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Der S&P 500 liegt 2026 inzwischen mehr als 12 Prozent im Plus. Auf den ersten Blick wirkt das wie ein intakter Bullmarkt. Der Index schloss am Freitag bei 7.711 Punkten und wird erneut von Technologie, KI und einer hohen Risikobereitschaft getragen.

Eine Kolumne im The Wall Street Journal warnt jedoch, dass der aktuelle Markt womöglich weniger an 1999 erinnert als an 1901.

Das klingt zunächst ungewöhnlich. Doch bei dem Vergleich geht es nicht nur um Bewertungen, sondern vor allem um Spekulation, Hebel und Liquidität.

Der Handel wird kurzfristiger und aggressiver

Im Jahr 1901 erreichte die Umschlagshäufigkeit an der New York Stock Exchange 319 Prozent. Rein rechnerisch wechselte damit der gesamte Markt im Schnitt alle vier Monate den Besitzer.

In diesem Umfeld entstanden sogenannte Bucket Shops, in denen Privatanleger mit hohem Hebel auf kurzfristige Kursbewegungen wetten konnten, ohne dass tatsächlich Aktien gekauft wurden.

Die moderne Variante zeigt sich am Optionsmarkt. Im Juli entfielen 66,2 Prozent des gesamten Optionsvolumens auf den S&P 500 auf Optionen, die noch am selben Tag ausliefen. Das ist ein Rekord. Solche Produkte werden häufig für extrem kurzfristige Spekulationen genutzt.

Auch die kreditfinanzierten Wertpapierpositionen sind deutlich gestiegen. Nach Angaben der FINRA beliefen sich die gesamten Margin-Schulden der Anleger im Juli auf 1,42 Billionen Dollar, nach 1,02 Billionen Dollar ein Jahr zuvor.

Anleger setzen damit immer stärker auf geliehenes Geld, um am Markt aktiv zu sein.

Lehre von 1907: Zuerst versiegt die Liquidität

Die Warnung aus dem Jahr 1907 lautet: Crashs beginnen nicht immer bei den Bewertungen.

Die Panik von 1907 entstand, nachdem zwei Spekulanten mit dem Versuch scheiterten, United Copper unter ihre Kontrolle zu bringen. Anschließend griff der Stress auf Trust Companies über, also schwächer regulierte Finanzinstitute mit begrenzten Barreserven.

Als das Vertrauen verschwand, verschwand auch die Liquidität. Die Call-Money-Sätze sprangen von 9,5 Prozent auf 70 Prozent und kurz darauf sogar auf 100 Prozent. Am Ende musste J.P. Morgan persönlich eingreifen, um das Finanzsystem zu stabilisieren.

Der Dow Jones verlor vom Hoch bis zum Tief mehr als 40 Prozent. Sechs Jahre später wurde die Federal Reserve gegründet.

Auch heute steht Liquidität im Mittelpunkt

Natürlich ist 2026 nicht 1907. Das Finanzsystem ist deutlich stärker reguliert, und Zentralbanken verfügen über wesentlich mehr Instrumente. Die grundlegende Lehre bleibt dennoch relevant.

Solange die Märkte steigen, wirkt Bargeld nutzlos und Hebel wie eine kluge Entscheidung. Sobald aber alle gleichzeitig Liquidität brauchen, wird aus vermeintlichem Ballast plötzlich Schutz.

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