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Internationale Betrugsnetzwerke in Südostasien haben sich zu einer der größten kriminellen Schattenwirtschaften der Welt entwickelt. Davor warnt das Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) in einem neuen Bericht. Nach Angaben der Organisation verlieren Opfer jedes Jahr Hunderte Milliarden Dollar durch Online-Betrug. Kryptowährungen spielen dabei eine wichtige Rolle bei der Geldwäsche der Erlöse.

Nach Einschätzung der Vereinten Nationen haben sich die Netzwerke in den vergangenen Jahren von lokalen Banden zu international operierenden Organisationen entwickelt. Sie verbinden Online-Betrug, Menschenhandel, Geldwäsche und Datendiebstahl in einem kriminellen Ökosystem und setzen dabei immer häufiger auf künstliche Intelligenz und Blockchain-Technologie.

Krypto wird in großem Stil zur Geldwäsche genutzt

Dem UNODC zufolge agieren die kriminellen Netzwerke zunehmend wie professionelle Unternehmen. Sie verfügen über spezialisierte Teams für Geldwäsche, Menschenhandel und Datenverarbeitung. Zudem nutzen sie eine hochentwickelte Finanzinfrastruktur, um Geldströme weltweit zu verschieben.

Ein zentraler Bestandteil ist der Einsatz digitaler Coins. Die Erlöse aus Anlagebetrug und Liebesbetrug werden dem Bericht zufolge über Blockchain-Netzwerke transferiert, um die Herkunft des Geldes zu verschleiern. Vor allem Opfer fingierter Investments werden über längere Zeit zur Einzahlung bewegt, bevor die Gelder rasch gewaschen werden.

Das UNODC schätzt, dass Opfer in Ost- und Südostasien, Australien und Neuseeland im Jahr 2025 zusammen zwischen 88,3 Milliarden und 114,1 Milliarden US-Dollar durch Online-Betrug verloren haben. Diese Summe übersteigt das Bruttoinlandsprodukt mehrerer Länder der Region.

Nach Angaben der Vereinten Nationen fehlt vielen Ermittlungsbehörden weiterhin das nötige Know-how und die technische Ausstattung, um solche Kryptotransaktionen wirksam nachzuverfolgen. Die Organisation betont deshalb, dass die Abschöpfung krimineller Vermögen mindestens so wichtig sei wie die Zerschlagung der Netzwerke selbst.

KI macht Online-Betrug immer glaubwürdiger

Der Bericht warnt zudem vor dem schnellen Einsatz generativer KI und von Deepfakes. Kriminelle nutzen diese Technologien, um überzeugende Videos, Nachrichten und Identitäten zu erstellen. Für Opfer wird es dadurch schwieriger, echte von gefälschten Inhalten zu unterscheiden.

Auch sogenanntes Malvertising nimmt stark zu. Dabei werden scheinbar seriöse Anzeigen genutzt, um Schadsoftware zu verbreiten. Nach Angaben des UNODC ist diese Form der Cyberkriminalität 2025 gegenüber dem Vorjahr um 42 Prozent gestiegen.

Zudem nennt die UN Satelliteninternet, darunter Starlink, als neue Herausforderung für Ermittlungsbehörden. Kriminelle Organisationen können dadurch aus abgelegenen Gebieten heraus operieren, ohne auf lokale Internetanbieter angewiesen zu sein.

Menschenhandel bildet die Grundlage des Betrugs

Hinter dem groß angelegten Online-Betrug steht nach Angaben der Vereinten Nationen auch ein weitverzweigtes Netzwerk des Menschenhandels. In Betrugskomplexen in ganz Südostasien wurden Menschen aus mehr als 80 Ländern aufgefunden, die unter Zwang Opfer weltweit betrügen mussten.

Dem Bericht zufolge zielen die Organisationen inzwischen ausdrücklich auch auf Arbeitskräfte ab, die europäische und nordamerikanische Sprachen sprechen. Damit wollen sie ihre Aktivitäten auf neue Zielgruppen ausweiten.

Die Vereinten Nationen betonen, dass internationale Zusammenarbeit notwendig ist. Nach den Worten der Exekutivdirektorin Monica Juma verlagern die kriminellen Organisationen ihre Aktivitäten einfach in ein anderes Land, sobald Behörden eingreifen.

Ermittlungsbehörden erhöhen inzwischen den Druck. US-Staatsanwälte teilten kürzlich mit, digitale Vermögenswerte im Wert von mehr als 25 Millionen US-Dollar beschlagnahmt zu haben, die mit Anlagebetrug und Liebesbetrug aus Südostasien in Verbindung stehen. Auch Interpol stuft diese Netzwerke mittlerweile als globale Sicherheitsbedrohung ein.

Auch die humanitären Folgen werden immer sichtbarer. Amnesty International spricht von einer humanitären Krise, weil Opfer von Menschenhandel versuchen, aus Betrugskomplexen in Kambodscha zu fliehen. In demselben Land wurde zuvor der Geschäftsmann Chen Zhi festgenommen, der auf seine Auslieferung nach China wartet. Der Fall umfasst zugleich eine der größten Bitcoin-Beschlagnahmungen überhaupt.

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