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Anthropic bewegt sich auf dem Weg an die Nasdaq auf einem schmalen Grat. Während das Unternehmen hinter Claude mit potenziellen Investoren über einen historischen Börsengang spricht, mahnt CEO Dario Amodei die KI-Branche ausgerechnet dazu, das Tempo zu drosseln.
Anthropic gilt als eines der wichtigsten KI-Unternehmen der Welt und soll bei einem Börsengang eine Bewertung von 2 Billionen Dollar anstreben. Bereits Anfang des Jahres wurde das Unternehmen mit 965 Milliarden Dollar bewertet.
Normalerweise verkauft ein Unternehmen vor dem Börsengang vor allem eine Geschichte: Wachstum, Wachstum und noch mehr Wachstum. Amodei präsentiert Anlegern nun eine deutlich komplexere Botschaft. Anthropic will weiter stark wachsen, hält es zugleich aber für notwendig, die Entwicklung der leistungsfähigsten KI-Modelle zu bremsen.
Amodei schlug am Wochenende vor, dass KI-Unternehmen ihre leistungsfähigsten Modelle von externen Stellen prüfen lassen, gemeinsame Sicherheitsstandards festlegen und sich, wo möglich, sogar mit autoritär regierten Staaten abstimmen.
Der Grund liegt auf der Hand. Die Sorgen über die Sicherheit von KI nehmen zu. Forscher warnen vor katastrophalen Risiken, während die Öffentlichkeit der Macht von Unternehmen wie Anthropic und OpenAI zunehmend skeptisch gegenübersteht.
Für Anthropic kann darin auch eine Chance liegen. Wenn sich das Unternehmen als verantwortungsbewusster Akteur der KI-Branche positioniert, kann es Anleger davon überzeugen, weniger anfällig für Klagen, Skandale und harte Regulierung zu sein.
Eine Bewertung von 2 Billionen Dollar setzt extremes Wachstum voraus. Anleger investieren nicht in Anthropic, weil das Unternehmen vorsichtig agiert. Sie investieren, weil sie erwarten, dass die Modelle immer besser werden, der Umsatz stark steigt und KI in alle Bereiche der Wirtschaft vordringt.
Entsteht am Markt der Eindruck, dass Anthropic bewusst auf die Bremse tritt, könnte das die Bewertung unmittelbar belasten.
PitchBook warnt laut CNBC denn auch, dass Unternehmen mit eigenen KI-Modellen möglicherweise eine niedrigere Bewertung verdienen, weil es schwieriger werde, darauf zu vertrauen, dass sie ihre Technologie sicher kommerzialisieren können.
Auch Gene Munster betont, jede Wahrnehmung einer Verlangsamung sei negativ, weil der Markt mit einer ununterbrochenen exponentiellen Verbesserung rechne.
Es gibt noch eine andere Lesart. Strengere Sicherheitsstandards könnten gerade den größten Akteuren zugutekommen. Anthropic und OpenAI verfügen über das Kapital, die Fachkräfte und die Infrastruktur, um hohe Anforderungen zu erfüllen.
Kleinere Wettbewerber sind dazu deutlich weniger in der Lage. Damit entsteht ein Szenario, in dem Konkurrenz verschwindet oder kaum noch Chancen hat, falls tatsächlich Regulierung kommt, die hohe Anforderungen an die Technologie knüpft.
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