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Der US-Dollar hält sich besser, als viele Analysten erwartet hatten. Trotz geopolitischer Spannungen, Sorgen über die amerikanische Staatsverschuldung und Prognosen eines stärkeren Rückgangs hat sich der Dollarindex (DXY) gegenüber anderen wichtigen Währungen im vergangenen Jahr kaum bewegt.

Auch die Volatilität am Devisenmarkt bleibt auffallend niedrig. Doch nach Einschätzung von Mallika Sachdeva, Leiterin FX Thematics bei Deutsche Bank Research, verändert sich unter der Oberfläche etwas Grundlegendes. In einem Gastbeitrag für die Financial Times schreibt sie, dass sich die Rolle des Dollars allmählich verschiebt.
Der Dollar stützt sich nicht mehr allein auf US-Staatsanleihen und geopolitische Führungsstärke. Zunehmend rücken US-Aktien, KI, Stablecoins und technologische Dominanz in den Vordergrund.
Der erste zentrale Punkt ist die nachlassende ausländische Nachfrage nach US-Staatsanleihen. Über Jahre bildeten US-Treasuries den Kern des globalen Finanzsystems. Ausländische Zentralbanken, Pensionsfonds und Investoren kauften amerikanische Staatsanleihen, weil sie als sicherste und liquideste Anlage der Welt galten.
Diese Nachfrage half den Vereinigten Staaten, ihre Defizite zu finanzieren, und stützte den Status des Dollars als globale Reservewährung. Doch dieses Bild ist weniger selbstverständlich geworden. Die Haushaltslage der USA verschlechtert sich, die Staatsverschuldung steigt, und geopolitische Spannungen machen einige Länder vorsichtiger im Umgang mit ihrer Abhängigkeit von amerikanischen Schuldtiteln.
Das bedeutet nicht, dass der Dollar morgen seinen Status verliert. Es zeigt aber, dass sich sein Fundament verändert.
Gleichzeitig fließt enorm viel ausländisches Kapital in US-Aktien. Die Vereinigten Staaten verzeichneten im Jahr bis März 2026 Nettozuflüsse in Aktien von mehr als 600 Milliarden Dollar. Das war nicht nur ein Rekord, sondern auch etwa doppelt so viel wie die Zuflüsse in US-Staatsanleihen und Anleihen staatlich naher Emittenten.
Historisch ist das bemerkenswert. Früher wurde die Dollar-Nachfrage häufig durch ausländisches Interesse an sicheren amerikanischen Schuldtiteln getragen. Heute entsteht sie immer stärker aus der Anziehungskraft amerikanischer Unternehmen.
Ausländische Anleger kaufen weniger US-Staatspapiere, setzen dafür aber stärker auf das Gewinnwachstum amerikanischer Unternehmen. Dieses Wachstum konzentriert sich vor allem auf Technologie und KI.
Darin liegt wohl der Kern der Entwicklung. Die Vereinigten Staaten haben eine schwächere staatliche Bilanz, aber einen extrem starken Unternehmenssektor. Große amerikanische Technologiekonzerne dominieren KI, Cloud, Chips, Software und digitale Infrastruktur.
Wer weltweit in KI investieren will, landet schnell bei US-Aktien. Nvidia, Microsoft, Alphabet, Amazon, Meta und andere Schwergewichte wirken damit wie Magneten für internationales Kapital.

Das stützt den Dollar. Nicht, weil der amerikanische Staat besonders solide wirkt, sondern weil amerikanische Unternehmen die Zukunftsmärkte prägen. Das ist ein wichtiger Unterschied. Der Dollar wird stärker vom Erfolg amerikanischer Risikoanlagen abhängig.
Ein zweiter wichtiger Punkt aus dem Gastbeitrag ist die Rolle der Blockchain-Technologie. Die Vereinigten Staaten treiben die Modernisierung der Finanzinfrastruktur über Stablecoins, Tokenisierung und Blockchain-Zahlungen voran. Stablecoins können den Dollar weltweit für jeden mit Internetzugang leichter verfügbar machen.
Das könnte die Dominanz des Dollars im Zahlungsverkehr sogar ausbauen. Während China versucht, den Renminbi internationaler zu machen, können die Vereinigten Staaten über Stablecoins die Reichweite des Dollars weiter vergrößern.
In diesem Sinne ist Krypto nicht zwangsläufig eine Bedrohung für den Dollar. Es könnte vielmehr zu einem Verbreitungsmechanismus für die US-Währung werden. Wenn immer mehr digitale Transaktionen, tokenisierte Vermögenswerte und rund um die Uhr handelnde Märkte in Dollar-Stablecoins abgewickelt werden, verankert sich der Dollar noch tiefer in der digitalen Finanzinfrastruktur.
Darin liegt nach ihrer Einschätzung zugleich ein erhebliches Risiko. Wenn der Dollar immer stärker von Aktienzuflüssen statt von Treasuries getragen wird, verändert sich der Charakter der Währung. Historisch fungierte der Dollar häufig als sicherer Hafen. Fielen die Aktienmärkte, kauften Anleger US-Staatsanleihen. Dadurch blieb der Dollar in Stressphasen stark oder legte sogar zu.
Wird der Dollar jedoch zunehmend von KI-Aktien und Kapitalströmen privater Anleger abhängig, kann dieser Mechanismus schwächer werden. Die Währung würde zyklischer. Bei einer Korrektur von KI-Aktien könnte der Dollar dann gerade unter Druck geraten, weil sich dieselben Kapitalströme, die ihn zuvor gestützt haben, wieder umkehren können.
Der Dollar wäre dann weniger sicherer Hafen als vielmehr ein Spiegelbild des KI-Trades.
Auch Japan spielt eine wichtige Rolle. Japanische Anleger und Pensionsfonds haben über Jahre viel Geld in die amerikanischen Märkte gelenkt. Da Japan nun höhere Zinsen verzeichnet und die Regierung Investitionen im Inland fördern will, könnte Kapital allmählich nach Japan zurückfließen.
Das trifft den Dollar auf zwei Wegen. Erstens könnte die Nachfrage nach US-Aktien und -Anleihen sinken. Zweitens könnte die Yen-Carry-Trade unter Druck geraten, bei der Investoren günstig in Yen Kredite aufnehmen, um andernorts höhere Renditen zu erzielen.
Wenn Japan mehr Kapital im eigenen Land halten will, entsteht daraus ein neues Risiko für die amerikanischen Märkte.
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