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Der Ölpreis ist wegen der zunehmenden Spannungen im Nahen Osten erneut kräftig gestiegen. Brentöl kletterte am Donnerstag auf 105 Dollar je Barrel, nachdem der Preis am Vortag erstmals seit Juli die Marke von 100 Dollar überschritten hatte. Anleger fürchten, dass der anhaltende Krieg die weltweite Ölversorgung weiter belastet.
Der Anstieg beschränkt sich nicht auf Rohöl. Auch Erdgas und Diesel verteuern sich. Damit wächst die Sorge, dass die Energiekrise die Inflation wieder anheizen könnte – ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, an dem die Notenbanken weiter mit dem hohen Preisdruck ringen.
Die Spannungen am Ölmarkt haben in der vergangenen Woche deutlich zugenommen. Iran hat klargemacht, dass es sich der amerikanischen Seeblockade nicht beugen will. Teheran droht mit einer Ausweitung seiner Angriffe, falls die USA weiter iranisches Staatsgebiet attackieren.
Auch im Jemen verschärft sich die Lage. Die von Iran unterstützten Huthi haben nach Angaben der The New York Times Regierungstruppen in Mokha besiegt, einer strategisch wichtigen Hafenstadt am Roten Meer. Damit stärkt die Gruppe ihre Position rund um die Meerenge Bab al-Mandab, eine zentrale Route für den internationalen Handel und den Energietransport.
Gleichzeitig kommen beunruhigende Signale aus Saudi-Arabien. Das Land meldete, dass seine Ölproduktion im vergangenen Monat auf den niedrigsten Stand seit 1990 gefallen ist. Die Kombination aus geringerer Förderung und dem Risiko neuer Störungen auf wichtigen Schifffahrtsrouten erhöht den Druck auf den Ölmarkt zusätzlich.
Brentöl hat seit Jahresbeginn inzwischen mehr als 70 Prozent an Wert gewonnen. Dennoch liegt der Ölpreis weiterhin unter dem im April erreichten Kriegshoch von 126 Dollar je Barrel.
Der höhere Ölpreis macht sich inzwischen auch bei anderen Kraftstoffen bemerkbar. Diesel verteuert sich schnell. In den USA nähert sich der Dieselpreis einem Rekord von sechs Dollar je Gallone. Auch in Europa sind die Preise kräftig gestiegen.
Das kann die Inflation weiter antreiben. Höhere Kraftstoffpreise treffen Verbraucher direkt an der Zapfsäule, verteuern aber auch den Transport von Waren. Unternehmen können diese Mehrkosten anschließend an ihre Kunden weitergeben.
Donald Trump rechnet vorerst kaum mit Entlastung. Seiner Einschätzung nach wird der Krieg erst nach den amerikanischen Zwischenwahlen im November enden; die Benzinpreise dürften bis dahin wohl nicht deutlich sinken.
Ein zentraler Faktor bleibt die Straße von Hormus. Durch diese wichtige Schifffahrtsroute fließen nach Angaben des amerikanischen Energieministers Chris Wright derzeit noch knapp 11 Millionen Barrel Öl und Ölprodukte pro Tag.
Nach Einschätzung von ING-Stratege Warren Patterson könnte der Ölpreis vor allem dann weiter steigen, wenn auch diese Ölströme erneut gestört werden.
Die USA versuchen unterdessen, die iranische Wirtschaft mit einer Seeblockade weiter unter Druck zu setzen. Dadurch sind die Ölexporte Irans stark gesunken. Washington droht zudem Ländern und Unternehmen mit Strafen, die ihre Verbindungen zu Teheran nicht kappen.
Iran räumt ein, dass der wirtschaftliche Schaden zunimmt, scheint den Kampf aber nicht beenden zu wollen. Die iranische Führung soll überzeugt sein, dass ein Weiterkämpfen notwendig ist, um künftige amerikanische Angriffe abzuschrecken.
Auch im Weißen Haus wird mit einem langwierigen Konflikt gerechnet. Berater, darunter Vizepräsident JD Vance, sollen mit Trump über ein Szenario gesprochen haben, in dem der Krieg mit Iran bis zum Ende seiner Amtszeit andauert.
Das würde das Risiko längerer Störungen der Energieversorgung aus dem Nahen Osten erhöhen. Vor allem die Straße von Hormus bleibt dabei entscheidend. Solange dort weiter Öl transportiert wird, wird ein Teil des Drucks auf den Weltmarkt abgefedert.
Vorerst bleibt der Markt jedoch angespannt. Die amerikanische Energy Information Administration erwartet, dass die Dieselvorräte in den USA in diesem Monat auf den niedrigsten Stand seit mehr als zwanzig Jahren fallen.
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