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Der XRP Ledger, das Netzwerk hinter der Kryptowährung XRP, wies offenbar jahrelang eine schwere Sicherheitslücke auf. Angreifer hätten dadurch theoretisch enorme Mengen neuer XRP-Token erzeugen können. Das hätte den Wert des Coins erheblich beeinträchtigen können.
Die Schwachstelle bestand möglicherweise bereits seit 2015. Die Entwickler haben sie inzwischen behoben. Nach ihren Angaben gibt es keine Hinweise darauf, dass sie tatsächlich ausgenutzt wurde.
Entdeckt wurde die Sicherheitslücke vom Sicherheitsforscher Cayden Liao und Veria AI. Sie meldeten das Problem am 22. September den Entwicklern des XRP Ledger.
Der Fund war besonders gravierend, weil die Gesamtmenge an XRP fest begrenzt ist. Beim Start des Netzwerks im Jahr 2012 wurden sämtliche 100 Milliarden XRP erzeugt. Nach den Netzwerkregeln können seitdem keine neuen Coins hinzukommen.
Die Sicherheitslücke hätte dies dennoch ermöglicht.
Die Schwachstelle lag im integrierten Handelssystem des XRP Ledger, über das Nutzer verschiedene Kryptowährungen tauschen können.
Ein Angreifer hätte Hunderte Konten anlegen und darüber spezielle Handelsaufträge platzieren können. Bei der gleichzeitigen Ausführung all dieser Aufträge hätte das Netzwerk den zu zahlenden XRP-Betrag falsch berechnet.
Dadurch hätten die Konten des Angreifers große Mengen XRP erhalten, ohne dass dafür nennenswerte Zahlungen nötig gewesen wären. Die Differenz wäre nicht anderen Nutzern abgezogen worden. Vielmehr wären zusätzliche XRP entstanden.
Der Angreifer hätte diese zusätzlichen XRP anschließend an Kryptobörsen übertragen und verkaufen können. Ein solcher Angriff hätte damit nicht nur die festgelegte Gesamtmenge von XRP überschritten, sondern auch erhebliche Schäden am Kryptomarkt verursachen können.
Der XRP Ledger verfügt über mehrere Schutzmechanismen, die verhindern sollen, dass unzulässig neue XRP entstehen. Gegen diese Schwachstelle waren sie jedoch wirkungslos.
Das Netzwerk prüft nach jeder Transaktion, ob die Gesamtmenge an XRP korrekt ist. Da das System jedoch mit falschen Beträgen rechnete, hätte es die zusätzlich erzeugten Coins nicht erkannt.
Auch ein weiterer Schutzmechanismus hätte den Angriff nicht verhindert. Er begrenzt die Menge an XRP, die ein einzelnes Konto empfangen kann. Durch die Verteilung der Coins auf Hunderte Konten hätte ein Angreifer diese Grenze umgehen können.
Für den Angriff wäre zudem auffallend wenig Kapital nötig gewesen. Nach Angaben der Forscher hätten wenige Hundert XRP ausgereicht, um alle erforderlichen Konten anzulegen. Der größte Teil davon hätte sich später wieder zurückholen lassen.
Entwickler von RippleX, der Entwicklungsabteilung von Ripple, testeten den Angriff anschließend auf einem separaten Server. Sie bestätigten, dass die zusätzlich erzeugten XRP tatsächlich existierten und in einer nachfolgenden Transaktion ausgegeben werden konnten.
Laut RippleX gibt es keine Hinweise darauf, dass die Sicherheitslücke im öffentlichen Netzwerk tatsächlich ausgenutzt wurde.
Die Forscher meldeten die Schwachstelle am 22. September. Nur drei Tage später veröffentlichten die Entwickler ein Softwareupdate, das das Problem behob.
Dabei handelte es sich um Version 3.4.1 von xrpld, der Software, auf der der XRP Ledger läuft. Bei der Veröffentlichung des Updates wurde noch nicht bekannt gegeben, welche Schwachstelle genau behoben worden war. Diese Informationen wurden erst am 9. Oktober veröffentlicht.
Bemerkenswert ist, dass die Schwachstelle möglicherweise bereits seit 2015 im Netzwerk bestand. Damit wäre sie rund elf Jahre lang unentdeckt geblieben.
Auch bei anderen Kryptoprojekten wurden in den vergangenen Monaten ältere Sicherheitslücken entdeckt, teils mithilfe künstlicher Intelligenz (KI).
So wurde bei der Hardware-Wallet Coldcard eine Schwachstelle entdeckt, die mit dem Diebstahl von mindestens 1.367 Bitcoin (BTC) in Zusammenhang stand. Auch bei Core Lightning wurden schwerwiegende Fehler aufgedeckt. Betreibern bestimmter Bitcoin-Nodes wurde deshalb empfohlen, die Netzwerkverbindung vorübergehend zu trennen.
Nach Angaben der Entwickler des XRP Ledger ist die Schwachstelle inzwischen behoben. Es gibt keine Hinweise darauf, dass Angreifer sie genutzt haben, um zusätzliche XRP zu erzeugen.
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