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Die Ukraine hat Russland vorgeschlagen, Angriffe auf Schiffe mit Agrargütern im Schwarzen Meer vorübergehend auszusetzen. Moskau habe diesen Vorschlag nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj abgelehnt. Russland sei nur bereit, den ukrainischen Getreidekorridor zu verschonen, wenn Kiew seine Angriffe auf den russischen Energiesektor einstellt.

Der gescheiterte Versuch einer Waffenruhe könnte Folgen für den weltweiten Lebensmittelmarkt haben. Russland und die Ukraine stehen zusammen für mehr als ein Viertel der globalen Weizenexporte. Weil beide Länder zunehmend Häfen und Handelsschiffe angreifen, gerät der Getreideexport immer stärker unter Druck.

Russland knüpft Getreideabkommen an Angriffe auf Energiesektor

Nach Angaben Selenskyjs wollte die Ukraine Vereinbarungen treffen, um den Export von Agrargütern über das Schwarze Meer aus dem Krieg herauszuhalten. Russland habe daran jedoch eine zentrale Bedingung geknüpft: Die Ukraine müsse ihre Angriffe auf den russischen Energiesektor einstellen.

„Ihre Haltung läuft offenbar darauf hinaus: Unseren Getreidekorridor greifen sie nur dann nicht an, wenn wir ihre Energieanlagen verschonen“, sagte Selenskyj.

Die Ukraine greift zuletzt immer häufiger russische Energieinfrastruktur mit Drohnen an. Dabei wurden unter anderem Ölraffinerien tief im russischen Staatsgebiet getroffen. Wladimir Putin räumte am Samstag ein, dass die Angriffe wirtschaftlichen Schaden verursachen.

Selenskyj erklärte, er sei auch zu Absprachen über die Schonung von Energieinfrastruktur bereit. Für ihn gilt dabei jedoch eine klare Bedingung: Russland und die Ukraine müssten sich an dieselben Regeln halten. Dieses Prinzip gelte aus seiner Sicht auch für eine mögliche vollständige Waffenruhe.

Putin teilte am Samstag mit, Russland habe mehrere Vorschläge aus Kiew abgelehnt. Einige Pläne bezeichnete er als „inakzeptabel“. Der russische Präsident ließ offen, auf welche Vorschläge er sich konkret bezog.

Ukraines Getreideexport gerät massiv unter Druck

Die zunehmenden Spannungen im Schwarzen Meer schlagen sich inzwischen immer deutlicher im Getreidehandel nieder.

Rund 90 Prozent der ukrainischen Getreideexporte laufen über Häfen in der Region Odessa. Seit Anfang August hat die Ukraine nach Angaben von Agrarminister Taras Wyssotskyj lediglich rund 500.000 Tonnen Getreide ausgeführt. Das entspricht etwa einem Fünftel dessen, was unter normalen Bedingungen möglich wäre.

Auch Russland hat Probleme. Anfang des Monats mussten drei große Getreideterminals im russischen Hafen Noworossijsk ihren Betrieb einstellen, nachdem sie beschädigt worden waren.

Die russischen Angriffe gehen unterdessen weiter. Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums wurde in der vergangenen Nacht der ukrainische Hafen Juschne in der Region Odessa getroffen. Dabei seien fünf Treibstofftanks sowie Infrastruktur für das Be- und Entladen von Gütern beschädigt worden.

Selenskyj hat ausländischen Staats- und Regierungschefs vorgeschlagen, Schiffe aus anderen Ländern sowohl für ukrainische als auch für russische Agrarexporte einzusetzen. Er rechnet jedoch nicht damit, dass Moskau dem zustimmt.

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