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Die enorme Rally bei Speicherchips stößt auf ein altbekanntes Problem. Anleger fragen sich zunehmend, ob der KI-Boom stark genug bleibt, um die gewaltigen Investitionspläne von Samsung, SK Hynix und Micron zu rechtfertigen.

Genau darin liegt das klassische Risiko des Speichermarkts. Zieht die Nachfrage kräftig an, bauen die Hersteller ihre Kapazitäten massiv aus. Geht diese neue Kapazität jedoch in Betrieb und die Nachfrage bleibt hinter den Erwartungen zurück, entsteht ein Überangebot. Dann geraten Preise, Margen und am Ende auch die Aktienkurse unter Druck.
Dieser Zyklus hat der Speicherbranche bereits mehrfach zugesetzt.
Die Nachfrage nach DRAM und vor allem nach High Bandwidth Memory ist in den vergangenen Jahren durch KI-Rechenzentren sprunghaft gestiegen. Ohne Speicher können KI-Chips ihre Leistung nicht voll ausspielen. Dadurch wurden Unternehmen wie SK Hynix, Samsung und Micron plötzlich zu Schlüsselakteuren im KI-Wettlauf.

Das brachte enorme Gewinne. An der Börse richtet sich der Blick inzwischen aber über die aktuellen Engpässe hinaus. Es geht nicht mehr nur darum, ob KI heute viel Speicher benötigt. Entscheidend ist, ob diese Nachfrage groß genug bleibt, wenn all die neuen Fabriken künftig die Produktion aufnehmen.
SK Hynix will seine Kapazität in den kommenden fünf Jahren verdoppeln und bis 2034 sogar verdreifachen. Das Unternehmen hat Investitionspläne im Umfang von Hunderten Milliarden Dollar angekündigt. Samsung geht noch weiter. Der südkoreanische Konzern will bis 2040 umgerechnet rund 1,4 Billionen Dollar in sein heimisches Halbleitergeschäft investieren.
Micron plant bis 2035 Investitionen von mehr als 250 Milliarden Dollar in den USA, unter anderem mit neuen Fabriken in Idaho, New York und Virginia. Zusammengenommen nähren diese Pläne eine zentrale Sorge: Was passiert, wenn die KI-Nachfrage nicht im gleichen Tempo weiterwächst?
Auch Michael Burry, bekannt aus The Big Short, warnt vor der Branche. Er hält eine Short-Position in Micron und betrachtet die Aktie weiterhin als klassisch zyklischen Wert.
Seine Argumentation folgt dem bekannten Muster. In guten Zeiten werden Chipwerte häufig zu euphorisch gekauft. In schlechten Zeiten werden sie anschließend umso stärker verkauft. Genau deshalb werden Anleger jetzt nervös. Micron ist bereits um mehr als 30 Prozent gefallen, SK Hynix notiert in Südkorea fast 40 Prozent unter den jüngsten Niveaus, und Samsung hat seit dem Hoch im Juni rund ein Drittel verloren.
Ganz mit früheren Zyklen lässt sich die Lage dennoch nicht vergleichen. High Bandwidth Memory ist schwerer herzustellen, stärker auf einzelne Kunden zugeschnitten und benötigt mehr Wafer-Kapazität als herkömmlicher DRAM. Das erschwert eine schnelle Überproduktion.
Zudem schließen große Kunden mehrjährige Verträge mit den Herstellern ab, teils mit Vorauszahlungen und Preisuntergrenzen. Das soll extreme Schwankungen zwischen Knappheit und Überangebot begrenzen.
Auch dauert es Jahre, bis neue Fabriken tatsächlich zum Angebot beitragen. Der Bau des großen Yongin-Projekts von SK Hynix wurde bereits 2019 angekündigt, eine begrenzte Produktion wird jedoch erst Ende 2027 erwartet.
Mit anderen Worten: Die neue Kapazität kommt nicht von heute auf morgen auf den Markt.
Die größte Unwägbarkeit könnte aus China kommen. ChangXin Memory Technologies, kurz CXMT, expandiert aggressiv und bereitet einen Börsengang vor, der zusätzliches Kapital für neue Kapazitäten einbringen könnte.
Wachsen chinesische Hersteller schneller als erwartet, wird es für Samsung, SK Hynix und Micron schwieriger, das globale Angebot zu kontrollieren. Das dürfte vor allem konventionellen DRAM unter Druck setzen. Bei HBM ist das Risiko eines Überangebots geringer, weil diese Chips komplexer und stärker kundenspezifisch sind.
Bei herkömmlichen Speicherchips kann China ab 2028 und 2029 jedoch eine entscheidende Rolle spielen.
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