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Die US-Kryptobranche muss länger auf klare bundesweite Regeln warten. Der Clarity Act scheiterte im vergangenen Monat bei einer wichtigen Abstimmung im Senat. Große Finanzunternehmen lassen sich von der anhaltenden Unsicherheit jedoch vorerst nicht abschrecken.

Kryptoübernahmen gehen vorerst weiter

Die gescheiterte Abstimmung wirft die Frage auf, ob Unternehmen bei Übernahmen und Fusionen in der Kryptobranche vorsichtiger werden. Laut Paul McCaffery, Leiter des Bereichs digitale Vermögenswerte bei der Investmentbank KBW, ist davon bislang wenig zu spüren. Der Rückschlag für den Clarity Act ändere nichts an der bisherigen Entwicklung, sagt er.

Nach Einschätzung von McCaffery sorgen die Aufsichtsbehörden bereits selbst für mehr Klarheit. Die Securities and Exchange Commission (SEC) und die Commodity Futures Trading Commission (CFTC) haben zuletzt mehrere Regeln angepasst.

Kurz nach der Abstimmung ermöglichte die SEC etwa eine befristete Ausnahme von bestehenden Vorschriften. Dadurch können tokenisierte US-Aktien auf bestimmten blockchainbasierten Handelsplattformen in begrenztem Umfang gehandelt werden.

In der vergangenen Woche schlug die Aufsichtsbehörde zudem neue Regeln für die Verwahrung von Kryptowährungen im Kundenauftrag vor. Solche Schritte könnten laut McCaffery dazu beitragen, dass Unternehmen weiterhin auf Übernahmen setzen, statt Technologie und Infrastruktur selbst aufzubauen.

Rekordvolumen bei Kryptoübernahmen

Der Markt für Übernahmen in der Kryptobranche war bereits vor der gescheiterten Abstimmung stark gewachsen. Im ersten Halbjahr 2026 wurden Kryptounternehmen im Gesamtwert von 9,7 Milliarden Dollar übernommen. Laut CryptoRank Research entspricht das einem Anstieg um 44 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum und einem neuen Rekord.

Die Zahl der angekündigten Übernahmen sank allerdings um 8 Prozent auf 87. Vier große Transaktionen machten zusammen 76 Prozent des Gesamtvolumens aus.

Ein Beispiel für diese Entwicklung ist die Kraken-Muttergesellschaft Payward. Das Unternehmen beschloss, den Zahlungsdienstleister Reap für 600 Millionen Dollar zu übernehmen, und bot bis zu 550 Millionen Dollar für die Derivatebörse Bitnomial.

Clarity Act bleibt von Bedeutung

Der Clarity Act soll klären, welche Kryptowährungen der Aufsicht der SEC und welche der CFTC unterliegen. Außerdem soll das Gesetz Regeln für Handelsplattformen und Emittenten von Kryptowährungen festlegen.

Am 15. September erhielt der Gesetzentwurf 49 Ja- und 50 Nein-Stimmen. Für die weitere Beratung wären 60 Stimmen nötig gewesen. Mit den näher rückenden Zwischenwahlen sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass das Gesetz noch in diesem Jahr verabschiedet wird.

Damit hat das Gesetz jedoch nicht an Bedeutung verloren. Dmitriy Berenzon von Archetype erwartet, dass klare gesetzliche Vorgaben mehr Übernahmen und Kooperationen ermöglichen könnten.

Auch CoinFund-Gründer Jake Brukhman geht davon aus, dass die Folgen je nach Branche unterschiedlich ausfallen. Besonders Unternehmen, deren Geschäftsmodell stark von Tokens abhängt, bleiben seiner Einschätzung nach anfälliger für regulatorische Unsicherheit. Für Infrastrukturunternehmen und Zahlungsdienstleister sind die Vorgaben bereits klarer.

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