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Die Aktienmärkte stehen an diesem Montag weltweit deutlich unter Druck. Besonders Technologiewerte geraten unter Druck, nachdem die Spitzenmanager von Anthropic, OpenAI und xAI zu mehr Vorsicht bei der Entwicklung der leistungsfähigsten KI-Modelle aufgerufen haben. Zugleich sorgt ein weiter steigender Ölpreis für zusätzliche Nervosität an den Finanzmärkten.
Die Futures auf den Nasdaq 100 verlieren 1,6 Prozent, die Kontrakte auf den S&P 500 liegen 0,7 Prozent im Minus. Ein ETF auf große Chipwerte gibt sogar um 5,4 Prozent nach. Anleger fürchten, dass eine Drosselung der KI-Entwicklung Folgen für die Hunderte Milliarden Dollar haben könnte, die derzeit in Chips, Rechenzentren und andere KI-Infrastruktur fließen.
Hinzu kommt ein zweiter Belastungsfaktor. Brent-Öl steigt wegen neuer Störungen im Nahen Osten um fast vier Prozent auf mehr als 109 Dollar je Barrel. Das verstärkt die Inflationssorgen, zumal die Märkte inzwischen eine Wahrscheinlichkeit von fast 90 Prozent einpreisen, dass die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) am Mittwoch die Zinsen anhebt.
Die Nervosität nahm zu, nachdem Anthropic-Chef Dario Amodei am Samstag zu einem vorsichtigeren Umgang mit der Entwicklung der leistungsfähigsten KI-Modelle aufgerufen hatte. Sein Vorschlag erhielt Unterstützung von OpenAI-Chef Sam Altman. Auch Elon Musk, Gründer von xAI, stellte sich hinter den Appell und gab Amodei recht.
Für Anleger berührt die Debatte eine zentrale Grundlage der Börsenrally der vergangenen Jahre. Die enormen Investitionen in KI beruhen auf der Erwartung, dass Modelle rasch leistungsfähiger werden und Technologiekonzerne weiter Hunderte Milliarden Dollar für Chips, Rechenzentren und andere Infrastruktur ausgeben.
Sollte die Entwicklung der leistungsfähigsten Modelle tatsächlich gebremst werden, könnten diese Wachstumserwartungen unter Druck geraten. Besonders betroffen sind daher Chipkonzerne und andere Aktien, die stark von der KI-Rally profitiert haben.
Ein ETF auf große Chipwerte verliert vor Handelsbeginn an der Wall Street 5,4 Prozent. In Asien geriet auch SoftBank, ein großer Investor bei OpenAI, deutlich unter Druck. Die Aktie verzeichnete den stärksten Rückgang seit fast drei Monaten. Der südkoreanische Kospi schloss 3,3 Prozent tiefer.
Offen bleibt allerdings, ob der Appell der KI-Chefs tatsächlich zu einer deutlichen Verlangsamung führt. Jefferies-Analyst Mohit Kumar erwartet, dass strengere Sicherheitsregeln vor allem den Rahmen definieren, innerhalb dessen sich KI weiterentwickelt. Das müsse nicht bedeuten, dass der schnelle Fortschritt tatsächlich zum Stillstand komme.
Ein gemeinsames Vorgehen ist zudem alles andere als selbstverständlich. Der Konkurrenzkampf zwischen den Vereinigten Staaten und China macht es für KI-Unternehmen schwierig, freiwillig auf die Bremse zu treten.
Präsident Donald Trump hat die Sorgen über KI relativiert. Aus seiner Sicht besteht die größere Gefahr darin, dass die Vereinigten Staaten das KI-Rennen gegen China verlieren.
Auch China hält wenig von den Warnungen amerikanischer KI-Spitzenmanager. Peking bezeichnete die Bedenken am Montag als Panikmache.
Damit entsteht für Unternehmen wie OpenAI und Anthropic ein schwieriges Dilemma. Sie warnen selbst vor den Risiken immer leistungsfähigerer Modelle, konkurrieren aber zugleich miteinander und mit chinesischen Unternehmen um die Führungsposition auf dem globalen KI-Markt.
Die Sorgen um KI sind nicht das einzige Problem für Anleger. Auch der Ölpreis steigt am Montag erneut stark, nachdem Saudi-Arabien seine wichtige East-West Pipeline nach jüngsten Angriffen vorsorglich geschlossen hat.
Brent-Öl legt um 4,5 Prozent auf mehr als 109 Dollar je Barrel zu. Das sorgt für zusätzliche Unruhe, weil höhere Energiepreise die ohnehin hartnäckige Inflation weiter anheizen können.
Diese Sorgen zeigen sich auch am Anleihemarkt. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen nähert sich inzwischen der Marke von fünf Prozent. Zugleich steigt der Dollar um rund 0,4 Prozent.
Der Zeitpunkt ist besonders ungünstig. Am Mittwoch entscheidet die Federal Reserve (Fed) erneut über die Zinsen. An den Finanzmärkten wird inzwischen eine Wahrscheinlichkeit von fast 90 Prozent eingepreist, dass die Notenbank die Zinsen anhebt.
Auch andere Zentralbanken stehen in dieser Woche vor schwierigen Entscheidungen. Am Donnerstag entscheidet die Bank of England über die Zinsen, am Freitag folgt die Bank of Japan. Eine Zinserhöhung in Großbritannien wird in dieser Woche nicht erwartet, eine Anhebung im November bleibt jedoch möglich.
Auch in Europa nimmt der Druck zu. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat in der vergangenen Woche zum zweiten Mal seit Ausbruch des Krieges im Iran die Zinsen erhöht. EZB-Ratsmitglied Peter Kazimir betonte am Montag, die Zentralbank werde nicht zögern, erneut einzugreifen, wenn die Inflation dies erfordere.
Für Aktien kommen damit zwei Belastungen gleichzeitig zusammen. Die Wachstumserwartungen rund um KI geraten unter Druck, während der steigende Ölpreis die Inflationssorgen verstärkt und Zentralbanken womöglich zu weiteren Zinserhöhungen zwingt. Besonders für wachstumsstarke Technologiewerte ist das eine schwierige Mischung.
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