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Seit Monaten richten die Finanzmärkte ihren Blick vor allem auf die US-Zinsen. Doch in Europa entsteht ein Problem, das sich immer schwerer ausblenden lässt. Die Renditen französischer Staatsanleihen steigen rasch, der Abstand zu Deutschland hat ein Niveau erreicht, das seit Jahren nicht mehr zu sehen war.
Damit rückt auch die Europäische Zentralbank (EZB) in den Fokus. Sie verfügt über ein Notfallinstrument, mit dem starke Zinsunterschiede innerhalb der Eurozone bekämpft werden können. Offen ist allerdings, ob Frankreich die Voraussetzungen dafür erfüllt.
Frankreich muss inzwischen 104 Basispunkte, also 1,04 Prozentpunkte, mehr Rendite auf zehnjährige Staatsanleihen bieten als Deutschland. Nach Einschätzung des Autors Erik Mauritz ist der Abstand erstmals seit 2012 wieder so groß.
Die Entwicklung zeigt, dass Anleger eine höhere Entschädigung verlangen, um dem französischen Staat Geld zu leihen. Ausschlaggebend ist dabei vor allem die Lage der öffentlichen Finanzen.
Das französische Haushaltsdefizit dürfte in diesem Jahr bei 5,4 Prozent liegen. Die Regierung will das Defizit mit Einsparungen senken, doch die Pläne sind politisch umstritten.
Oppositionsparteien stellen sich wenige Monate vor der Wahl gegen die Maßnahmen. Damit steigt das Risiko, dass die Regierung vorzeitig scheitert. Das könnte erneut Unsicherheit darüber auslösen, wie Frankreich seinen Haushalt in Ordnung bringen will.
Die Lage ist bemerkenswert, weil Italien über Jahre als eines der größten finanziellen Sorgenkinder der Eurozone galt.
Im Jahr 2022 lag die italienische Staatsverschuldung bei rund 146 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen lag damals etwa 240 Basispunkte über der deutscher Bundesanleihen.
Frankreich stand zu diesem Zeitpunkt deutlich besser da. Die Staatsverschuldung lag bei rund 113 Prozent des BIP, der Renditeabstand zu Deutschland betrug etwa 60 Basispunkte.
Vier Jahre später hat sich das Bild verändert. Die italienische Staatsverschuldung ist auf rund 139 Prozent des BIP gesunken. Zugleich ist der Renditeabstand zu Deutschland auf etwa 87 Basispunkte zurückgegangen.
In Frankreich bewegt sich die Verschuldung dagegen in die andere Richtung. Sie ist auf rund 118 Prozent des BIP gestiegen, während der Abstand zu Deutschland inzwischen bei etwa 104 Basispunkten liegt.
Frankreich hat gemessen an der Wirtschaftsleistung damit weiterhin eine niedrigere Staatsverschuldung als Italien. Dennoch zahlt das Land inzwischen gegenüber Deutschland eine höhere Renditeprämie.
Das deutet darauf hin, dass Anleger nicht nur auf die Höhe der Staatsverschuldung schauen. Entscheidend ist auch, in welche Richtung sich die öffentlichen Finanzen bewegen. Italien kann seine Schuldenquote senken, während sie in Frankreich weiter steigt.
Die EZB hat seit 2022 ein Instrument in der Hinterhand, falls die Zinsabstände innerhalb der Eurozone stark steigen. Dabei handelt es sich um das Transmission Protection Instrument (TPI).
Über das TPI kann die Zentralbank unter bestimmten Voraussetzungen Anleihen eines Eurolands kaufen, wenn die Finanzierungskosten aus Sicht der EZB übermäßig steigen und die Wirksamkeit der Geldpolitik gefährdet ist.
Das Instrument wurde 2022 eingeführt, als die Zinsen in Europa schnell stiegen und vor allem die Finanzierungskosten Italiens Sorgen bereiteten. Am Ende musste das TPI nicht tatsächlich eingesetzt werden.
Auch bei Frankreich ist ein Einsatz keineswegs selbstverständlich. Länder müssen mehrere Bedingungen erfüllen. Die EZB achtet dabei unter anderem auf tragfähige öffentliche Finanzen sowie eine solide und nachhaltige makroökonomische Politik.
Genau dort liegt für Frankreich das Problem. Das Haushaltsdefizit ist hoch, die Staatsverschuldung steigt, und politische Gegensätze erschweren tiefgreifende Reformen.
Die Entwicklung in Italien zeigt zugleich, wie schnell sich die Stimmung am Anleihemarkt ändern kann, wenn sich die Richtung verbessert. Obwohl Italiens Schuldenstand weiterhin höher ist als der Frankreichs, ist der Renditeaufschlag inzwischen niedriger.
Für Frankreich wird es damit immer wichtiger, Anleger davon zu überzeugen, dass Defizit und Schulden wieder unter Kontrolle gebracht werden können. Solange das nicht gelingt, bleibt der Druck auf den französischen Anleihemarkt bestehen.
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