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Die Renditen japanischer Staatsanleihen sind auf den höchsten Stand seit 30 Jahren gestiegen. Auf den ersten Blick wirkt das wie ein Problem Tokios. Tatsächlich ist Japan jedoch eng mit den globalen Finanzmärkten verflochten.
Die Rendite zehnjähriger japanischer Staatsanleihen erreichte am Montag 2,83 Prozent und damit den höchsten Stand seit Mitte der 1990er-Jahre. Auch die Rendite zwanzigjähriger Papiere liegt auf einem Dreißigjahreshoch.
Vereinfacht gesagt ist diese Rendite die Vergütung, die Investoren verlangen, wenn sie dem japanischen Staat Geld leihen. Je unsicherer die Finanzen eines Landes eingeschätzt werden, desto höher fällt diese Vergütung aus.
Japan hielt die Zinsen jahrzehntelang nahe null und lag über Jahre sogar im negativen Bereich. Mit dieser außergewöhnlichen Politik sollte die schwächelnde Wirtschaft gestützt werden.
Das änderte sich 2024. Die Inflation hatte endlich angezogen, und die Bank of Japan beendete die Negativzinsen. Seitdem hebt die Zentralbank den Zins schrittweise an, zuletzt im vergangenen Monat auf den höchsten Stand seit 1995.
Das schlägt auf den Anleihemarkt durch. Der Leitzins ist der Anker für den gesamten Markt. Sobald er steigt, verlangen Anleger auch bei Staatsanleihen eine höhere Vergütung.
Ein zweiter Grund liegt in den zunehmend fragilen Staatsfinanzen. Ministerpräsidentin Sanae Takaichi will bis 2040 Investitionen von mehr als 370 Billionen Yen (2,29 Billionen Dollar) mobilisieren, während die Staatsverschuldung bereits bei mehr als 200 Prozent der Wirtschaftsleistung liegt.
Mehr Ausgaben bedeuten, dass mehr Anleihen an den Markt kommen. Gleichzeitig baut die Bank of Japan, über Jahre mit Abstand der größte Käufer, ihre Anleihebestände ab.
Mehr Angebot bei geringerer Nachfrage drückt die Kurse und treibt damit die Renditen nach oben.
Heute gab es allerdings einen kleinen Lichtblick: Eine Auktion 30-jähriger Anleihen verzeichnete die stärkste Nachfrage seit 2019.
Die steigenden Renditen betreffen nicht nur Japan. Yen-Kredite waren jahrelang nahezu kostenlos. Das bildete die Grundlage für eine der beliebtesten Strategien an den Weltmärkten: den Yen-Carry-Trade.
Große Investoren nahmen in großem Stil Yen auf und steckten das Geld in Anlagen mit höheren Renditen, etwa US-Staatsanleihen, Aktien oder Krypto.
Die Differenz zwischen dem fast kostenlosen Kredit und dieser Rendite ist der Gewinn. Solange die japanischen Zinsen niedrig bleiben, läuft dieses Geschäft auf Hochtouren.
Genau dort liegt nun das Problem. Die steigenden Anleiherenditen verteuern Yen-Kredite und schmälern die Gewinnspanne. Zudem werden japanische Staatsanleihen selbst plötzlich attraktiver. Damit sinkt die Attraktivität von Anlagen wie Bitcoin (BTC), die keine Zinsen abwerfen.
Der Yen notiert gegenüber dem Dollar auf dem niedrigsten Stand seit 40 Jahren, wodurch sich Japans Importe verteuern. Teurere Importe heizen die Inflation an. Je höher die Inflation, desto stärker gerät die Bank of Japan unter Druck, die Zinsen weiter anzuheben.
Die japanische Regierung scheint in der vergangenen Woche am Devisenmarkt interveniert zu haben, erkennbar an einem plötzlichen Ausschlag im Yen-Chart. Für den US-Anleihemarkt ist das gleich in zweifacher Hinsicht belastend.
Um Yen zu kaufen, verkauft Japan einen Teil seiner US-Staatsanleihen. Bei Beständen von mehr als 1,17 Billionen Dollar in diesen Papieren drückt das die Kurse und treibt die Renditen nach oben.
Zugleich trifft der Yen-Sprung die Carry-Trader: Wer Yen aufgenommen und in Dollar-Anlagen investiert hat, muss US-Staatsanleihen verkaufen, um den teurer gewordenen Kredit zurückzuzahlen.
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Der schwache Yen hat binnen eines halben Jahres 45 japanische Unternehmen in die Insolvenz getrieben – so viele wie seit 2022 nicht mehr. Ein Eingriff könnte weitreichende Folgen haben.
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