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An der Börse stehen seit Wochen die hohen KI-Investitionen im Mittelpunkt. Doch auch die Politik beeinflusst die Kurse. Bei den heutigen Zwischenwahlen droht Donald Trump der Verlust der Mehrheit im Kongress. Anleger haben dieses Risiko zuletzt verstärkt eingepreist.

Morgen fällt diese Unsicherheit weg. Die historische Bilanz macht Anlegern Hoffnung: Ein Jahr nach solchen Wahlen standen die Aktienkurse bislang stets höher, selbst wenn der Präsident die Mehrheit im Kongress verloren hatte.

Wall Street setzt auf demokratische Mehrheit im Kongress

Bei den sogenannten Midterms wählen die Amerikaner alle 435 Mitglieder des Repräsentantenhauses und 35 der 100 Senatoren. Die beiden Kammern bilden den Kongress, der Gesetze und Haushalte verabschiedet.

Auf dem Prognosemarkt Polymarket, auf dem Nutzer Geld auf den Wahlausgang setzen, liegt die Wahrscheinlichkeit für einen Sieg der Demokraten in beiden Kammern inzwischen bei 72 Prozent. Vor zwei Wochen waren es noch 63 Prozent. Insgesamt wurden auf diesen Wahlausgang bereits mehr als 117 Millionen Dollar gesetzt. Trumps Zustimmungswerte sinken seit Monaten wegen des Krieges mit dem Iran und der hohen Benzinpreise.

Im Repräsentantenhaus verfügen die Republikaner derzeit über 218 Sitze, die Demokraten über 214. Für eine Mehrheit sind 218 Sitze erforderlich. Damit reicht bereits der Nettoverlust eines Mandats, um die Mehrheit zu verlieren. Die Wahlanalysten des Cook Political Report rechnen mit Zugewinnen von 12 bis 25 Sitzen für die Demokraten.

Ein solcher Machtwechsel würde Trumps Handlungsspielraum für zwei Jahre stark einschränken. Der Präsident kündigte bereits gestern an, in diesem Fall als „Mr. Veto“ die Vorhaben des Kongresses mit seinem Vetorecht zu blockieren.

Was die Börsenhistorie nach Zwischenwahlen zeigt

Die historische Bilanz spricht für Anleger, bietet aber keine Garantie. Seit 1950 notierte der S&P 500, der Index der 500 größten börsennotierten US-Unternehmen, zwölf Monate nach jeder Zwischenwahl höher. Im Durchschnitt legte er um 16,6 Prozent zu, verglichen mit 6,9 Prozent in anderen Jahren.

Eine Erklärung dafür ist, dass mit der Auszählung der Stimmen die Unsicherheit schwindet. Anleger, die zuvor abgewartet haben, wagen dann wieder den Einstieg. Gewinnen die Demokraten die Mehrheit im Kongress, blockieren sich Präsident und Parlament gegenseitig. Größere Gesetzesvorhaben kommen dann kaum noch durch. Für Unternehmen sinkt damit das Risiko überraschender politischer Entscheidungen.

Auch das Szenario, mit dem Anleger derzeit rechnen, fiel für die Börse bislang günstig aus. Seit 1954 stand ein republikanischer Präsident nach den Zwischenwahlen siebenmal einem Kongress gegenüber, in dem die Demokraten beide Kammern kontrollierten. Ein Jahr später notierte der S&P 500 jedes Mal höher. Der durchschnittliche Kursanstieg betrug 15,5 Prozent.

Sieben Fälle sind allerdings eine kleine Stichprobe, und der Auftakt verlief häufig schleppend. Wechselte die Mehrheit in einer Kammer, bewegte sich der Index im ersten Monat im Durchschnitt kaum. In 11 von 19 Fällen seit 1950 fiel er im Jahr nach der Wahl zwischenzeitlich zudem um mindestens 10 Prozent von einem Höchststand, bevor er den Zeitraum dennoch im Plus beendete.

Hinzu kommt, dass die Wahlen nicht die einzige Sorge der Anleger sind. Die Zweifel an den hohen KI-Investitionen verschwinden mit dem Wahlergebnis nicht. Auch die hohen Zinsen belasten den Markt weiter. Wie heute bereits berichtet , befindet sich der Nasdaq 100 inzwischen zum dritten Mal in diesem Jahr offiziell in einer Korrektur.

Im Senat entscheidet sich die Machtfrage

Die Mehrheit im Repräsentantenhaus scheint den Demokraten nahezu sicher. Im Senat ist die Lage dagegen offen. Dort verfügen sie über 47 Sitze und müssen den Republikanern mindestens vier Mandate abnehmen. Gleichzeitig müssen sie ihren eigenen Sitz in Michigan verteidigen, wo interne Streitigkeiten das Rennen unerwartet knapp gemacht haben.

Die entscheidenden Rennen finden vor allem in Bundesstaaten statt, in denen Trump 2024 deutlich gewann, darunter Texas, Ohio, Alaska, Iowa und Kansas. Umfragen der New York Times zufolge liegen die Demokraten in fast all diesen Rennen vorn. Allerdings lagen US-Umfragen schon häufiger daneben. Bei den Präsidentschaftswahlen 2016, 2020 und 2024 unterschätzten sie jeweils die Unterstützung für Trump.

Die historische Bilanz spricht dennoch gegen Trump. Zwischen 1934 und 2022 verlor die Partei des Präsidenten bei Zwischenwahlen im Schnitt 27 Sitze im Repräsentantenhaus und 3 im Senat. Das geht aus Daten des American Presidency Project der University of California hervor. Verluste in dieser Größenordnung würden die Mehrheit im Repräsentantenhaus deutlich zugunsten der Demokraten verschieben. Die Republikaner dürfen dort unter dem Strich keinen einzigen Sitz verlieren.

Trump macht die Wahlen bewusst zu einer Abstimmung über seine Person. Bei einer Kundgebung am Sonntag in Iowa forderte er seine Anhänger auf, so abzustimmen, als stünde er selbst zur Wahl. Tatsächlich gehe es bei der Wahl auch um ihn. Kandidaten in umkämpften Bundesstaaten wie Maine baten das Weiße Haus dagegen, den Präsidenten aus ihrem Wahlkampf herauszuhalten.

Die ersten Wahllokale schließen heute Nacht um 00:00 Uhr deutscher Zeit. In den meisten entscheidenden Bundesstaaten endet die Stimmabgabe zwischen 01:30 und 04:00 Uhr.

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