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Cronos hat am Sonntag seine gesamte Blockchain angehalten, nachdem Tectonic, die größte Kreditplattform des Netzwerks, massiv angegriffen worden war. Ein Angreifer manipulierte den Preis eines kleineren Coins und nutzte den künstlich erhöhten Wert anschließend als Sicherheit, um andere Kryptowährungen im geschätzten Wert von 75 Millionen Dollar zu leihen.
Die Folgen sind erheblich. Wenige Tage vor dem Angriff waren noch mehr als 121 Millionen Dollar an Krypto-Vermögen in Tectonic gebunden. Am Montagmorgen war dieser Betrag auf rund 3 Millionen Dollar gefallen. Cronos, das 2021 von Crypto.com gestartet wurde, entschied sich daraufhin, das gesamte Netzwerk anzuhalten.
Im Mittelpunkt des Angriffs stand TONIC, der eigene Token von Tectonic. Nutzer konnten diesen Coin als Sicherheit hinterlegen und dagegen andere Kryptowährungen leihen.
Genau darin lag ein wesentliches Risiko. TONIC wurde kaum gehandelt, mit einer Liquidität von rund 1,34 Millionen Dollar und einem Handelsvolumen von lediglich 11.000 Dollar pro Tag. Der Preis ließ sich dadurch vergleichsweise leicht beeinflussen.
Das nutzte der Angreifer aus. Blockchain-Daten zeigen, dass der TONIC-Kurs innerhalb von rund zwanzig Minuten auf das Hundertfache stieg. Anschließend wurden die plötzlich deutlich wertvolleren Token bei Tectonic als Sicherheit hinterlegt.
Tectonic erlaubte Nutzern, zwanzig Prozent des Werts ihrer TONIC-Bestände zu beleihen. Durch den künstlich aufgeblähten Kurs konnte der Angreifer dadurch weit mehr andere Kryptowährungen abziehen, als unter normalen Bedingungen möglich gewesen wäre.
Als der TONIC-Kurs anschließend wieder einbrach, war die Sicherheit deutlich weniger wert. Die anderen Kryptowährungen waren zu diesem Zeitpunkt bereits von der Plattform abgezogen worden.
Die Folgen zeigen sich in den Daten von DeFiLlama. Am 26. August waren rund 121,7 Millionen Dollar an Vermögen in Tectonic gebunden. Das entsprach zu diesem Zeitpunkt fast der Hälfte des gesamten Kapitals in den DeFi-Anwendungen auf Cronos.
Am Montagmorgen war dieser Betrag auf rund 3 Millionen Dollar gefallen. Die geschätzte Beute des Angreifers beläuft sich auf etwa 75 Millionen Dollar, Cronos und Tectonic haben den endgültigen Verlust bislang jedoch nicht bestätigt.
Tectonic hatte in seiner eigenen Dokumentation bereits darauf hingewiesen, dass Kryptowährungen mit geringer Liquidität besonders anfällig für Preismanipulationen sind. Zudem hatte die Plattform Anfang des Jahres Maßnahmen ergriffen, um die Risiken bei bestimmten Coins zu begrenzen.
Nach dem Angriff griff Cronos zu einer außergewöhnlichen Maßnahme: Das gesamte Netzwerk wurde angehalten. Dadurch konnten vorübergehend keine neuen Transaktionen mehr verarbeitet werden, und auch der Angreifer konnte das erbeutete Vermögen nicht weiter verschieben.
Dass Cronos so schnell eingreifen konnte, hängt mit der Struktur des Netzwerks zusammen. Die Blockchain verfügt über höchstens hundert Validatoren. Diese Akteure prüfen Transaktionen und sorgen dafür, dass das Netzwerk läuft. Weil es sich um eine vergleichsweise kleine Gruppe handelt, konnten sie kurzfristig gemeinsam beschließen, die Blockchain zu stoppen.
Der Eingriff hatte allerdings Folgen für alle, die Cronos nutzen. Nicht nur der Angreifer wurde blockiert, auch gewöhnliche Nutzer konnten keine Kryptowährungen mehr versenden oder andere Transaktionen ausführen.
Gleichzeitig wirft der Notstopp Fragen zur Dezentralisierung von Cronos auf. Eine Blockchain, die von einer begrenzten Gruppe von Validatoren vollständig angehalten werden kann, hängt letztlich von den Entscheidungen dieser Gruppe ab.
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