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Japan steht vor einer wichtigen Zinsentscheidung. Am Freitag gibt die Bank of Japan (BoJ) ihren neuen Beschluss bekannt, und eine klare Mehrheit der Ökonomen rechnet erneut mit einer Anhebung. Damit würde der japanische Leitzins den höchsten Stand seit mehr als drei Jahrzehnten erreichen.
Die Erwartungen bewegen bereits den Devisenmarkt. Der japanische Yen legte gegenüber dem US-Dollar zu, während sich Anleger auf mögliche weitere Zinserhöhungen im Jahresverlauf einstellen.
Laut einer Umfrage von CNBC unter 18 Ökonomen und Analysten erwarten 89 Prozent, dass die Bank of Japan den Zins um 25 Basispunkte anhebt. Der Leitzins läge damit bei 1,25 Prozent.
Das wäre der höchste Stand seit 31 Jahren. Zugleich würde der Schritt darauf hindeuten, dass die japanische Zentralbank das Tempo ihrer Zinserhöhungen erhöht. Seit Beginn der Normalisierung der Geldpolitik im März 2024 lagen zwischen den Zinsschritten meist rund sechs Monate. Die letzte Anhebung erfolgte im Juni.
Die Bank of Japan hat selbst seit Längerem deutlich gemacht, dass weitere Zinserhöhungen möglich sind. Im Mai sagte ein Mitglied der Zentralbankführung, die Finanzierungsbedingungen seien trotz früherer Anhebungen weiterhin locker. Die Notenbank werde den Zins daher weiter erhöhen, wenn die Entwicklung von Konjunktur und Preisen dies nahelege.
Für einen höheren Leitzins sprechen mehrere Faktoren. Die Inflation in Japan lag im Juli bei 1,9 Prozent und erreichte damit CNBC zufolge den höchsten Stand des Jahres. Vor allem höhere Energiepreise spielten dabei eine Rolle. Zugleich stiegen die Reallöhne um 2,4 Prozent. Es war der siebte Monat in Folge, in dem die Löhne inflationsbereinigt zulegten.
Anleger rechnen inzwischen sogar mit einem weiteren Zinsschritt im Dezember. Anhaltend hohe Energiepreise könnten den Inflationsdruck weiter erhöhen und die Bank of Japan dazu zwingen, länger an ihrem Straffungskurs festzuhalten.
Am Devisenmarkt ist diese Erwartung bereits sichtbar. Der Yen gewann am Donnerstag gegenüber dem US-Dollar an Wert. Der Wechselkurs USD/JPY fiel in Richtung 156 Yen je Dollar und beendete damit eine dreitägige Aufwärtsbewegung.
Eine höhere Verzinsung in Japan kann den Yen attraktiver machen. Japan galt jahrelang als Land mit extrem niedrigen Zinsen. Dadurch konnten Anleger günstig in Yen Kredite aufnehmen und das Geld anschließend in Ländern mit höheren Zinsen investieren. Wenn der Zinsabstand kleiner wird, verlieren solche Geschäfte an Reiz.
Gleichzeitig trifft der Yen auf einen ebenfalls starken Dollar. Die US-Notenbank Federal Reserve erhöhte am Mittwoch erstmals seit 2023 die Zinsen. Der Leitzins stieg um 25 Basispunkte auf eine Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent.
Damit erhöhen zwei der wichtigsten Zentralbanken der Welt nahezu zeitgleich die Zinsen. Auch bei der Fed spielen Inflationsrisiken eine zentrale Rolle. Höhere Ölpreise können die Inflation erneut antreiben und dazu führen, dass Zentralbanken länger an einer restriktiven Geldpolitik festhalten müssen.
Die entscheidende Frage ist daher nicht nur, was die Bank of Japan am Freitag beschließt. Anleger achten vor allem darauf, was Gouverneur Kazuo Ueda anschließend für den weiteren Jahresverlauf signalisiert.
Am Markt wächst die Erwartung, dass ein Leitzins von 1,25 Prozent möglicherweise noch nicht der Endpunkt ist. Eine weitere Anhebung im Dezember dürfte stärker eingepreist werden, falls der Inflationsdruck hoch bleibt.
Einigkeit besteht dennoch nicht. Jesper Koll von der Monex Group erwartet laut CNBC-Umfrage sogar eine Anhebung um 50 Basispunkte in einem Schritt. Carlos Casanova von UBP geht dagegen davon aus, dass die Zentralbank am Freitag nichts verändert. Aus seiner Sicht gibt es noch nicht genügend Hinweise darauf, dass in Japan die Voraussetzungen für ein deutlich schnelleres Tempo bei Zinserhöhungen gegeben sind.
Auch beim Yen gehen die Einschätzungen auseinander. Rund 61 Prozent der befragten Experten erwarten, dass ein US-Dollar im kommenden Monat zwischen 155 und 160 Yen notiert.
Homin Lee, Makrostratege bei Lombard Odier, erwartet, dass der restriktivere Kurs der Bank of Japan verhindern kann, dass der Yen über 160 je Dollar hinaus abwertet. Eine Aufwertung bis unter 150 Yen je Dollar hält er jedoch für schwieriger. Damit rücken am Freitag nicht nur Japans Zinsen, sondern auch der Kurs einer der wichtigsten Währungen der Welt wieder in den Fokus.
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