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Der KI-Konzern Anthropic blickt kurz vor seinem Börsengang mit Sorge nach Washington. Der Entwickler des Chatbots Claude warnt in dieser Woche, dass er wegen seines öffentlichen Engagements für sichere KI ins Visier der US-Regierung geraten könnte.
Mit Regierungsaufträgen verdient Anthropic vergleichsweise wenig. Die damit verbundenen Risiken sind dagegen erheblich.
Die Warnung findet sich im Börsenprospekt, den Anthropic am Montag eingereicht hat. Darin muss das Unternehmen Anleger über Chancen und Risiken informieren.
Anthropic zufolge könnten seine Positionen zur KI-Aufsicht und die Äußerungen seiner Führungskräfte erheblichen Druck von staatlicher Seite nach sich ziehen. Im Prospekt heißt es dazu:
„Wir standen bereits verstärkt im Fokus und könnten dies auch künftig tun. Bestimmte Behörden könnten uns weiterhin einer verschärften Aufsicht unterziehen oder unverhältnismäßig beziehungsweise gezielt gegen uns vorgehen, selbst wenn vergleichbare Unternehmen davon verschont bleiben.“
Der Konflikt mit dem Pentagon begann Anfang des Jahres. Anthropic weigerte sich, den Einsatz seiner KI für autonome Waffen und Massenüberwachung zuzulassen.
Daraufhin stufte Verteidigungsminister Pete Hegseth das Unternehmen im März als Lieferkettenrisiko ein. Anthropic zog vor Gericht und warf der Regierung laut der Nachrichtenagentur AP eine rechtswidrige Vergeltungskampagne vor.
Der Rechtsstreit dauert an. Ein Richter in Kalifornien gab Anthropic recht, ein Berufungsgericht in Washington erlaubte dem Pentagon jedoch, Claude aus seinen Systemen zu entfernen. Auch Rüstungszulieferer müssen auf die Software verzichten.
Danach folgte Mythos: Das KI-Modell erkennt Sicherheitslücken in Software so zuverlässig, dass Anthropic es nur einer Handvoll Partner zugänglich machte. Nach Meinungsverschiedenheiten über die Sicherheitsvorkehrungen verhängte die Regierung im Juni Exportbeschränkungen.
Anthropic musste daraufhin den Zugang zu Mythos 5 und Fable 5 vorübergehend vollständig sperren. Nach gut zwei Wochen durfte das Unternehmen ihn wieder freigeben. Bei einem weiteren Vorfall könnte die Sperre nach eigenen Angaben jedoch länger dauern.
Rein rechnerisch hält sich der Schaden in Grenzen. Regierungsaufträge machen rund ein Prozent des Umsatzes aus. Bei einem Umsatz von 16,3 Milliarden Dollar im ersten Halbjahr entspricht das etwa 160 Millionen Dollar.
Doch diese Zahl erfasst die Folgen nur zum Teil. Auch Unternehmen, die das Militär beliefern, müssen auf Claude verzichten. Anthropic schließt nicht aus, dass die damit verbundenen Rechtsstreitigkeiten das Geschäft mit Unternehmenskunden beeinträchtigen.
Hinzu kommt, dass Konzernchef Dario Amodei für eine gemeinsam vereinbarte Begrenzung der KI-Entwicklung eintritt. Donald Trump und seine Verbündeten bezeichnen Warnungen vor einer Bedrohung der Menschheit durch KI als Schwindel. Anthropic führt diese Risiken dagegen im eigenen Börsenprospekt auf. Der Präsident will vor allem den Wettlauf mit China gewinnen.
Im vergangenen Monat mussten Amodei und mehr als 20 weitere Spitzenmanager der Technologiebranche im Weißen Haus eine freiwillige Sicherheitsvereinbarung unterzeichnen. Wenige Tage später drohte die Regierung Unternehmen, die sich nicht daran halten, mit Maßnahmen.
Sarah Kreps, Direktorin des Tech Policy Institute an der Cornell University, sieht darin ein Problem. Bei KI werde noch ausgelotet, wie weit staatliche Befugnisse reichen – teils in direkten Auseinandersetzungen mit einzelnen Unternehmen. Für Anleger sei es schwierig, solche Unsicherheiten bei der Bewertung zu berücksichtigen.
Der Markt rechnet unterdessen mit einer Bewertung von rund zwei Billionen Dollar. Das wäre mehr als das Doppelte der 965 Milliarden Dollar aus der jüngsten Finanzierungsrunde.
Kryptohändler liegen bereits nahe an dieser Marke. Auf Plattformen wie Binance und Hyperliquid bewerten sie das Unternehmen über Kontrakte, die den künftigen Aktienkurs abbilden, mit fast 1,9 Billionen Dollar.
Das Debüt an der Nasdaq unter dem Börsenkürzel ANT ist für die Woche ab dem 16. November geplant.
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