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Nach wochenlangen Kursverlusten zeichnet sich im Halbleitersektor erstmals wieder eine Erholung ab. Der VanEck Semiconductor ETF hat seit dem jüngsten Hoch rund 20 Prozent verloren, zeigt nun aber wieder etwas Stärke.

Chipindex VanEck herstelt.
Chipindex von VanEck erholt sich. Quelle: TradingView

Dennoch halte ich es für verfrüht, daraus bereits eine Fortsetzung des KI-Bullenmarkts abzuleiten. Vorerst spricht für mich mehr für eine technische Gegenbewegung innerhalb der Korrektur. Dafür gibt es schlicht noch zu viele Unsicherheiten.

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Öl bleibt ein Risiko

Die erste Unsicherheit ist der Krieg zwischen den USA und Iran. Der Markt bewertet die neue Eskalation im Nahen Osten bislang als beherrschbares Problem.

Ich sehe allerdings noch zu wenige Hinweise auf eine schnelle und tragfähige Lösung. Damit rückt der Ölpreis wieder stärker in den Fokus.

Unter den aktuellen Bedingungen könnte Brent-Öl erneut zu einem ernsthaften Problem werden. Höhere Energiepreise können die Inflation anheizen, sodass Notenbanken straffer reagieren müssen und die Zinsen weiter steigen.

Für den KI-Sektor wäre das ungünstig. In den kommenden Jahren müssen weiterhin Hunderte Milliarden Dollar in Chips, Rechenzentren, Energieversorgung und Infrastruktur fließen. Steigen die Kapitalkosten, erhöht sich automatisch die Hürde für all diese Investitionen.

Berichtssaison wird zum Test

Hinzu kommt die Berichtssaison. In dieser Woche legen unter anderem Alphabet, Tesla und Intel ihre Quartalszahlen vor. Das sind wichtige Termine, weil der Markt aus meiner Sicht in eine neue Phase des KI-Zyklus eintritt.

Aktien steigen nicht mehr automatisch, nur weil Unternehmen höhere Ausgaben für KI ankündigen. Anleger wollen Belege sehen. Sie wollen erkennen, dass die enormen KI-Investitionen nicht nur zu höheren Kosten führen, sondern auch zu Umsatz, Gewinn und freien Cashflows.

Das ist ein wichtiger Unterschied zu früheren Phasen des Bullenmarkts. Damals reichte häufig die Ankündigung, mehr Geld in KI zu investieren. Jetzt lautet die Frage: Was kommt dabei heraus?

Die Bewertungen sind hoch. Entsprechend hoch muss auch das Gewinnwachstum bleiben.

Chinesische Konkurrenz nimmt zu

Die dritte Unsicherheit kommt aus China. Die Einführung von Kimi K3 und anderen günstigen chinesischen Modellen stellt ein Risiko für den amerikanischen KI-Sektor dar. Nicht, weil die Welt plötzlich weniger Chips braucht, sondern weil das Geschäftsmodell amerikanischer Modellentwickler unter Druck geraten könnte.

Hyperscaler wie Microsoft, Oracle und Google profitieren zu einem erheblichen Teil von den enormen Ausgaben von Unternehmen wie OpenAI und Anthropic.

Mit diesen Einnahmen bauen sie Rechenzentren, kaufen neue Chips und erweitern ihre Cloud-Kapazitäten.

Wenn günstige chinesische Modelle jedoch die Margen und Wachstumsaussichten von OpenAI und Anthropic belasten, könnten Investoren weniger bereit sein, weiterhin Milliarden in diese defizitären Unternehmen zu stecken.

Dann könnte theoretisch eine Kettenreaktion entstehen.

  1. OpenAI und Anthropic nehmen weniger Kapital auf.
  2. Dadurch beziehen sie weniger Cloud-Kapazität.
  3. Hyperscaler erhalten weniger Spielraum für den Bau neuer Rechenzentren.
  4. Die Nachfrage nach Chips und KI-Infrastruktur geht zurück.
  5. Und das Gewinnwachstum, das die hohen Aktienkurse rechtfertigen soll, gerät unter Druck.

Das bedeutet nicht, dass dieses Szenario tatsächlich eintritt. Das Risiko ist jedoch groß genug, um die Unsicherheit rund um den KI-Sektor zu erhöhen.

Inflationsdaten verschaffen Luft, liefern aber keine Antwort

Die jüngsten CPI- und PPI-Daten in den USA fielen niedriger aus als erwartet. Das verschaffte dem Markt vorübergehend Luft. Eine Zinserhöhung im Juli erscheint dadurch unwahrscheinlich.

Gelöst ist das Problem damit aber nicht. Die Zinsfrage wurde vor allem auf September und Oktober verschoben. Die Federal Reserve kann nun in Ruhe beobachten, wie sich der Ölpreis entwickelt und ob höhere Energiepreise doch noch auf die breitere Inflation durchschlagen.

Das ist ein wichtiger Unterschied. Der Markt hat Zeit gewonnen, aber keine endgültige Antwort erhalten. Solange Öl teuer bleibt und die Notenbanken vorsichtig kommunizieren, ist die Gefahr für den Markt noch nicht gebannt.

KI als geopolitisches Wettrüsten

Langfristig bleibe ich jedoch positiv für KI. Mehr noch: Persönlich würde ich eine tiefere Korrektur begrüßen, um meine Positionen in ausgewählten KI-Aktien und ETFs weiter auszubauen.

Ein Ende des KI-Bullenmarkts erscheint mir derzeit nämlich höchst unwahrscheinlich. Ein zentraler Grund dafür ist der geopolitische Charakter des KI-Wettrüstens.

Heute erschien erneut ein Artikel in der Financial Times, der in diese Richtung weist. China erwägt strengere Exportkontrollen für fortschrittliche KI-Modelle und Chips.

Das sagt viel aus. China will seinen eigenen technologischen Vorsprung schützen. Die USA versuchen zugleich, China mit Exportbeschränkungen zu bremsen. Europa wiederum bemüht sich, nicht vollständig von Washington oder Peking abhängig zu werden.

KI ist damit Teil eines geopolitischen Machtkampfs geworden. Es würde mich überraschen, wenn die USA und China einen längeren KI-Bärenmarkt einfach hinnehmen würden. Beide Großmächte liefen dann Gefahr, in einem technologischen Rennen zurückzufallen, dessen Verlust sie sich nicht leisten können.

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