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Der Kryptomarkt ist gestern schwer unter Druck geraten, nachdem der CLARITY Act im Senat gescheitert ist. Auch an der Börse hinterließ die misslungene Abstimmung deutliche Spuren: Kryptoaktien brachen kräftig ein. Besonders hart traf es die Branchenriesen Coinbase und Circle.

Deutliche Verluste für die zwei größten Kryptounternehmen

Der CLARITY Act sollte dem US-Kryptomarkt endlich klare Regeln geben, doch dafür braucht es nun weiter Geduld. Der Senat stimmte gestern Abend mit 49 zu 50 Stimmen ab; nötig gewesen wären 60 Stimmen, um das Gesetzesvorhaben weiter zu behandeln.

Die enttäuschende Nachricht setzte Bitcoin (BTC) und Altcoins deutlich zu, allen voran Ripple (XRP). An der Börse wurden Coinbase und Circle zu den größten Verlierern. Es sind die beiden größten Kryptounternehmen an der Wall Street.

Die an der Nasdaq notierte Kryptobörse Coinbase schloss am Ende 10,10 Prozent tiefer als am Vortag. Nach mehreren gescheiterten Anläufen an der Widerstandszone scheint der Kurs nun den Weg nach unten eingeschlagen zu haben.

COIN-Aktie fällt nach Scheitern am Widerstand deutlich.
COIN-Aktie fällt nach Scheitern am Widerstand deutlich. – Quelle: TradingView/Newsbit

Der Stablecoin-Emittent Circle verlor sogar 11,41 Prozent. Das Hoch von Anfang des Monats markiert klar ein niedrigeres Hoch, zugleich hat der Kurs nun die Chance, einen früheren Widerstand in eine Unterstützung zu verwandeln.

CRCL-Aktie erreicht nach starkem Rückgang eine Unterstützungszone.
CRCL-Aktie erreicht nach starkem Rückgang eine Unterstützungszone. – Quelle: TradingView/Newsbit

Für beide Unternehmen stand viel auf dem Spiel. Der CLARITY Act sollte festlegen, welche US-Aufsichtsbehörde für welchen Coin zuständig ist. Die derzeitige SEC zeigt sich gegenüber der Branche bereits deutlich milder, doch ein Gesetz würde diesen Kurs verankern. Ohne gesetzliche Grundlage könnte eine künftige Regierung die Regulierung rasch wieder verschärfen.

Für beide Unternehmen stand viel auf dem Spiel. Der CLARITY Act sollte festlegen, welche US-Aufsichtsbehörde für welchen Coin zuständig ist. Die derzeitige Securities and Exchange Commission (SEC) zeigt sich gegenüber der Branche bereits deutlich milder, doch erst ein Gesetz würde diesen Kurs dauerhaft absichern. Ohne gesetzliche Grundlage könnte eine künftige Regierung die Regulierung rasch wieder verschärfen.

Zudem sollte das Gesetz regeln, ob Plattformen Kunden für das Halten von Stablecoins Vergütungen zahlen dürfen. Das betrifft den Kern beider Geschäftsmodelle.

Circle investiert die Dollarreserven hinter seinem Stablecoin USDC in kurzlaufende Staatsanleihen und erzielt rund 95 Prozent seines Umsatzes aus diesen Zinserträgen. Ein erheblicher Teil davon fließt an Coinbase, das im zweiten Quartal 292 Millionen Dollar mit Stablecoins verdiente: fast ein Viertel seines Umsatzes.

Je mehr USDC im Umlauf sind, desto mehr verdienen beide Unternehmen. Vergütungen sind dabei ein wichtiger Anreiz, um Kunden zum Halten des Coins zu bewegen.

Banken wollen solche Vergütungen dagegen begrenzen, aus Sorge vor abfließenden Spareinlagen. Ohne Gesetz bleibt dieser Streit ungelöst – und damit auch die Zukunft eines großen Teils ihrer Umsätze.

Auch andere Kryptounternehmen gerieten gestern deutlich unter Druck. Der Krypto-Finanzdienstleister Galaxy Digital verlor 8 Prozent, die Kryptobörsen Gemini und Bullish gaben um 7 beziehungsweise 5 Prozent nach, während die Handelsplattformen eToro und Robinhood, die ebenfalls Krypto anbieten, um 3 Prozent fielen.

Bitcoin-Miner, also Unternehmen, die das Bitcoin-Netzwerk mit Rechenleistung absichern, kamen etwas glimpflicher davon. Riot Platforms verlor 5 Prozent, MARA Holdings, CleanSpark, IREN und Core Scientific gaben um rund 3 bis 4 Prozent nach.

Aufsichtsbehörden nehmen das Heft selbst in die Hand

Der CLARITY Act ist damit noch nicht endgültig vom Tisch. Der republikanische Senator Thom Tillis stimmte in letzter Minute taktisch dagegen, damit er später eine erneute Beratung beantragen kann. Dann könnte das Gesetz erneut zur Abstimmung kommen.

Das könnte noch vor der Sitzungspause am 5. Oktober geschehen oder in der Lame-Duck-Phase, also in den Wochen nach den Wahlen, in denen ausscheidende Kongressmitglieder noch abstimmen.

Gelingt das in diesem Jahr nicht, beginnt der neue Kongress im Januar von vorn. Die Wahlen im November entscheiden dann darüber, wie das neue Gesetz aussehen wird.

Auf der Wettplattform Polymarket ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Gesetz noch in diesem Jahr von Präsident Donald Trump unterzeichnet wird, von fast 20 Prozent auf nur noch 5 Prozent gefallen.

Der CLARITY Act scheiterte vor allem an Ethikfragen: Demokraten verlangten strengere Regeln für die Krypto-Interessen von Präsident Donald Trump und seinen Söhnen, die Verbindungen zum Kryptounternehmen World Liberty Financial haben. Beide Seiten geben sich nun gegenseitig die Schuld am geplatzten Kompromiss.

Unterdessen nutzen die Aufsichtsbehörden ihre bestehenden Befugnisse, um über eigene Vorgaben dennoch für mehr Klarheit zu sorgen. Diese Regelungen sind jedoch nicht dauerhaft und könnten unter einer neuen Regierung mit einem Federstrich zurückgenommen werden.

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