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Der NEAR-Kurs ist gestern kräftig gestiegen und erreichte den höchsten Stand seit gut zwei Monaten. Einen klaren Auslöser gibt es nicht, doch der Coin scheint von der Rally bei Privacy-Coins zu profitieren, die den Markt in dieser Woche antreibt. Zu diesem Thema hat das KI-Projekt eine direktere Verbindung, als vielen Anlegern bewusst ist.

NEAR erholt sich, während der breite Markt zurückbleibt

Am frühen Morgen stieg NEAR zeitweise auf mehr als 2,27 Dollar und damit auf den höchsten Stand seit Ende Juni. Auf Tagessicht liegt der Coin damit rund 16 Prozent im Plus.

NEAR erreicht höchsten Kurs seit Juni.
NEAR erreicht höchsten Kurs seit Juni. – Quelle: TradingView

Die Erholung kam aus unerwarteter Richtung. Gestern am späten Nachmittag war der Kurs noch auf ein Tief von knapp 1,92 Dollar gefallen, nachdem ein stärker als erwarteter US-Arbeitsmarktbericht Bitcoin (BTC) und den übrigen Kryptomarkt unter Druck gesetzt hatte.

Doch während der breite Markt kaum vom Fleck kam, erholte sich NEAR am Abend und legte anschließend deutlich zu. Vom Tief bis zum Hoch gewann der Coin in weniger als 24 Stunden mehr als 18 Prozent.

Privacy-Coins ziehen kräftig an

Der Zeitpunkt fällt mit einem Ausbruch im Privacy-Segment zusammen. Zcash (ZEC) überschritt am Freitag erstmals die Marke von 1.000 Dollar, unterstützt durch den ersten US-Börsenfonds, den Grayscale Ende August aufgelegt hatte. Auch Dash (DASH) stieg am Freitag um 17,5 Prozent auf den höchsten Stand seit Mai.

Dass NEAR davon profitiert, ist kein Zufall. Das Netzwerk wickelt über NEAR Intents im Hintergrund einen erheblichen Teil des Zcash-Handels ab: Nach Angaben des Projekts flossen bereits ZEC im Wert von mehr als 2 Milliarden Dollar durch das System.

Die Verbindung zu Zcash ist sehr konkret. Zashi, die offizielle Zcash-Wallet, nutzt das System von NEAR. Wer dort seine ZEC in Bitcoin oder einen der mehr als hundert anderen Coins tauscht, verwendet unbemerkt die Technologie von NEAR.

So funktioniert NEAR Intents

Intents ist keine eigenständige App, sondern Infrastruktur. Vergleichbar ist das mit einem Zahlungsdienst wie iDEAL: Verbraucher nutzen ihn nicht direkt, sondern bezahlen in einem Onlineshop, während das zugrunde liegende System die Zahlung zwischen den Banken abwickelt.

Bei Intents gibt der Nutzer in seiner eigenen Wallet lediglich an, was er tun möchte, etwa Bitcoin gegen ZEC tauschen. Spezialisierte Handelsteilnehmer, sogenannte Solver, konkurrieren anschließend darum, diesen Auftrag zum besten Preis auszuführen.

Eine technische Brücke zwischen Blockchains ist dafür nicht nötig. Der Solver liefert echte ZEC im Zcash-Netzwerk aus, während ein Smart Contract auf NEAR, also Programmcode auf der Blockchain, wie ein Schiedsrichter kontrolliert, dass beide Seiten ihre Leistung erbringen.

Das System existiert seit November 2024 und verarbeitete seitdem ein Volumen von rund 27 Milliarden Dollar. Seit diesem Frühjahr können Transaktionen zudem vertraulich erfolgen, wobei Betrag und Absender verborgen bleiben. Genau das passt zu dem Privacy-Thema, das derzeit den Markt erfasst.

Was ist NEAR überhaupt?

NEAR ist eine Layer-1-Blockchain, also ein eigenständiges Basisnetzwerk wie Ethereum (ETH), das sich als Infrastruktur für KI-Agenten positioniert: Programme, die eigenständig Aufgaben ausführen und bezahlen. Mitgründer Illia Polosukhin war an der Transformer-Forschung beteiligt, auf der ChatGPT aufbaut.

Dieser KI-Bereich gewinnt an Fahrt. Der Zahlungsdienstleister Stripe setzt sein Zahlungsprotokoll für KI-Agenten inzwischen über Intents ein, und die dadurch entstehenden Gebühren nutzt NEAR, um eigene Token zurückzukaufen.

Auch das Monatsupdate von Anfang September lieferte Anlegern neuen Stoff. NEAR präsentierte eine Roadmap für Post-Quanten-Sicherheit, also Verschlüsselung, die auch künftigen Quantencomputern standhalten soll.

Zudem meldete das Projekt mehr als 700.000 Intents-Nutzer innerhalb von 30 Tagen und vertraulich hinterlegte Vermögenswerte von mehr als 50 Millionen Dollar.

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