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Europa hat an der Börse ein Imageproblem. Viele Anleger halten die Region für träge, wenig spannend und weniger innovativ als die USA oder Asien. Die Aufmerksamkeit gilt der Wall Street, KI-Aktien ziehen Kapital an, und europäische Aktien bleiben für viele internationale Investoren Nebensache.
Die Renditen zeichnen jedoch ein anderes Bild. Laut Goldman Sachs hat der europäische Stoxx 600 seit Anfang 2025 besser abgeschnitten als der S&P 500. Das ist bemerkenswert, weil die US-Börse im selben Zeitraum mehrere Rekorde erreichte und stark vom KI-Hype profitierte.

Vor allem europäische Banken zeigten sich überraschend stark. Laut Goldman Sachs haben europäische Banken seit 2022 sogar besser abgeschnitten als die Magnificent Seven, also die großen US-Technologiekonzerne um Apple, Microsoft und Nvidia.
Das passt nicht zur gängigen Markterzählung. Die meisten Anleger denken bei den großen Gewinnern automatisch an KI, Chips und amerikanische Megacaps. Doch höhere Zinsen, solidere Kapitalquoten und attraktivere Bewertungen haben gerade europäischen Banken geholfen.
Auch der breite Stoxx 600 steht besser da, als viele Anleger vermuten. Der Index legte in diesem Jahr um rund 11 Prozent zu und liegt damit nahe am S&P 500, der um 13,2 Prozent stieg. Über einen längeren Zeitraum fällt der Vergleich damit sogar zugunsten Europas aus.
Ein wichtiges Argument gegen Europa ist der Druck durch chinesische Konkurrenz. Besonders häufig wird die Autobranche genannt. Europäische Hersteller stehen wegen der schwachen Nachfrage nach Elektroautos, höherer Finanzierungskosten und harter Konkurrenz aus China unter Druck. Volkswagen und Stellantis liegen in diesem Jahr deutlich im Minus.
Nach Einschätzung von Goldman Sachs ist dieses Risiko für den europäischen Gesamtmarkt jedoch geringer als vielfach angenommen. Autos machen nur etwa 1 Prozent der gesamten europäischen Marktkapitalisierung aus. Der Stoxx 600 wird deutlich stärker von Finanzwerten, Pharma, Energie, Telekommunikation, Versorgern, Technologie und Rüstung geprägt.
Diese Sektoren sind billigen Importen aus China weniger direkt ausgesetzt.
BNP Paribas sieht zudem Chancen in Branchen, die von KI profitieren, ohne die Technologie selbst entwickeln zu müssen. Europa liegt bei Rechenzentren und führenden KI-Modellen zurück. Für Anleger kann genau das aber auch ein Vorteil sein. Wer fürchtet, dass US-KI-Aktien zu teuer geworden sind, kann Europa als Absicherung betrachten.
Die Region kann von der Einführung von KI in bestehenden Branchen profitieren, etwa in der Industrie, im Automobilsektor, in der Rüstung und bei Finanzdienstleistungen. Dort könnte die weniger offensichtliche Chance liegen: nicht bei den Entwicklern von KI-Modellen, sondern bei Unternehmen, die KI nutzen, um effizienter zu werden.
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