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Der weltweit größte Eigner von Supertankern bietet Besatzungsmitgliedern für eine einzige Hin- und Rückfahrt durch die Straße von Hormus sechs zusätzliche Monatsgehälter. Damit will die Sinokor Group Seeleute dazu bewegen, eine der gefährlichsten Schifffahrtsrouten der Welt weiter zu befahren.
Das Angebot geht aus einem Dokument hervor, das der Nachrichtenagentur Bloomberg vorliegt, und zeigt, wie stark sich die Lage in der Region zugespitzt hat. Während Reedereien von Rekord-Frachtraten profitieren, riskieren die Besatzungen täglich ihr Leben.
Seit Ausbruch des Kriegs Ende Februar sind nach Angaben der Schifffahrtsorganisation der Vereinten Nationen mindestens 59 Handelsschiffe in und um den Persischen Golf angegriffen worden. Dabei kamen 17 Seeleute ums Leben. In der vergangenen Woche gab es erneut Todesopfer, am Montag musste eine Besatzung ihr Schiff nach einem weiteren Angriff verlassen.
Das Angebot von Sinokor gilt für eine Hin- und Rückfahrt, bei der Öl in Saudi-Arabien oder im Irak geladen und im Golf von Oman gelöscht wird. Die gesamte Reise dauert rund einen Monat. Wer sie antritt, erhält zusätzlich zum regulären Lohn eine Prämie in Höhe von sechs Monatsgehältern.
Für viele Seeleute ist das ein außergewöhnlich attraktives Angebot. Ein Kapitän auf einem Öltanker verdient nach Angaben von Vertretern zweier Reedereien rund 15.000 Dollar im Monat. Ein Matrose kommt in der Regel auf etwa 1.500 Dollar. Vor allem für Besatzungsmitglieder aus Ländern wie den Philippinen und Indien kann ein halbes Jahresgehalt zusätzlich den Unterschied zwischen einem durchschnittlichen Einkommen und finanzieller Sicherheit für die Familie ausmachen.
Dem steht jedoch ein erhebliches Risiko gegenüber. Besatzungsmitglieder haben formal das Recht, eine gefährliche Route abzulehnen, und können verlangen, von Bord zu gehen, bevor das Schiff die Gefahrenzone erreicht.
„Es gibt Berichte über zahlreiche Besatzungsmitglieder, die von Bord gehen. Die Reedereien finden aber weiterhin Menschen, die bereit sind, die Fahrt anzutreten“, sagt Kapitän Pradeep Chawla, Vorsitzender der Ausbildungsorganisation GlobalMET.
Sinokor ist mit Unterstützung des Containerkonzerns MSC zum weltweit größten Eigner von Supertankern aufgestiegen. Das Unternehmen spielt eine wichtige Rolle beim Transport von Öl aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, Saudi-Arabien und dem Irak.
Nach Angaben von Personen, die mit der Bemannung von Tankern befasst sind, zählt die Prämie von Sinokor zu den höchsten der Branche. Andere Reedereien zahlen in der Regel geringere Zuschläge, doch auch diese sind in den vergangenen Wochen deutlich gestiegen. Einige Besatzungsmitglieder erhalten inzwischen zwei zusätzliche Monatsgehälter für einen Vertrag über 30 Tage. Seit den Angriffen in der Straße von Hormus steigen die Vergütungen weiter.
Gleichzeitig nimmt der Schiffsverkehr durch die Meerenge ab. Wie viele Schiffe die Route noch mit abgeschalteten Satellitensignalen befahren, ist unklar. Der Ölfluss ist damit nicht zum Erliegen gekommen, die Risiken sind jedoch erheblich gestiegen. Versicherer verlangen höhere Prämien, Reeder profitieren von den gestiegenen Frachtraten, und Besatzungsmitglieder erhalten immer höhere Boni, um die gefährliche Route dennoch weiter zu befahren.
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