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Die Rendite zehnjähriger französischer Staatsanleihen ist erstmals seit 2002 auf mehr als fünf Prozent gestiegen. Anleger sorgen sich zunehmend um die politische Stabilität und die Staatsfinanzen Frankreichs. Die Verwerfungen beschränken sich allerdings nicht auf Frankreich.

Auch die Renditen italienischer und belgischer Staatsanleihen nähern sich bedenklichen Niveaus. Gleichzeitig stehen die Aktien europäischer Banken stark unter Druck.

Frankreichs zehnjährige Staatsanleihen: Rendite springt über 5 Prozent
Die Rendite zehnjähriger französischer Staatsanleihen springt über 5 Prozent. Quelle: TradingView

Droht eine neue europäische Schuldenkrise?

In der Politik wächst die Sorge, dass dies der Beginn einer neuen europäischen Schuldenkrise sein könnte. Sollte die Entwicklung an den europäischen Anleihemärkten anhalten, dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis die Europäische Zentralbank (EZB) eingreifen muss.

In einem Meinungsbeitrag für die Financial Times schrieb Lorenzo Bini Smaghi Anfang dieser Woche, die EZB müsse ihren Bilanzabbau vorübergehend aussetzen. Das könnte die europäischen Anleihemärkte wieder stabilisieren.

Für Bini Smaghi ist unverständlich, dass die EZB ihre quantitative Straffung (Quantitative Tightening, QT) derzeit unverändert fortsetzt. Dabei verkleinern Zentralbanken ihre Bilanz, indem sie die Erlöse aus fällig werdenden Staatsanleihen nicht wieder anlegen.

Wird eine französische Staatsanleihe fällig, erhält die EZB das investierte Geld zurück. Derzeit verzichtet sie darauf, dafür eine neue französische Anleihe zu kaufen. Dadurch schrumpft ihre Bilanz. Nach Ansicht von Bini Smaghi sollte sie diese Gelder jedoch wieder anlegen, um die Märkte zu stabilisieren.

Was ist eine „normale“ Zentralbankbilanz?

Nach Ansicht von Bini Smaghi hat sich die EZB regelrecht der „Normalisierung“ ihrer Bilanz verschrieben – was auch immer darunter zu verstehen sei. Gemeint ist in diesem Fall vor allem eine kleinere Bilanz.

Dahinter stecke jedoch eher die Sehnsucht nach den Verhältnissen vor der Finanzkrise von 2008 und der Eurokrise von 2012 als eine fundierte Analyse.

Der geplante Bilanzabbau zwingt den Markt, mehr Staatsanleihen aufzunehmen. Nach Einschätzung von Bini Smaghi beruht dieser Kurs vor allem auf einem Bauchgefühl.

Eine bestimmte Bilanzgröße sei für eine Zentralbank keineswegs von Natur aus „normal“, argumentiert Bini Smaghi. Das gelte insbesondere dann, wenn sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und die Marktverhältnisse im Laufe der Zeit grundlegend veränderten.

Er rät deshalb dazu, den Bilanzabbau vorerst auszusetzen, bis sich das finanzielle Umfeld wieder stabilisiert hat.

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