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Ein chinesisches Technologieunternehmen, das eng mit einem der größten Spionagefälle in der Geschichte von ASML verbunden ist, strebt an die Börse. Dongfang Jingyuan hat in Shanghai eine Notierung beantragt und peilt Berichten zufolge eine Bewertung von umgerechnet rund 1,3 bis 1,9 Milliarden Euro an.
Bemerkenswert ist vor allem die Person an der Spitze. CEO Zongqiang Yu arbeitete früher bei ASML und leitete später Xtal, ein US-Unternehmen, das laut einem US-Gerichtsverfahren in großem Stil Geschäftsgeheimnisse des niederländischen Chipanlagenbauers nutzte.
Nach Einschätzung von Marktkennern stellt Dongfang Jingyuan keine unmittelbare Bedrohung für die Kerntechnologie von ASML dar. Das Unternehmen baut keine vollwertigen Lithografiemaschinen, die direkt mit den Systemen von ASML konkurrieren.
Der Wert liegt vor allem in der sogenannten Computational Lithography. Dabei handelt es sich um Software, mit der Chiphersteller berechnen, wie Muster auf einem Chip belichtet werden müssen und wie Abweichungen in der Produktion korrigiert werden können.
Diese Technologie wirkt weniger spektakulär als eine komplette Chipmaschine, ist für eine effiziente Fertigung aber entscheidend. Genau deshalb kann Dongfang in der rasant wachsenden chinesischen Chipindustrie eine wichtige Rolle spielen. China versucht, immer mehr Teile der Halbleiter-Wertschöpfungskette selbst zu entwickeln, seit der Zugang zu westlicher Technologie zunehmend eingeschränkt wird.
Nach seinem Abschied von ASML gründete Yu zwei Unternehmen: Xtal im Silicon Valley und Dongfang Jingyuan in China. Xtal stellte Dutzende erfahrene Ingenieure und Forscher ein, darunter frühere Mitarbeiter einer ASML-Tochter.
ASML zog 2016 wegen des Diebstahls von Geschäftsgeheimnissen vor Gericht. Am Ende wurde dem Unternehmen Schadenersatz in Höhe von 845 Millionen Dollar zugesprochen – damals eines der höchsten Urteile in einem US-Verfahren um Geschäftsgeheimnisse.
Bei ASML kam das Geld allerdings nie vollständig an. Xtal ging insolvent, sodass der Schadenersatz nicht eingetrieben werden konnte. Nun folgt ein bemerkenswertes neues Kapitel: Yus chinesisches Schwesterunternehmen versucht, über die Börse an frisches Kapital zu kommen.
Der mögliche Börsengang zeigt vor allem, wie China ein eigenes Ökosystem rund um die Chipproduktion aufbauen will – auch in Bereichen, in denen ASML traditionell stark ist. Das geschieht, während China wegen amerikanischer und niederländischer Exportbeschränkungen immer weniger Zugang zu den modernsten Chipmaschinen und Technologien hat.
Gleichzeitig erzielt das Land Fortschritte mit eigenen DUV-Systemen, Lithografiesoftware und Komponenten für künftige EUV-Maschinen, auch wenn es in entscheidenden Bereichen wie Optik, Präzision und Zuverlässigkeit noch deutlich hinter ASML und dessen europäischen Partnern zurückliegt.
Erst kürzlich sammelte der chinesische Chiphersteller CXMT bei seinem Börsengang in Shanghai ebenfalls Milliarden ein. Damit wird deutlich, dass in China viel Kapital bereitsteht, um den technologischen Rückstand im Chipsektor gegenüber dem Westen aufzuholen.
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