Stablecoin-Riese Tether (USDT) verfolgt eine aggressive Investitionsstrategie, da sich das politische und finanzielle Klima in den USA zunehmend als günstiger erweist. Beim jährlichen Plan B Forum in El Salvador sprach CEO Paolo Ardoino über die wachsende Akzeptanz des Unternehmens durch das etablierte Finanzwesen.
Mit einem beispiellosen Gewinn von 13 Milliarden US-Dollar im Jahr 2024 und überschüssigen Reserven von 7 Milliarden US-Dollar investiert Tether nun nicht nur in die Blockchain, sondern auch in Sektoren wie künstliche Intelligenz, Landwirtschaft und soziale Medien.
Tether investiert außerhalb des Krypto-Sektors
Tether hat in kurzer Zeit enorme Schritte unternommen, um seinen Einfluss auszuweiten. Die Investitionen des Unternehmens beschränken sich nicht mehr nur auf krypto-bezogene Projekte, sondern erstrecken sich auch auf die traditionelle Finanz- und Politikwelt. Im Dezember investierte Tether 775 Millionen US-Dollar in Rumble, eine Social-Media-Plattform mit konservativer Ausrichtung. Diese Plattform hat Verbindungen zur Trump-Regierung, unter anderem durch Investoren wie Howard Lutnick, CEO von Cantor Fitzgerald, der von Trump als Handelsminister nominiert wurde.
Darüber hinaus hat Tether Beteiligungen an Unternehmen wie der deutschen Kryptotechnologiefirma Northern Data AG, dem südamerikanischen Agrarunternehmen Adecoagro und dem KI-Unternehmen Blackrock Neurotech erworben. Laut einer Analyse von Bloomberg hat das Unternehmen seit Mitte 2023 mindestens 13 große Investitionen getätigt.
Politische Verschiebungen und zunehmender Einfluss
Die Wiederwahl von Donald Trump hat das Spielfeld für Krypto-Unternehmen grundlegend verändert. Während Tether zuvor wegen Verdachts auf Geldwäsche und illegale Transaktionen unter Beschuss stand, scheint die neue US-Regierung einen krypto-freundlicheren Kurs zu verfolgen. Trumps Ministerkandidaten und politische Berater, wie David Sacks, sind erklärte Befürworter digitaler Vermögenswerte.
Dennoch bleibt Tether Gegenstand laufender Untersuchungen. Im Oktober berichtete das Wall Street Journal, dass Staatsanwälte in Manhattan den Stablecoin-Herausgeber wegen möglicher Verstöße gegen Sanktionsgesetze und Anti-Geldwäsche-Vorschriften untersuchen. Tether bestreitet, von einer laufenden Untersuchung zu wissen, und erklärt, mit den Behörden zusammenzuarbeiten, um Missbrauch seines USDT-Tokens zu verhindern.
Tether und die Dominanz des US-Dollars
Tether hält derzeit 94,5 Milliarden US-Dollar in US-Staatsanleihen und gehört damit zu den größten Käufern von US-Staatsschulden. CEO Paolo Ardoino betont, dass das Unternehmen zur „Hegemonie des US-Dollars“ beiträgt, da USDT als digitale Stellvertreterwährung für den Dollar fungiert.
Tether nutzt seine Milliardengewinne, um seinen Einfluss sowohl innerhalb als auch außerhalb des Krypto-Sektors auszubauen. Im Oktober wurde bekannt, dass das Unternehmen Gespräche mit der türkischen Regierung über die Tokenisierung von Borium, einem strategisch wichtigen Mineral, führt. Zudem prüft Tether Investitionen in Peer-to-Peer-KI, Bitcoin-Mining, Biotechnologie und Medien.
Zukunftssicher oder eine riskante Strategie?
Obwohl die Investitionsstrategie von Tether enorme finanzielle Erfolge erzielt, löst sie auch Besorgnis bei Ökonomen und politischen Entscheidungsträgern aus. Eswar Prasad, Professor für Handelspolitik an der Cornell University, warnt davor, dass die Expansion in nicht-krypto-bezogene Sektoren und engere Verbindungen zu traditionellen Finanzinstitutionen Risiken für die breitere Wirtschaft darstellen könnten.
Einige Analysten vergleichen Tethers Strategie mit der von Petro-Staaten wie Saudi-Arabien, die ihre Ölgewinne nutzen, um die wirtschaftliche Abhängigkeit zu verringern. Mit der aktuellen Dominanz von USDT ist Tether extrem profitabel, doch das Unternehmen scheint sich auf mögliche zukünftige Szenarien vorzubereiten. Ein Rückgang der US-Zinsen könnte beispielsweise die Cashflows aus Staatsanleihen verringern, während der Wettbewerb auf dem Stablecoin-Markt immer intensiver wird.
Mit dieser Strategie versucht Tether, sich gegen zukünftige Risiken zu wappnen und gleichzeitig seinen Einfluss sowohl auf den Kryptomarkt als auch auf die breitere Finanzwelt zu stärken. Die Frage bleibt jedoch, ob dies ein kluger, zukunftssicherer Schritt oder ein riskantes Wagnis ist.
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