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Morgan Stanley gehört zu den ersten Großbanken, die US-Aktien und US-Staatsanleihen auf die Blockchain bringen. Seit dieser Woche nutzt die Investmentbank dafür den Tokenisierungsdienst der zentralen Abwicklungsstelle der Wall Street. Noch handelt es sich um einen Test. Die tokenisierten Aktien lassen sich aber bereits wie Kryptowährungen von Wallet zu Wallet übertragen.

Morgan Stanley tokenisiert Aktien und Staatsanleihen

Morgan Stanley, einer der größten Vermögensverwalter der Welt, hat über den neuen Dienst der Depository Trust & Clearing Corporation (DTCC) Aktien und Staatsanleihen in Token umgewandelt. Das teilte die Bank auf X mit, eine Woche nachdem der Dienst am 28. Oktober gestartet war.

Bei der Tokenisierung erhält eine Aktie oder Anleihe ein digitales Abbild auf einer Blockchain. Die DTCC-Tochter Depository Trust Company (DTC) erstellt diese Token selbst. Als Grundlage dienen Wertpapiere im Wert von rund 114 Billionen Dollar, die sie verwahrt.

Die zugrunde liegende Aktie verbleibt also in der bisherigen Verwahrung. Der Token dient als übertragbarer Eigentumsnachweis und bietet dieselben Rechte und denselben Anlegerschutz wie das Original.

Teilnehmer können zwischen der herkömmlichen und der digitalen Form wechseln und Token an ihre eigene Wallet senden. Nach Angaben der DTCC erleichtert das den Handel und beschleunigt die Übertragung von Sicherheiten.

Amy Oldenburg, Leiterin der Strategie für digitale Vermögenswerte bei Morgan Stanley, sieht darin die Grundlage für weitere Schritte.

Die praktischen Erfahrungen mit der Einbindung tokenisierter Wertpapiere in die etablierte Marktinfrastruktur würden die Weiterentwicklung des Angebots für digitale Vermögenswerte prägen, so Oldenburg. Dabei werde sich die Bank an der Entwicklung des Marktes orientieren.

Morgan Stanley ist nicht der einzige Teilnehmer: Zum Start schlossen sich 20 Unternehmen an. Dazu zählen die US-Großbanken JPMorgan, Citi und Bank of America sowie die europäischen Banken Barclays, BNP Paribas und UBS.

Bemerkenswert ist auch die Beteiligung mehrerer Broker. Alpaca und DriveWealth stellen im Hintergrund die Infrastruktur für den Aktienhandel in Anlage-Apps bereit. Auch Edward Jones ist dabei.

Privatanleger haben keinen direkten Zugang zur DTCC. Der Dienst richtet sich ausschließlich an Banken und Broker, die ihren Kunden die Token jedoch anbieten dürfen. Anleger erhalten den Zugang damit über ihre Bank oder App – ähnlich wie beim herkömmlichen Aktienkauf, der ebenfalls nicht direkt über die Börse erfolgt.

Tokenisierung gewinnt in den USA an Bedeutung

Morgan Stanley steigt zu einem Zeitpunkt ein, an dem die Tokenisierung in den USA deutlich an Fahrt gewinnt. Bislang wurden tokenisierte US-Aktien vor allem außerhalb der Vereinigten Staaten gehandelt, etwa die xStocks von Backed auf der Kryptobörse Kraken.

Diese Token sind im Verhältnis eins zu eins durch echte Aktien gedeckt, gewähren aber keine Aktionärsrechte wie etwa Stimmrechte. US-Anleger dürfen sie zudem nicht kaufen.

Der Markt ist bislang vergleichsweise klein. Mitte September belief sich der Wert tokenisierter Aktien auf rund 4,4 Milliarden Dollar. Das entspricht etwa 0,004 Prozent des von der DTC verwahrten Wertpapierbestands.

Seit diesem Herbst ermöglicht die US-Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) mit einer auf fünf Jahre befristeten Ausnahmegenehmigung auch Token-Plattformen im eigenen Land den Betrieb. Dort dürfen auch Dritte Aktien tokenisieren. Die Token müssen allerdings dieselben Rechte wie die herkömmliche Aktie gewähren, einschließlich Dividenden- und Stimmrechten.

Die betroffenen Unternehmen haben dabei 30 Tage Zeit, Widerspruch einzulegen. Bei OKXICE, der Plattform der Kryptobörse OKX und der NYSE-Muttergesellschaft Intercontinental Exchange (ICE), haben das bereits 56 Unternehmen getan, darunter Tesla und SpaceX.

Der DTCC-Dienst arbeitet auf Grundlage einer eigenen Ausnahmegenehmigung der SEC vom Dezember 2025. Ein Widerspruchsverfahren ist dort, soweit bekannt, nicht vorgesehen. So kann JPMorgan die Tokenisierung der eigenen Aktie auf OKXICE ablehnen und als Bank dennoch am DTCC-Angebot teilnehmen.

Morgan Stanley will tokenisierte Aktien ab dem ersten Quartal 2027 auch auf der eigenen außerbörslichen Handelsplattform Trajectory Cross handeln lassen. Zuvor hatte die Bank noch die zweite Jahreshälfte 2026 angepeilt. Nach Angaben von Oldenburg befindet sich die dafür erforderliche Infrastruktur noch im Aufbau.

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