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Die Wall Street liegt am Freitag vorsichtig im Plus, nachdem der Ölpreis gestern noch über 100 Dollar je Barrel gestiegen war. Brent-Öl hat inzwischen wieder etwas nachgegeben, auch die Renditen amerikanischer Staatsanleihen entspannen sich leicht. Von echter Entwarnung an den Finanzmärkten zu sprechen, wäre dennoch verfrüht.
Die wichtigsten Risiken sind nicht verschwunden. Die Anleiherenditen bewegen sich weiterhin nahe ihren höchsten Ständen seit Monaten, die Volatilität am Anleihemarkt ist deutlich gestiegen, und Anleger gehen mit einem erheblichen Eskalationsrisiko rund um Iran ins Wochenende.

Damit wirkt der positive Börsentag vorerst vor allem wie eine Erleichterungsrally.
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Der Rückgang des Ölpreises vom Hoch oberhalb von 100 Dollar verschafft dem Markt heute etwas Luft. Das ist nachvollziehbar. Ein höherer Ölpreis kann die Inflation erneut anheizen und die US-Notenbank wieder in Richtung Zinserhöhungen drängen. Gibt Öl etwas nach, lässt diese akute Sorge vorübergehend nach.
Das Grundproblem bleibt jedoch bestehen. Der Konflikt um Iran ist nicht gelöst. Die Risiken für wichtige Schifffahrtsrouten bestehen weiter. Und solange der Ölmarkt anfällig für neue Eskalationen bleibt, kann die Inflationsangst jederzeit zurückkehren.
Deshalb wirkt die Erholung an der Wall Street für mich noch nicht überzeugend genug.
In den kommenden Stunden wird vor allem entscheidend sein, wie die Renditen amerikanischer Staatsanleihen auf den fallenden Ölpreis reagieren. Bislang verharren die Renditen knapp unter ihren lokalen Hochs. Eine überzeugende Abwärtsbewegung ist also noch nicht zu erkennen.

Das ist wichtig. Wenn der Ölpreis fällt, die Anleiherenditen aber nicht deutlich mit nach unten gehen, steht die Erholung am Aktienmarkt auf keinem soliden Fundament. Dann gibt es zwar Entspannung bei Energie, aber keine echte Verbesserung der Finanzierungsbedingungen.
Vor allem für den KI-Komplex bleibt das ein Problem.
Der KI-Bullenmarkt hängt stark von reichlich verfügbarem und günstigem Kapital ab. Unternehmen müssen in den kommenden Jahren weiter Hunderte Milliarden Dollar in Chips, Rechenzentren, Energieversorgung und Infrastruktur investieren. Zu attraktiven Konditionen ist das nur möglich, wenn Kapital vergleichsweise günstig bleibt.
Solange die Zinsen hoch bleiben, steigen die Finanzierungskosten. Das erschwert es, hohe Bewertungen zu rechtfertigen. Anleger wollen nicht mehr nur hören, dass Unternehmen mehr in KI investieren. Sie wollen Belege dafür sehen, dass diese Investitionen auch Umsatz, Gewinn, Margen und freien Cashflow bringen.
Damit wird jeder Zinsanstieg zu einem zusätzlichen Belastungsfaktor für Technologie- und KI-Aktien.
Ab der kommenden Woche rückt die Berichtssaison wieder stärker in den Fokus. Am Mittwoch, dem 29. Juli, veröffentlichen Microsoft und Meta ihre Quartalszahlen. Einen Tag später folgen Apple und Amazon. Diese Zahlen werden für die breitere KI-Story wichtig. Anleger wollen wissen, ob die enormen Investitionen der großen Techkonzerne inzwischen ausreichende Renditen abwerfen.
Bei Microsoft und Amazon geht es vor allem um Cloud und KI-Infrastruktur. Bei Meta achtet der Markt auf KI-Investitionen, Werbeerlöse und die Entwicklung des freien Cashflows. Apple muss zeigen, ob das Unternehmen seine KI-Story glaubwürdiger machen kann.
Die Messlatte liegt hoch. Nach den Zahlen von Alphabet ist klar, dass der Markt auf höhere KI-Ausgaben nicht automatisch positiv reagiert. Zusätzliche Investitionen werden nur dann als positiv gewertet, wenn ihnen auch überzeugende Erlöse gegenüberstehen.
Neben den Quartalszahlen trifft die US-Notenbank am Mittwoch erneut eine Zinsentscheidung. Das wird ein wichtiger Termin. Der Markt hatte zuvor durch niedriger als erwartete Inflationsdaten etwas Luft bekommen, doch der Anstieg des Ölpreises hat das Zinsbild wieder komplizierter gemacht.
Wenn die Fed betont, dass Energiepreise ein Risiko für die Inflation darstellen, könnte das Risikoanlagen erneut unter Druck setzen. Lässt die Notenbank dagegen Raum für Vorsicht, könnte das den Markt vorübergehend stützen.
Für Bitcoin (BTC), Aktien und vor allem den KI-Komplex bleibt der Zins daher einer der wichtigsten Faktoren.
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