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Der Ölpreis ist am Mittwoch stark eingebrochen. Sowohl amerikanisches als auch europäisches Öl verlor innerhalb kurzer Zeit mehrere Prozent an Wert. Anleger reagieren auf die US-Zwischenwahlen, bei denen Präsident Donald Trump eine schwere politische Niederlage erlitten hat. Zugleich wächst die Unsicherheit über den Krieg mit Iran. Entscheidend ist nun, ob Trump auf Verhandlungen oder weitere Militärschläge setzt.
Der Preisverfall am Ölmarkt hat sich am Mittwochnachmittag beschleunigt. Die US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) verbilligte sich auf rund 93,30 Dollar je Barrel. Am Dienstagnachmittag hatte der Preis noch über 98 Dollar gelegen. Damit hat WTI innerhalb von etwas mehr als 24 Stunden gut fünf Prozent verloren.

Auch Brent, die wichtigste internationale Referenzsorte, steht stark unter Druck. Der Brent-Preis fiel auf rund 100,47 Dollar je Barrel, nach mehr als 106 Dollar am Dienstag. Damit nähert er sich der psychologisch wichtigen Marke von 100 Dollar.
Die Preisentwicklung zeigt, wie schnell die Stimmung am Markt gekippt ist. Beide Ölsorten hatten Anfang der Woche noch deutlich höher notiert. Inzwischen dominieren jedoch klar die Verkäufer.
Bemerkenswert ist, dass der Ölpreis trotz der anhaltend hohen geopolitischen Spannungen im Nahen Osten fällt. Drohende militärische Konflikte in wichtigen Ölförderregionen treiben die Preise normalerweise nach oben.
Ein wesentlicher Auslöser für den Preisrückgang sind die amerikanischen Zwischenwahlen. Die Demokraten haben am Dienstag sowohl im Repräsentantenhaus als auch im Senat die Mehrheit errungen. Trumps politischer Handlungsspielraum wird dadurch erheblich eingeschränkt.
Das Wahlergebnis könnte weitreichende Folgen für die US-Außenpolitik haben. Vor allem die Finanzierung weiterer Militäreinsätze gegen Iran dürfte schwieriger werden, wenn die Demokraten mehr Einfluss erhalten.
Trump räumte gegenüber dem Wall Street Journal ein, dass der Krieg mit Iran zur Wahlniederlage seiner Partei beigetragen habe. Dennoch bereue er den Konflikt nicht. Der Präsident erklärte sich zur Zusammenarbeit mit den Demokraten bereit, betonte aber zugleich, dass er weiterhin von seinem Vetorecht Gebrauch machen könne.
Die veränderten Mehrheitsverhältnisse wirken sich allerdings nicht sofort aus. Der neue Kongress tritt erst am 3. Januar zusammen. Nach Einschätzung von Michelle Brouhard, Leiterin der geopolitischen Risikoanalyse bei Kpler, bleiben der Regierung damit noch knapp zwei Monate, um unter den bisherigen Mehrheitsverhältnissen neue außenpolitische Initiativen zu ergreifen.
Für Ölhändler ist entscheidend, ob Washington erneut militärisch eingreift oder eine diplomatische Lösung anstrebt.
Die ING-Analysten Warren Patterson und Ewa Manthey weisen darauf hin, dass das Risiko neuer Kampfhandlungen bereits im Ölpreis berücksichtigt ist. Bleibt eine weitere Eskalation aus, könnte ein Teil dieses Risikoaufschlags entfallen.
Trotz des starken Preisrückgangs bleibt die Lage im Nahen Osten unsicher. Trump hat erklärt, vorerst keinen weiteren Angriff auf Iran zu erwägen, da die Verhandlungen aus seiner Sicht gut verlaufen. Zugleich betonte der Präsident, das US-Militär sei bei Bedarf zum Eingreifen bereit.
Die Äußerungen folgten kurz auf einen US-Angriff auf die iranische Insel Qeschm nahe der Straße von Hormus. Der Angriff hat neue Sorgen vor einer Eskalation ausgelöst, obwohl Washington und Teheran weiterhin versuchen, auf dem Verhandlungsweg eine Einigung zu erzielen.
Eine zentrale Rolle spielt dabei die Straße von Hormus. Vor dem Krieg wurde etwa ein Fünftel des weltweit verbrauchten Öls durch diese Meerenge transportiert. Iran hält die Passage derzeit weitgehend gesperrt und hat den Schiffsverkehr bereits unter anderem mit Unterwasserdrohnen und Sprengsätzen gestört.
Unterdessen bemüht sich Katar um Fortschritte bei den Verhandlungen zwischen beiden Ländern. Eine katarische Delegation sprach am Montag rund drei Stunden mit iranischen Regierungsvertretern. Beide Seiten tauschen weiterhin Vorschläge aus, ein Durchbruch steht jedoch noch aus.
Eine erneute militärische Eskalation könnte erhebliche Folgen für den Ölpreis haben. Nach Einschätzung von Neil Shearing, Chefökonom bei Capital Economics, könnte ein weiterer US-Angriff den Brent-Preis sogar auf mehr als 120 Dollar je Barrel treiben.
Shearing verweist zudem auf ein besonderes Risiko: Die Wahlniederlage der Republikaner könnte Trump dazu bewegen, sich stärker auf die Außenpolitik zu konzentrieren. Seine innenpolitischen Vorhaben lassen sich schließlich schwerer umsetzen, nachdem die Demokraten die Mehrheit im Kongress errungen haben.
Die Entwicklung ist auch für die US-Wirtschaft von Bedeutung. Höhere Ölpreise verteuern Kraftstoffe und Transporte und könnten so die Inflation weiter anheizen. Sie liegt bereits über dem Zwei-Prozent-Ziel der US-Notenbank.
Daneben verfolgen Ölhändler die Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine aufmerksam. Fortschritte könnten sich auf die US-Sanktionen gegen Russland und die russischen Kraftstoffexporte auswirken. Vor allem der Dieselmarkt steht derzeit stark unter Druck.
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