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Der US-KI-Konzern Anthropic bereitet sich auf einen möglicherweise historischen Börsengang vor. Während Anleger noch auf den offiziellen Ausgabepreis warten, haben Kryptohändler bereits klare Erwartungen.
An mehreren Kryptobörsen wird der OpenAI-Konkurrent mit knapp 1,9 Billionen Dollar bewertet. Der Markt rechnet damit offenbar mit einem der größten Börsengänge aller Zeiten.
Anthropic hat am Montag, dem 26. Oktober, seinen Registrierungsantrag bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht. Das Unternehmen hinter dem beliebten KI-Assistenten Claude will seine Aktien unter dem Kürzel ANT an der US-Technologiebörse Nasdaq notieren lassen.
Ein endgültiger Ausgabepreis steht ebenso wenig fest wie die Zahl der angebotenen Aktien. Investmentbanken und Investoren rechnen vorläufig mit einer möglichen Bewertung zwischen 1,5 und 2 Billionen Dollar.
Am Kryptomarkt wird unterdessen rege über den Unternehmenswert spekuliert. Über sogenannte Perpetual Futures können Händler bereits auf den künftigen Börsenwert von Anthropic setzen, ohne tatsächlich Aktien zu besitzen.
An der Kryptobörse Binance notieren diese Kontrakte bei rund 1.898 Dollar. Bei einer angenommenen Zahl von einer Milliarde Aktien entspricht das einem Unternehmenswert von etwa 1,90 Billionen Dollar.
Andere Handelsplattformen spiegeln ähnliche Erwartungen wider. Auf Hyperliquid werden die Kontrakte zu rund 1.880 Dollar gehandelt, was einer Bewertung von etwa 1,88 Billionen Dollar entspricht. Bei Bitget liegt die implizite Bewertung bei rund 1,90 Billionen Dollar.
OKX verwendet eine andere Berechnungsmethode. Dort lassen die Kontraktpreise auf einen Unternehmenswert von etwa 1,94 Billionen Dollar schließen.
Diese Summen sind bemerkenswert, stellen aber keine offizielle Bewertung dar. Da Anthropic noch nicht börsennotiert ist, gibt es keinen öffentlich festgestellten Aktienkurs, mit dem sich die Kontraktpreise direkt vergleichen ließen. Die Preise spiegeln vor allem die Erwartungen der Händler wider.
Die hohe Bewertung hat einen konkreten Hintergrund: Anthropic wächst dank der steigenden Nachfrage nach künstlicher Intelligenz rasant, vor allem im Geschäft mit Unternehmen.
Im Mai nahm Anthropic in einer Finanzierungsrunde 65 Milliarden Dollar auf. Dabei wurde das Unternehmen mit 965 Milliarden Dollar bewertet. Ein Börsenwert von 2 Billionen Dollar würde bedeuten, dass sich diese Bewertung innerhalb von etwa sechs Monaten mehr als verdoppelt.
Auch der Umsatz ist stark gestiegen. In den ersten sechs Monaten 2026 erzielte Anthropic rund 16,3 Milliarden Dollar Umsatz. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 1,2 Milliarden Dollar gewesen.
Dem Wachstum stehen allerdings hohe Verluste gegenüber. Für das erste Halbjahr meldete das Unternehmen einen Nettoverlust von 80,7 Milliarden Dollar. Dieser ging überwiegend auf eine bilanzielle Neubewertung von Finanzierungsinstrumenten zurück. Der operative Verlust betrug 693 Millionen Dollar.
Laut einem Bericht des Wall Street Journal könnte Anthropic beim Börsengang 100 Milliarden Dollar oder mehr einsammeln wollen. Der Aktienhandel könnte bereits in der Woche ab dem 16. November beginnen. Sowohl das Emissionsvolumen als auch der Zeitplan sind jedoch noch offen.
Die Investmentbanken Goldman Sachs und Morgan Stanley begleiten den Börsengang.
Für Kryptohändler eröffnet der bevorstehende Börsengang eine besondere Möglichkeit. Über Kontrakte unter anderem auf Binance können sie auf eine steigende oder fallende Bewertung von Anthropic spekulieren, noch bevor die erste Aktie an der Nasdaq gehandelt wird.
Damit sind allerdings erhebliche Risiken verbunden. Die Kontrakte begründen keinen Anspruch auf echte Aktien und garantieren auch keine Teilnahme am Börsengang.
Zudem können Händler auf manchen Plattformen einen Hebel von bis zu 20 einsetzen. Dadurch können Gewinne schnell steigen, Verluste jedoch ebenso stark ausfallen.
Auch Finanzierungskosten und eine geringe Liquidität können das Ergebnis beeinflussen. Selbst wenn ein Händler den späteren Börsenwert richtig einschätzt, kann seine Position zwischenzeitlich wegen zu hoher Verluste geschlossen werden.
Hinzu kommt, dass die Handelsplattformen ihre Kontraktpreise nach unterschiedlichen Methoden berechnen. Der Preis eines Kryptokontrakts muss deshalb nicht dem späteren Ausgabepreis einer Aktie entsprechen.
Erst wenn Anthropic den endgültigen Ausgabepreis und die Zahl der ausstehenden Aktien bekannt gibt, wird deutlich, wie nah die Erwartungen der Kryptohändler an der tatsächlichen Börsenbewertung liegen.
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Dario Amodei und sechs weitere Mitgründer von Anthropic verfügen jeweils über ein Vermögen von mehr als 13 Milliarden Dollar. Beim Börsengang könnte sich dieser Betrag noch verdoppeln.
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