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Das KI-Unternehmen Anthropic, bekannt für den Chatbot Claude, hat offiziell die Unterlagen für seinen lange erwarteten Börsengang eingereicht. Damit rückt einer der größten Börsengänge aller Zeiten näher. Die nun veröffentlichten Zahlen fallen allerdings auf.
Anthropic hat im ersten Halbjahr Verluste in zweistelliger Milliardenhöhe verbucht und warnt zugleich davor, dass die eigene Technologie im Extremfall die Menschheit bedrohen könnte.
Aus den am Montag bei der US-Börsenaufsicht SEC veröffentlichten Unterlagen geht hervor, dass Anthropic im ersten Halbjahr 2026 einen Nettoverlust von 80,7 Milliarden Dollar verbucht hat. Das ist mehr als sechsmal so viel wie der Verlust von 13 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum.
Gleichzeitig wächst der Umsatz rasant. Anthropic erzielte im ersten Halbjahr 16,3 Milliarden Dollar, nach 1,2 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum. Damit hat sich der Umsatz binnen zwölf Monaten mehr als verdreizehnfacht.
Die enormen Verluste zeigen, wie viel Geld der Wettbewerb um die leistungsfähigsten KI-Modelle verschlingt. Anthropic konkurriert direkt mit dem ChatGPT-Entwickler OpenAI und investiert hohe Summen in die Entwicklung seiner Technologie.
Allein für Rechenleistung und Infrastruktur gab Anthropic im ersten Halbjahr 2026 rund 8,9 Milliarden Dollar aus. Das sind 283 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.
Dennoch zeichnet sich auch eine positive Entwicklung ab. Im Jahr 2023 lagen die Kosten für Rechenleistung noch bei mehr als dem Zehnfachen des Umsatzes. Im ersten Halbjahr 2026 war dieser Anteil auf 55 Prozent gesunken, im zweiten Quartal sogar auf 48 Prozent.
Anthropic muss damit je Dollar Umsatz immer weniger für die Rechenleistung ausgeben, die zum Betrieb seiner KI-Modelle nötig ist.
Neben den Finanzzahlen fällt vor allem die Warnung vor Sicherheitsrisiken der KI auf. Anthropic räumt in seinem Börsenprospekt ein, dass fortschrittliche KI-Systeme Verhaltensweisen entwickeln können, die von ihren Entwicklern nicht vorgesehen waren.
Das Unternehmen nennt unter anderem das Risiko, dass KI-Systeme versuchen könnten, sich ihrer Abschaltung zu widersetzen oder Informationen zurückzuhalten und zu manipulieren.
Unzureichend abgesicherte Systeme könnten Anthropic zufolge im Extremfall katastrophale Folgen haben oder sogar die Existenz der Menschheit bedrohen. Diese Gefahr könne zunehmen, wenn die Technologie missbraucht, als Waffe eingesetzt oder ohne ausreichende menschliche Aufsicht eigenständig Entscheidungen treffen dürfe.
Die Warnung fällt in eine sensible Phase. Anthropic und der Konkurrent OpenAI stehen zunehmend unter Beobachtung, nachdem autonome KI-Systeme an Cyberangriffen beteiligt waren.
Für Anleger bedeutet das zusätzliche Unsicherheit. Neben dem enormen Investitionsbedarf müssen sie mögliche Sicherheitsvorfälle, strengere Regulierung und Reputationsschäden berücksichtigen.
Anthropic will seine Aktien unter dem Kürzel ANT an der US-Technologiebörse Nasdaq notieren lassen. Die Investmentbanken Goldman Sachs und Morgan Stanley begleiten den Börsengang gemeinsam mit zwanzig weiteren Banken.
Laut einem früheren Bloomberg-Bericht will das Unternehmen in der Woche ab dem 9. November damit beginnen, Großinvestoren Aktien anzubieten. Anthropic könnte nach eigenen Erwartungen ebenso viel oder sogar mehr Geld einnehmen als SpaceX bei dessen Rekordbörsengang.
Wie viele Aktien zu welchem Preis angeboten werden, ist noch nicht bekannt. Diese Angaben sollen in einem späteren Dokument folgen. Sowohl Anthropic selbst als auch bestehende Aktionäre planen, Aktien zu verkaufen.
Der Börsengang soll Anthropic Zugang zu frischem Kapital verschaffen. Das wird dringend benötigt: Seit Ende 2025 hat das Unternehmen neue Verträge über die Bereitstellung von Rechenleistung mit Mindestzahlungsverpflichtungen von rund 417 Milliarden Dollar geschlossen. Die Laufzeiten reichen teilweise bis zu zwanzig Jahre.
Ende Juni hatte Anthropic zudem Schulden von rund 6,2 Milliarden Dollar. Darüber hinaus verfügt das Unternehmen über eine Kreditlinie von bis zu 15 Milliarden Dollar, die es je nach Bedarf in Anspruch nehmen und zurückzahlen kann. Sie läuft bis 2031.
Einen Großteil seines Umsatzes erzielt Anthropic mit Geschäftskunden, die nach der tatsächlichen Nutzung seiner KI-Modelle bezahlen. Im ersten Halbjahr 2026 brachte dieses Geschäft 13,1 Milliarden Dollar ein, rund 80 Prozent des Gesamtumsatzes.
Die Börsenunterlagen zeigen Anthropic damit als KI-Unternehmen mit rasant wachsendem Umsatz, das zugleich enorme Verluste verbucht und für künftige Rechenleistung Zahlungsverpflichtungen in Höhe von Hunderten Milliarden Dollar eingegangen ist.
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