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Wall Street gerät unter Druck, weil die Zinsen weiter steigen. Fed-Chef Kevin Warsh gab sich am Freitag in Jackson Hole deutlich restriktiver, als es der Markt erhofft hatte. Inzwischen preist der Futuresmarkt eine Wahrscheinlichkeit von 66 Prozent für eine Zinserhöhung im September ein.
Der Markt scheint ihm also Glauben zu schenken. Das zeigt sich an den kurzfristigen US-Renditen, die anziehen. Das eigentliche Problem liegt jedoch am langen Ende der Zinskurve. Auch die Renditen zehn- und dreißigjähriger US-Staatsanleihen steigen wieder.

Eine Zinserhöhung im September dürfte der Markt wohl noch verkraften. Kommen jedoch steigende langfristige Renditen und höhere globale Finanzierungskosten hinzu, wird daraus ein deutlich ernsteres Problem.
Gefährlich ist, dass der Anstieg der langfristigen Renditen nicht auf die USA beschränkt bleibt. Fast überall auf der Welt ziehen die Renditen langlaufender Anleihen rasch an. Die einzige klare Ausnahme ist China.

Das liegt nicht nur an den Zentralbanken, sondern auch an der enormen Nachfrage nach Kapital. Staaten müssen hohe Haushaltsdefizite finanzieren, während Unternehmen massiv in KI-Infrastruktur investieren. Dazu zählen Rechenzentren, Chips, Energieversorgung und Netzwerke.
Unternehmen und Staaten konkurrieren damit um dasselbe Kapital. Steigt die Nachfrage nach Kapital, steigt auch sein Preis – in Form höherer Zinsen.
Normalerweise müsste eine restriktive Fed die langfristigen Renditen eher nach unten drücken. Wenn Anleger davon ausgehen, dass Zinserhöhungen die Inflation bremsen, sinken die Inflationserwartungen und die langfristigen Renditen beruhigen sich.
Derzeit geschieht das Gegenteil. Der Markt sieht eine höhere Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung, doch auch die langfristigen Renditen steigen. Das zeigt, dass Anleger zusätzliche Kompensation für Inflation, Schulden und Unsicherheit verlangen.
Der erneut steigende Ölpreis verschärft das Problem. Wegen neuer Spannungen zwischen den USA und Iran notiert Brent wieder über 92 Dollar je Barrel. Zinserhöhungen können die Nachfrage nach Öl dämpfen, erhöhen aber nicht das Angebot. Für Zentralbanken ist das eine besonders unangenehme Form von Inflation.
Für Aktien ist entscheidend, dass sich der Anstieg vor allem auf die kurzfristigen Renditen beschränkt. Dann glaubt der Markt Warsh, und das Szenario bleibt beherrschbar. Zugleich müssen sich die langfristigen Renditen stabilisieren oder fallen. Steigen die zehn- und dreißigjährigen Renditen weiter, werden Finanzierungskosten dauerhaft höher, und selbst der KI-Investitionszyklus könnte unter Druck geraten.
Auch der Ölpreis muss sich stabilisieren, idealerweise unter 90 Dollar. Angesichts der Lage im Nahen Osten dürfte das kurzfristig schwierig werden. Schließlich sollte die Schwäche an der Börse auf Wachstumswerte und den Nasdaq 100 begrenzt bleiben. Sobald sie auf den breiten Markt übergreift, nimmt das Risiko zu.
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