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Die Finanzmärkte bewegen sich nach Einschätzung von JPMorgan-Chef Jamie Dimon auf einem gefährlich hohen Niveau an Fremdkapital. Zwar erwartet er kurzfristig keine neue Finanzkrise, warnt aber vor einer wachsenden Gefahr plötzlicher Marktschocks. Verdeckte Schulden könnten seiner Ansicht nach dazu führen, dass Probleme bei einem großen Marktteilnehmer rasch auf andere Bereiche übergreifen.

Dimon warnt vor wachsenden Risiken durch verdeckte Leverage

In einem Interview mit CNBC sagte Dimon, die offiziellen Zahlen zur Margin Debt zeigten nur einen Teil des Bildes. Es gebe erheblichen zusätzlichen Leverage, der nicht als Margin Debt ausgewiesen werde, sondern über andere Strukturen entstehe.

Er verwies unter anderem auf Kredite über Prime Broker, Hedgefonds, börsengehandelte Fonds (ETFs) und sogenannte Treasury-Arbitragestrategien. Dadurch liege der gesamte Leverage an den Finanzmärkten nach seiner Einschätzung deutlich höher, als viele Anleger annähmen.

„Die Margin Debt ist so hoch wie nie zuvor“, sagte Dimon. „Ein großer Teil der kreditfinanzierten Positionen taucht in dieser Statistik nicht auf, weil er anders bezeichnet wird.“

Nach Einschätzung des JPMorgan-Chefs erhöht diese Lage das Risiko, dass ein einzelner Anleger oder ein Hedgefonds eine Kettenreaktion auslöst. „Bei einem so hohen Leverage steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ein einzelner Akteur den Markt rasch aus dem Gleichgewicht bringt und Anleger nervös reagieren.“

Hedgefonds zeigt aus Dimons Sicht die Verwundbarkeit des Marktes

Die Warnung kommt kurz nachdem der auf KI spezialisierte Hedgefonds Situational Awareness schwere Verluste auf stark gehebelten Technologiepositionen erlitten hatte. Wegen Margin Calls musste der Fonds einen großen Teil seines Aktienportfolios verkaufen. JPMorgan trat dabei als einer der Prime Broker auf.

Dennoch wertet Dimon diesen Vorfall nicht als Hinweis darauf, dass das Finanzsystem vor dem Zusammenbruch steht. Aus seiner Sicht zeigt er vielmehr, dass der Markt eine isolierte Pleite weiterhin verkraften kann.

„Ich würde nicht sagen, dass der Leverage im System so hoch ist, dass er zwangsläufig in eine Katastrophe führt. Hoch ist er aber allemal.“

Er betonte zudem, dass die aktuelle Lage nicht mit der Finanzkrise von 2008 vergleichbar sei. Damals hätten nach Dimons Einschätzung nicht allein die hohen Schulden das System ins Wanken gebracht, sondern vor allem die massiven Verluste bei US-Hypothekenprodukten.

Inflation und Zinsen bleiben laut JPMorgan ein Risiko

Neben seinen Sorgen über den Leverage warnte Dimon auch vor strukturellem Inflationsdruck. Er geht davon aus, dass hohe Staatsdefizite, Investitionen in Infrastruktur und die weltweite Wiederaufrüstung die Kapitalnachfrage hoch halten. Dadurch könnten die langfristigen Zinsen seiner Einschätzung nach länger auf einem erhöhten Niveau bleiben.

Außerdem deutete er an, dass Banken und Clearinghäuser vermutlich strengere Anforderungen an Sicherheiten stellen werden, falls die Volatilität an den Finanzmärkten weiter zunimmt. Das könnte den Druck auf Anleger, die in großem Umfang mit Fremdkapital arbeiten, weiter erhöhen.

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