitsproblemen ein. Künstliche Intelligenz (KI) spielt dabei eine immer größere Rolle. Laut dem Tracker von AgentBeam gab es in den ersten drei Oktoberwochen 48 größere Cyberangriffe, von denen elf mithilfe von KI ausgeführt wurden.
Auch die Kryptobranche ist massiv betroffen.
Das Sicherheitsunternehmen CertiK zählte in diesem Jahr bis einschließlich September bereits 656 Vorfälle mit einem Gesamtschaden von rund 2,7 Milliarden Dollar. Die Kryptobörse Bitget verlor allein im September rund 388 Millionen Dollar.
Gestern wurde diese Summe bei Binance deutlich übertroffen: Beim bislang größten Kryptodiebstahl erbeuteten Hacker rund 6,3 Milliarden Dollar von der weltgrößten Kryptobörse.
Gestern folgte der bislang größte Kryptodiebstahl. Hacker erbeuteten bei Binance rund 6,3 Milliarden Dollar – mehr als das Vierfache der bisherigen Rekordsumme beim Angriff auf Bybit im Februar 2025. Nach Einschätzung von Analyseunternehmen steckt Nordkorea dahinter. Binance hat inzwischen jedoch mit der Entschädigung betroffener Nutzer begonnen und finanziert diese aus eigenen Mitteln.
Die bei Binance gestohlenen Coins lagen in sogenannten Hot Wallets, die dauerhaft mit dem Internet verbunden sind. Hardwarewallets gelten dagegen als sicherste Möglichkeit, Kryptobestände aufzubewahren. Sie zählen zum sogenannten Cold Storage: Die Schlüssel werden offline gespeichert und sind damit vor Fernzugriffen durch Hacker geschützt.
Doch auch diese Form der Verwahrung hat eine Schwachstelle. Das Risiko liegt dann nicht im Internet, sondern auf dem Weg vom Hersteller zum Kunden.
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