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Der NFT-Marktplatz Blur, einst größer als sein Konkurrent OpenSea, schließt am 12. November seine Website. Auch der zugehörige Kreditdienst Blend stellt die Vergabe neuer Kredite ein. Viele NFT-Sammler reagieren darauf nicht mit Enttäuschung, sondern mit Erleichterung. Kritiker werfen der Plattform vor, dem Markt für digitale Sammlerstücke über Jahre geschadet zu haben.
Blur gab die Entscheidung auf X bekannt. Es war die erste öffentliche Mitteilung des Unternehmens seit mehr als einem Jahr. Einen Grund für die Schließung der Website nannte Blur nicht.
Die Schließung bedeutet nicht das vollständige Aus für Blur. Der zugrunde liegende Marktplatz auf der Blockchain bleibt bestehen. Nutzer können künftig allerdings nicht mehr über die bisherige Website handeln.
Für Kunden von Blend sind die Folgen weitreichender. Über den Dienst konnten Nutzer Kredite aufnehmen und ihre NFTs als Sicherheit hinterlegen. Ein NFT ist ein digitaler Eigentumsnachweis, der etwa mit einem Kunstwerk, einem Bild oder einem Sammlerstück verknüpft sein kann.
Blend vergibt keine neuen Kredite mehr. Nutzer mit offenen Krediten haben bis zum 12. November Zeit, ihre Schulden zurückzuzahlen. Wer die Frist verpasst, riskiert den Verlust seiner als Sicherheit hinterlegten NFTs.
Blur kündigte außerdem an, nach der Schließung eine separate Möglichkeit zur Auszahlung von Guthaben bereitzustellen.
Die Ankündigung löst ungewöhnliche Reaktionen aus. Während das Aus eines großen Krypto-Marktplatzes üblicherweise für Enttäuschung sorgt, begrüßen einige NFT-Sammler den Schritt ausdrücklich.
Der Sammler Cryptobscure begrüßte auf X das Ende der Plattform. Er warf Blur vor, den NFT-Markt zerstört zu haben, und forderte die Betreiber auf, ihre Aktivitäten endgültig einzustellen.
Auch der NFT-Sammler starfruit äußerte scharfe Kritik. Seiner Ansicht nach hat Blur der Branche mit seiner Handelsstrategie erheblichen Schaden zugefügt.
Der Unmut richtet sich vor allem gegen die Methoden, mit denen Blur vor einigen Jahren in kürzester Zeit zu einer der größten NFT-Plattformen weltweit aufstieg.
Der plattformeigene Token BLUR hat innerhalb kurzer Zeit mehr als 30 Prozent an Wert verloren. Er diente als Belohnung für Händler und gab seinen Inhabern Mitspracherechte bei Entscheidungen über das Protokoll.

Blur ging am 19. Oktober 2022 an den Start. Innerhalb weniger Monate wurde die Plattform zu einem ernsthaften Konkurrenten von OpenSea, dem damals dominierenden Anbieter auf dem NFT-Markt.
Anfang 2023 überholte Blur seinen Konkurrenten sogar beim Handelsvolumen. Maßgeblich zu diesem Erfolg trug ein Belohnungssystem bei, über das aktive Händler digitale Token verdienen konnten.
Je häufiger Nutzer handelten, desto höher konnten ihre Belohnungen ausfallen. Das schuf einen Anreiz, NFTs zu kaufen und rasch wieder zu verkaufen.
Die Handelsaktivität nahm dadurch massiv zu. Davon profitierten jedoch nicht alle. Besonders Künstler und andere NFT-Urheber gerieten unter Druck.
Blur ließ Händlern großen Spielraum bei der Zahlung von Weiterverkaufsvergütungen. Diese sogenannten Royaltys erhalten Urheber, wenn ihre digitalen Werke erneut verkauft werden.
Zuvor erhielten Urheber auf vielen NFT-Plattformen automatisch einen Anteil am Verkaufspreis. Bei Blur konnten Händler weitgehend selbst entscheiden, wie viel sie zahlten.
Zwar bot die Plattform Nutzern höhere Belohnungen, wenn sie mehr Royaltys zahlten. Dennoch geriet das Geschäftsmodell vieler Künstler unter Druck.
Blur war allerdings nicht der erste Marktplatz, der diese Änderung einführte. Der Konkurrent Magic Eden hatte kurz zuvor bereits entschieden, Royalty-Zahlungen freiwillig zu machen.
2023 wurden die Folgen deutlich sichtbar.
Laut einer Untersuchung des Blockchain-Analyseunternehmens Nansen erhielten NFT-Urheber im Juli 2023 im Schnitt nur noch 0,6 Prozent des Verkaufspreises als Royaltys. Ein Jahr zuvor waren es durchschnittlich 2,5 Prozent gewesen.
Das entspricht einem Rückgang von 76 Prozent.
Nansen nannte den rasanten Aufstieg von Blur als eine wesentliche Ursache. Auch OpenSea trug zu der Entwicklung bei: Um wettbewerbsfähig zu bleiben, lockerte die Plattform ihre eigenen Regeln für Royalty-Zahlungen.
Für NFT-Urheber bedeutete das deutlich geringere Einnahmen aus dem Weiterverkauf ihrer digitalen Kunstwerke.
Blur schließt seine Website zu einem Zeitpunkt, an dem die NFT-Branche noch immer weit von ihren früheren Höchstständen entfernt ist.
Nach Angaben von CryptoSlam lag das weltweite NFT-Handelsvolumen im September bei rund 167 Millionen Dollar. Insgesamt wurden in diesem Monat etwa 2,9 Millionen Transaktionen abgewickelt.
Verglichen mit dem Höhepunkt des NFT-Booms sind diese Zahlen allerdings deutlich niedriger.
Im Januar 2022 wurden weltweit noch NFTs im Wert von rund 6 Milliarden Dollar gehandelt. Die Zahl der Transaktionen lag in diesem Monat bei 13,7 Millionen.
Seit diesem Rekord ist das monatliche Handelsvolumen um mehr als 97 Prozent gesunken.
Während des NFT-Booms wechselten digitale Bilder und Sammlerstücke regelmäßig für Hunderttausende oder sogar Millionen Dollar den Besitzer. Inzwischen ist die Handelsaktivität stark zurückgegangen.
Die Probleme betreffen zudem nicht nur Blur. Immer mehr bekannte Unternehmen der Branche haben beschlossen, ihre Aktivitäten zurückzufahren oder ganz einzustellen.
So hatten Nifty Gateway, eine Plattform des Kryptounternehmens Gemini, und die NFT-Plattform Rodeo bereits angekündigt, ihre Aktivitäten zurückzufahren.
Auch Foundation beschloss die Schließung, nachdem ein geplanter Verkauf des Unternehmens gescheitert war. Die Übernahme hätte den Fortbestand des Marktplatzes sichern sollen.
Die Kryptobörse Binance stellte zudem die Unterstützung für NFTs auf ihrer Handelsplattform ein. Die Verwaltung dieser digitalen Vermögenswerte wurde in die Binance Wallet verlagert.
Mit Blur zieht sich ein weiterer bekannter Anbieter aus der Branche zurück. Die Plattform übertraf einst den größten NFT-Marktplatz der Welt, ihr Einfluss auf die Branche bleibt jedoch umstritten.
Vor allem die Folgen ihres Belohnungssystems und ihrer Royalty-Regeln sorgen weiterhin für Diskussionen. Das weltweite NFT-Handelsvolumen beträgt unterdessen nach wie vor nur einen Bruchteil des Niveaus vom Höhepunkt im Jahr 2022.
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