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Jahrelang drehte sich die Sicherheit von Kryptoanlagen vor allem um eine Frage: Wie hält man Hacker von der eigenen Wallet fern? Inzwischen entsteht eine andere Bedrohung. Kriminelle versuchen nicht mehr nur, digitale Schutzmechanismen zu umgehen, sondern nehmen zunehmend die Menschen ins Visier, die Zugriff auf Kryptovermögen haben.
Das geschieht online ebenso wie offline. Eine groß angelegte nordkoreanische Hacker-Kampagne soll 1.640 Unternehmen in 57 Ländern getroffen haben. Gleichzeitig nimmt die Zahl körperlicher Angriffe auf Besitzer von Bitcoin (BTC) und anderen digitalen Vermögenswerten zu. Dabei werden sogar Angehörige bedroht, um Zugriff auf Wallets und Private Keys zu erzwingen.
Der Sicherheitsforscher Vangelis Stikas hat auf der Black-Hat-Konferenz neue Details zu einer umfangreichen nordkoreanischen Hacker-Operation veröffentlicht. Internen Belegen zufolge, die er ausgewertet hat, waren 1.640 Unternehmen in 57 Ländern betroffen.
Stikas, technischer Direktor des Cybersicherheitsunternehmens Kumio, gibt an, rund 22 Monate lang Zugriff auf Server der Hacker gehabt zu haben. In dieser Zeit habe er festgestellt, dass zwischen 700 und 800 Organisationen schwer betroffen waren. Auf der Liste standen unter anderem Coinbase und Uniswap Labs.
Die Angreifer interessierten sich vor allem für Bitcoin-Wallets und Private key. Ein solcher Private Key gewährt Kontrolle über das Vermögen in einer Wallet. Wer ihn erlangt, kann in vielen Fällen eigenständig Transaktionen ausführen.
Um in die Systeme einzudringen, versuchen die Hacker nicht nur, technische Sicherheitsvorkehrungen zu überwinden. Auch Mitarbeiter und externe Entwickler mit Zugang zu Unternehmensnetzwerken werden gezielt angesprochen.
Softwareentwickler und Freelancer erhielten etwa attraktive, gut bezahlte Stellenangebote. Im Bewerbungsprozess sollten Kandidaten für einen technischen Test Software herunterladen. Darin konnte Schadsoftware versteckt sein, mit der die Angreifer Zugriff auf interne Systeme erlangen wollten.
Microsoft verfolgt diese Angriffsmethode seit 2022 unter der Bezeichnung „Contagious Interview“.
Vor allem externe Entwickler können ein attraktives Ziel sein, weil sie mitunter für mehrere Unternehmen gleichzeitig arbeiten. Laut Stikas hatte ein betroffener Auftragnehmer Zugang zu bis zu dreißig Firmen. Ein einziger erfolgreicher Angriff konnte dadurch mehrere Organisationen gefährden.
Coinbase bestätigte, dass ein beteiligter Auftragnehmer in den Vereinigten Staaten ansässig war. Das Unternehmen fand keine Hinweise darauf, dass diese Person Verbindungen zur nordkoreanischen Regierung hatte. Der Vertrag wurde innerhalb von dreißig Tagen nach Arbeitsbeginn beendet.
Der finanzielle Schaden durch nordkoreanische Hacker ist inzwischen enorm. Laut einem Blockchain-Analysebericht vom Dezember 2025 erbeuteten mit Nordkorea verbundene Gruppen in jenem Jahr digitale Vermögenswerte im Wert von mindestens 2,02 Milliarden Dollar. Das waren 51 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Gesamtschaden durch nordkoreanische Angriffe wurde auf rund 6,75 Milliarden Dollar geschätzt.
Die Bedrohung beschränkt sich nicht auf das Internet. Kriminelle suchen Besitzer digitaler Vermögenswerte zunehmend auch persönlich auf.
In der ersten Hälfte des Jahres 2026 wurden Blockchain-Analysedaten zufolge mehr als 30 Millionen Dollar durch sogenannte „Wrench Attacks“ erbeutet. Dabei setzen Kriminelle Gewalt oder Drohungen ein, um Opfer zur Übertragung ihrer Kryptowährungen zu zwingen oder den Zugriff auf eine Wallet zu erlangen.
Der tatsächliche Schaden könnte höher liegen. Erfasst wurden nur Vorfälle, bei denen digitale Vermögenswerte tatsächlich erbeutet wurden. Fehlgeschlagene Angriffe, Lösegeldforderungen und Guthaben, die letztlich eingefroren werden konnten, sind in diesen Zahlen nicht enthalten.
Hält das aktuelle Tempo an, könnte der Schaden 2026 den Rekordwert von 58 Millionen Dollar aus dem Jahr 2025 übertreffen.
Auffällig ist, dass Kriminelle nicht nur die Kryptobesitzer selbst ins Visier nehmen. Im Januar 2026 waren bei etwa 25 bis 30 Prozent der weltweit registrierten Fälle Angehörige oder Bekannte betroffen. In Frankreich lag dieser Anteil sogar bei mehr als 40 Prozent.
Auch die Zahl der Vorfälle, bei denen Opfer zu Hause aufgesucht werden, nimmt zu. 2025 handelte es sich bei rund 14 Prozent der registrierten Fälle um einen Einbruch in eine Wohnung oder ein Haus. In der ersten Hälfte des Jahres 2026 war dieser Anteil auf 37 Prozent gestiegen.
Damit verändert sich auch das Sicherheitsrisiko für Bitcoin-Besitzer. Bei Phishing oder Malware versucht ein Angreifer hinter einem Bildschirm, Zugriff auf digitale Vermögenswerte zu erhalten. Bei einem physischen Angriff wird die Person, die Zugang zu dem Vermögen hat, direkt unter Druck gesetzt.
Frankreich zeigt, wie digitale Datenlecks und körperliche Gewalt miteinander verbunden sein können.
Dem Bericht zufolge soll ein Mitarbeiter der französischen Steuerbehörde Daten von Eigentümern wertvoller digitaler Vermögenswerte gestohlen haben. Dabei ging es unter anderem um Namen, Adressen, Vermögensangaben und Steuerinformationen. Diese Daten sollen anschließend verkauft worden sein.
Für Kriminelle ist diese Kombination besonders wertvoll. Wer weiß, dass jemand ein hohes Kryptovermögen besitzt und wo diese Person wohnt, kann Opfer deutlich gezielter auswählen.
In der ersten Hälfte des Jahres 2026 wurden in Frankreich dreißig ähnliche Fälle öffentlich bekannt. Das französische Innenministerium begann deshalb mit der Entwicklung von Maßnahmen, um Menschen mit besonders gefährdeten Vermögenswerten schneller warnen und schützen zu können.
Für Unternehmen und private Kryptobesitzer verändert sich damit auch, was gute Sicherheit bedeutet. Starke Passwörter und sichere Software bleiben wichtig, reichen aber nicht immer aus. Auch der Schutz personenbezogener Daten, die Verwaltung von Private Keys sowie der Zugriff von Mitarbeitern und externen Auftragnehmern spielen eine immer größere Rolle.
Ausgerechnet ein zentrales Merkmal von Bitcoin kann dabei zur Schwachstelle werden. Nutzer können ihr Vermögen ohne Einschaltung einer Bank selbst verwalten. Sobald Kriminelle jedoch wissen, wer den Private Key kontrolliert, müssen sie nicht zwingend komplexe Sicherheitssysteme knacken. Sie können sich auch direkt gegen die Person richten, die Zugriff auf das Geld hat.
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