Der französische Chip-Hersteller Sequans hat einen großen Teil seiner Bitcoin-Reserve veräußert. Der börsennotierte Konzern verkaufte vergangene Woche einen erheblichen Anteil seiner aufgebauten Bitcoin-Bestände, um einen Teil seiner Schuldenlast zu tilgen. Der Verkauf schürt nicht nur die Angst unter Krypto-Anlegern, auch an der Börse greift die Panik um sich.
‚Taktische Entscheidung‘, Bitcoin abzustoßen
Sequans gab gestern bekannt, dass es seine ausstehenden Verbindlichkeiten dank des Verkaufs von 970 Bitcoin (BTC) von 189 Millionen auf 94,5 Millionen US-Dollar reduziert hat. Standen zuvor 3.234 Bitcoin in der Bilanz, sind es nun nur noch 2.264.
Diese 970 Bitcoin sind derzeit rund 98,5 Millionen US-Dollar wert. In der vergangenen Woche lag der Wert noch bei etwa 110 Millionen US-Dollar.
Die Nachricht kommt nicht aus heiterem Himmel, weil wir vergangene Woche bereits wussten, dass das Unternehmen die 970 Bitcoin an Coinbase transferiert hatte. Das ist der Vorteil der Transparenz, die die Blockchain bietet.
Sicher war ein Verkauf zwar nicht, doch ist die Wahrscheinlichkeit hoch, wenn Coins an eine Kryptobörse überwiesen werden.
Sequans, ein Entwickler von Chips und Modulen für 4G- und 5G-Anwendungen im Internet of Things, startete im April dieses Jahres seine Bitcoin-Strategie. Wenige Monate später stellte das Unternehmen sogar in Aussicht, bis 2030 insgesamt 100.000 BTC in der Bilanz zu halten.
CEO Georges Karam bezeichnet den jüngsten Verkauf als eine “taktische Entscheidung” und nicht als Kurswechsel.
“Unsere Bitcoin-Treasury-Strategie und unsere tiefe Überzeugung in Bitcoin bleiben unverändert,” so Karam.
“Die Transaktion stärkt unsere finanzielle Basis und verschafft uns mehr Spielraum, unsere Strategie weiter auszubauen – mit Bitcoin als langfristigem Reserve-Asset.”
Die Märkte scheinen dem jedoch wenig zu trauen. Seit der Ankündigung ist die Aktie um 16 Prozent auf 5,92 US-Dollar gefallen, mehr als 89 Prozent unter dem Hoch von 53,90 US-Dollar im Juni.
Nach diesem Verkauf rutscht Sequans auf Platz 33 der Liste der börsennotierten Unternehmen mit den größten Bitcoin-Beständen in der Bilanz. Weltweit gibt es 207 Unternehmen mit Bitcoin in der Bilanz; zusammen halten sie 1,053 Millionen Coins. Das geht aus Daten von Bitcoin Treasuries hervor.
Der wichtigste Grund für den Crash
Laut Omid Malekan, Professor an der Columbia Business School, ist der Verkauf ein Symptom eines größeren Problems – und der Hauptgrund für die massiven Kursrückgänge der vergangenen Wochen.
Viele dieser Unternehmen kauften ihre Bitcoin mit geliehenem Geld, in der Hoffnung, den Aktienkurs aufzupumpen.
“Ziel war es nie, nachhaltige Unternehmen aufzubauen,” sagt er. “Sie wurden gestartet, um schnell reich zu werden, indem man Aktien ablädt, sobald der Hype Fahrt aufnahm.”
Da der Markt unter Druck steht, werden dieselben Unternehmen nun gezwungen, ihre Bitcoin zu verkaufen, um Schulden zu tilgen. Das sorgt für zusätzlichen Verkaufsdruck in einem ohnehin fragilen Markt.
Analyst Charles Edwards erklärte zudem, dass die Institutionen mit dem Kaufen aufgehört haben. Erstmals seit sieben Monaten kaufen die großen Player weniger Bitcoin, als täglich neu auf den Markt kommen. “Nicht gut”, schrieb er.
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