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Heute laufen Bitcoin-Optionen im Wert von 6,4 Milliarden Dollar aus. Fast alle davon verfallen wertlos. Doch genau das belastet den Bitcoin-Kurs (BTC) nicht. Entscheidend ist, was die Verkäufer dieser Kontrakte tun mussten.
Auf der Kryptobörse Deribit laufen heute Morgen um 10:00 Uhr deutscher Zeit rund 81.700 Bitcoin-Optionen aus. Zusammen haben sie einen Wert von 6,44 Milliarden Dollar. Das entspricht fast einem Fünftel aller an der Börse offenen Kontrakte.
Optionen gehören zum Derivatemarkt. Dort werden Kontrakte gehandelt, deren Wert sich von einem anderen Vermögenswert ableitet – in diesem Fall vom Bitcoin-Kurs.
Wer einen solchen Kontrakt kauft, besitzt keine Bitcoin. Er besitzt eine Preisvereinbarung. Einige dieser Vereinbarungen laufen unbegrenzt weiter, eine Option jedoch nicht: Sie hat immer ein Ablaufdatum.
Eine Option gibt das Recht, aber nicht die Pflicht, Bitcoin an diesem Stichtag zu einem festgelegten Preis zu kaufen oder zu verkaufen. Das Recht zum Kauf heißt Call, das Recht zum Verkauf Put. Der festgelegte Preis ist der Ausübungspreis.
Für dieses Recht zahlt der Käufer dem Verkäufer vorab eine Prämie. Verfällt der Kontrakt wertlos, behält der Verkäufer diese Prämie; der Käufer verliert lediglich seinen Einsatz.
Ein Beispiel: Wer einen Call mit einem Ausübungspreis von 75.000 Dollar hält und Bitcoin steht bei 79.000 Dollar, kann günstiger kaufen und erzielt 4.000 Dollar Gewinn. Steht Bitcoin bei 70.000 Dollar, wird niemand dieses Recht ausüben.
Auf Deribit laufen die Monatskontrakte jeweils am letzten Freitag des Monats aus. Deshalb wird heute ein großer Block auf einmal fällig: 44.639 Calls stehen 37.061 Puts gegenüber.
Die 6,44 Milliarden Dollar sind ein Nominalwert. Gemeint ist die rechnerische Größe der Kontrakte, also die gesamte Bitcoin-Menge, auf die sie sich zum aktuellen Kurs beziehen. So viel Geld wechselt also nicht den Besitzer.
Etwas mehr als 500 Millionen Dollar liegen innerhalb von 5 Prozent des aktuellen Kurses, sagt Deribit-Risikochef Shaun Fernando. Umgerechnet sind das weniger als 8 Prozent des Gesamtvolumens. Nur dieser Teil kann noch in beide Richtungen ausschlagen.
Der Rest liegt so weit vom Markt entfernt, dass er wertlos verfällt. Frank Hepworth, Chef von New Market Trading, kommt auf 62 Prozent. Verfallswochen wirkten stets bedrohlicher, als sie tatsächlich seien, sagte er gegenüber TheStreet.
Hinzu kommt der sogenannte Max Pain: der Kurs, bei dem die meisten Bitcoin-Optionen wertlos verfallen und die Käufer insgesamt am stärksten getroffen werden. Dieser Bereich liegt bei rund 69.000 Dollar, während der Bitcoin-Kurs derzeit knapp unter 80.000 Dollar notiert.
Unter der Oberfläche passiert dennoch einiges. Die Verkäufer von Optionen sind meist Handelshäuser, die keine eigene Richtungserwartung haben. Sie wollen vor allem die Prämie vereinnahmen.
Damit ihnen ein Kursanstieg kein Geld kostet, kaufen sie bei steigenden Kursen echte Bitcoin hinzu. Das nennt man Hedging, also die Absicherung eines Risikos durch eine Gegenposition.
Da vor allem Calls offen waren, mussten diese Verkäufer in der vergangenen Woche deutlich zukaufen. Das sagt Martin Lee, Leiter der Marktforschung bei DWF Labs. Ihre Käufe haben die Aufwärtsbewegung zusätzlich verstärkt.
Genau dieser Kaufstrom versiegt heute Morgen. Die Kontrakte sind abgerechnet, die Absicherungen können abgebaut werden. Sechs Stunden später betritt Kevin Warsh, Vorsitzender der US-Notenbank, die Bühne in Jackson Hole.
Hält sich Bitcoin nach der Abrechnung über 80.000 Dollar, hat der Verfall die Rally nicht gebrochen. Fällt der Kurs unter 77.900 Dollar, verliert die Erholung an Kraft.
Der eigentliche Test folgt im September: Dieses Optionsbuch ist laut Hepworth fast doppelt so groß.
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