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Vielen dürfte noch nicht bewusst sein, wie angespannt die Lage am globalen Energiemarkt inzwischen ist. Im Nahen Osten geraten derzeit drei zentrale Routen für den Ölhandel gleichzeitig massiv unter Druck.
Durch die Straße von Hormus läuft nur noch ein Bruchteil der üblichen Ölmenge. Seit Freitag ist zudem die wichtige East-West-Pipeline Saudi-Arabiens nach jüngsten Angriffen geschlossen. Und an der Meerenge Bab al-Mandab wächst zugleich die Sorge vor neuen Störungen.
Über diese Routen werden normalerweise täglich Dutzende Millionen Barrel Öl transportiert. Diese Mengen lassen sich nicht einfach addieren, weil die Routen teilweise miteinander verknüpft sind. Klar ist aber: Ein außergewöhnlich großer Teil der weltweiten Ölversorgung ist gleichzeitig verwundbar.
Der jüngste Rückschlag kommt aus Saudi-Arabien. Am Freitag wurde die East-West-Pipeline nach jüngsten Angriffen außer Betrieb genommen.
Die Pipeline führt quer durch Saudi-Arabien, von den Ölfeldern im Osten bis zum Roten Meer im Westen. Das mag zunächst wie eine von vielen Leitungen in der Region klingen. Gerade jetzt ist diese Verbindung jedoch besonders wichtig.
Normalerweise wird ein großer Teil des saudischen Öls durch die Straße von Hormus transportiert. Wegen des Kriegs mit Iran ist der Schiffsverkehr dort jedoch stark beeinträchtigt. Die East-West-Pipeline bietet Saudi-Arabien die Möglichkeit, Hormus vollständig zu umgehen und Öl direkt ans Rote Meer zu bringen.
Ausgerechnet diese Notroute ist nun ausgefallen. Dadurch stehen Schätzungen zufolge täglich rund vier Millionen Barrel an Ölexporten unter Druck.
Das Problem ist also nicht nur der Ausfall einer wichtigen Pipeline. Saudi-Arabien verliert zugleich eine seiner wichtigsten Alternativen zur stark gestörten Route durch Hormus.
Die schwerste Störung besteht weiterhin an der Straße von Hormus. Vor dem Krieg passierte täglich rund ein Fünftel des weltweiten Ölverbrauchs diese schmale Meerenge zwischen Iran und Oman. Damit zählt Hormus zu den wichtigsten Ölrouten der Welt.
Seit Beginn des Kriegs ist der Transport durch die Meerenge jedoch massiv zurückgegangen. Schätzungen zufolge fließen derzeit nur noch etwa 20 Prozent der Ölmenge durch Hormus, die vor dem Krieg üblich war. Das bedeutet, dass täglich rund 15 Millionen Barrel an Ölströmen weggefallen sind.
Eine derart große Menge lässt sich nicht kurzfristig über andere Routen transportieren. Große Ölproduzenten wie Saudi-Arabien, Irak, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate sind für ihre Exporte stark vom Persischen Golf und damit von Hormus abhängig.
Gerade deshalb kommt die Schließung der saudischen East-West-Pipeline zu einem besonders ungünstigen Zeitpunkt. Die Leitung ist eine der wichtigsten Möglichkeiten, Hormus zu umgehen und Öl über das Rote Meer auf den Weltmarkt zu bringen. Da nun auch diese Ausweichroute ausgefallen ist, wird es immer schwieriger, die Probleme bei Hormus abzufedern.
Hinzu kommt ein drittes Risiko. Auch die Meerenge Bab al-Mandab gerät zunehmend unter Druck.
Diese Meerenge liegt zwischen Jemen und dem Horn von Afrika und bildet den südlichen Zugang zum Roten Meer. Schiffe, die vom Roten Meer in Richtung Indischer Ozean fahren, müssen hier passieren.
Damit ist Bab al-Mandab auch für Öl wichtig, das über die saudische Westküste ausgeführt wird. Schätzungen zufolge könnten bis zu neun Millionen Barrel täglicher Ölströme betroffen sein, wenn der Schiffsverkehr durch diese Meerenge ernsthaft gestört wird.
Eine vollständige Schließung ist derzeit nicht eingetreten. Das Risiko dafür ist durch die Lage im Jemen und die Drohungen der Huthi rund um die wichtige Schifffahrtsroute jedoch gestiegen.
Damit entsteht eine besonders fragile Lage. Hormus ist bereits stark beeinträchtigt. Die wichtigste saudische Pipeline zur Umgehung von Hormus liegt still. Und am Ende der Ausweichroute über das Rote Meer droht nun auch Bab al-Mandab weiter unter Druck zu geraten.

Auf dem Papier geht es um enorme Mengen. Rund 15 Millionen Barrel täglicher Ölströme sind durch die Probleme bei Hormus betroffen. Bei der saudischen Pipeline stehen etwa vier Millionen Barrel pro Tag auf dem Spiel, bei Bab al-Mandab potenziell bis zu neun Millionen Barrel.
Diese Mengen dürfen jedoch nicht einfach zusammengerechnet werden. Ein Teil des Öls, das über die saudische Pipeline läuft, muss später beispielsweise dennoch durch Bab al-Mandab. Zwischen den verschiedenen Routen gibt es also Überschneidungen.
Doch selbst mit dieser Einschränkung ist das Ausmaß außergewöhnlich groß. Die Welt verbraucht täglich rund 100 Millionen Barrel Öl. Wenn mehrere wichtige Routen im Nahen Osten gleichzeitig ausfallen, gibt es nur wenige Alternativen, um solche Mengen rasch zu ersetzen.
Das macht den Energiemarkt besonders anfällig für neue Angriffe oder Störungen. Ein weiterer Rückgang des verfügbaren Ölangebots könnte den Ölpreis erneut nach oben treiben. Höhere Energiepreise schlagen anschließend auf Kraftstoff, Transport und Produktion durch und können damit auch die weltweite Inflation weiter anheizen.
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