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Das KI-Unternehmen Anthropic hat einen der höchsten Verluste der Unternehmensgeschichte verzeichnet. Das geht aus Unterlagen hervor, die diese Woche öffentlich wurden – einen Monat vor dem geplanten Börsengang des Claude-Entwicklers. Der Verlust besteht überwiegend auf dem Papier. Hinzu kommen jedoch weitaus höhere Zahlungsverpflichtungen.
Anthropic, der Entwickler des Chatbots Claude, verbuchte im ersten Halbjahr 2026 einen Nettoverlust von 80,7 Milliarden Dollar. Im gesamten Jahr 2025 waren es noch 42 Milliarden Dollar gewesen.
Die Zahlen stammen aus dem Entwurf des Börsenprospekts, mit dem sich das Unternehmen potenziellen Anlegern vorstellt. Das Wall Street Journal konnte das Dokument einsehen und berichtete gestern darüber.
Der größte Teil des Verlusts ist allerdings nicht mit tatsächlichen Auszahlungen verbunden. Anthropic hatte zuvor Kapital aufgenommen und den Geldgebern dafür spätere Aktienanteile zugesagt. Da die Unternehmensbewertung stark gestiegen ist, sind diese Anteile inzwischen deutlich mehr wert.
Nach den Bilanzierungsregeln muss Anthropic diesen Wertzuwachs als Aufwand verbuchen, obwohl kein Geld abfließt. Auf diesen Posten entfallen rund 72 Milliarden Dollar. Ohne ihn bleibt ein Verlust von etwa 8,7 Milliarden Dollar.
Der Umsatz stieg unterdessen innerhalb eines Jahres von 1,1 Milliarden auf 16,3 Milliarden Dollar. Das entspricht nahezu einer Verfünfzehnfachung.
KI-Modelle wie Claude laufen auf Tausenden leistungsstarken Rechnern in großen Rechenzentren. Anthropic besitzt diese Rechner größtenteils nicht selbst, sondern mietet sie von Technologiekonzernen wie Google, Amazon und Microsoft.
Die Kosten dafür steigen rasant. Im ersten Halbjahr gab Anthropic fast 9 Milliarden Dollar für Rechenleistung aus – mehr als im gesamten Jahr 2025. Für die kommenden Jahre hat das Unternehmen bereits Mietverträge über mehr als 600 Milliarden Dollar abgeschlossen.
Problematisch ist, dass Anthropic den Großteil dieser Verträge nicht kündigen kann. Die Zahlungen werden auch dann fällig, wenn das Unternehmen die Kapazitäten nicht nutzt. Sollte die Nachfrage nach KI nachlassen, bleiben die Verpflichtungen bestehen.
Hinzu kommt die Abhängigkeit von wenigen Kunden. Zwei von ihnen steuerten rund ein Fünftel des Umsatzes bei, etwa 3,3 Milliarden Dollar. Um wen es sich handelt, geht laut der Zeitung aus dem Dokument nicht hervor.
Die neuen Aktionäre werden das nicht sein. Anthropic wird von einem kleinen, unabhängigen Kontrollgremium beaufsichtigt, dessen Mitglieder selbst keine Anteile am Unternehmen halten.
Dieses Gremium kann vier der sieben Mitglieder des Verwaltungsrats ernennen und auch wieder abberufen. Damit soll sichergestellt werden, dass Anthropic weiterhin auf sichere KI setzt und nicht ausschließlich auf Gewinn ausgerichtet ist. Dem Gremium gehört unter anderem Ben Bernanke an, der frühere Präsident der US-Notenbank.
Ann Lipton, Juraprofessorin an der University of Colorado, sieht wenig Einflussmöglichkeiten für neue Anleger. Ohne grundlegende Änderungen hätten die künftigen Börsenaktionäre kaum Mitspracherechte bei der Unternehmensführung, sagte sie dem Wall Street Journal.
Ob sich Anleger daran stören, bleibt abzuwarten. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters diskutieren Investoren inzwischen über eine Bewertung von rund 1,5 Billionen Dollar. Zuvor waren noch 2 Billionen Dollar im Gespräch.
Bei einer Bewertung von 1,5 Billionen Dollar würden Anleger mehr als das 22-Fache des derzeit auf ein Jahr hochgerechneten Umsatzes zahlen. Anthropic will im November an die Börse gehen und könnte der Zeitung zufolge bis zu 100 Milliarden Dollar einnehmen. Das wäre mehr als die 86 Milliarden Dollar, die SpaceX im Juni erlöste.
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