Ist Tether finanziell so stabil, wie es selbst behauptet? Obwohl das Unternehmen mit Rekordgewinnen und enormen Reserven prahlt, sorgen BitMEX-Gründer Arthur Hayes und die Ratingagentur S&P für harte Warnungen. Wie groß ist das Risiko wirklich?
Arthur Hayes: „Tether ist anfällig bei Kursverfall von Gold und Bitcoin“
Die Diskussion über die Solvenz von Tether flammte nach einer scharfen Analyse von BitMEX-Gründer Arthur Hayes erneut auf. Ihm zufolge könnte das Unternehmen technisch bankrottgehen, wenn der Wert seiner Gold- und Bitcoin-Reserven um dreißig Prozent sinkt. Dieses Risiko steigt, da Tether stark auf volatile Vermögenswerte setzt, um Renditen zu kompensieren.
Tether verdient nämlich Milliarden an Zinsen auf US-Staatsanleihen, aber bei einem Rückgang dieser Zinsen sinken die Einnahmen. Hayes warnt, dass das Unternehmen dann auf Kursgewinne mit risikoreichen Vermögenswerten angewiesen ist.
Auch die Ratingagentur S&P Global teilt diese Bedenken. Die Analysten bewerten Tethers finanzielle Grundlage als „schwach“, vor allem wegen begrenzter Transparenz und einer zu großen Exponierung gegenüber Bitcoin, Gold und Krediten.
Tether kauft Gold in beispiellosem Umfang
In den letzten Jahren hat sich Tether zu einem der größten privaten Goldkäufer der Welt entwickelt. Laut der Investmentbank Jefferies war das Unternehmen im letzten Quartal für fast zwei Prozent der weltweiten Goldnachfrage verantwortlich und kaufte damit mehr als viele Zentralbanken.
Diese Einkaufstrategie könnte den Goldpreis ankurbeln, erhöht jedoch auch das Risiko. Eine plötzliche Korrektur am Goldmarkt könnte die Stabilität von Tether beeinträchtigen, so Kritiker.
Tether hat Milliardenpuffer, Sorgen sind unbegründet
James Butterfill von der Vermögensverwaltung CoinShares hält die Kritik für unberechtigt. Er verweist auf den jüngsten Prüfungsbericht, in dem Tether Reserven in Höhe von 181 Milliarden US-Dollar berichtet, gegenüber Verbindlichkeiten von 174,45 Milliarden US-Dollar. Das bedeutet einen Puffer von fast 6,8 Milliarden US-Dollar.
Darüber hinaus erzielte das Unternehmen in diesem Jahr bereits mehr als 10 Milliarden US-Dollar Gewinn, hauptsächlich durch Zinsen auf Anleihen. „Die meisten traditionellen Banken würden darauf neidisch sein“, so Butterfill.
Tethers CEO Paolo Ardoino bezeichnet die anhaltende Kritik als „FUD“ und hebt hervor, dass die Gruppe über weitere 23 Milliarden US-Dollar an einbehaltenen Gewinnen verfügt. Insgesamt verwaltet Tether Vermögenswerte von über 215 Milliarden US-Dollar. Laut Ardoino ignoriert S&P die monatlichen Gewinne von rund 500 Millionen US-Dollar und die zusätzlichen Puffer in ihrer Bewertung.
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