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Südkoreanische Unternehmen nutzen die Gewinne aus dem KI-Boom, um massiv in den Vereinigten Staaten zu investieren. Nach Angaben der Financial Times verdoppelten sich die Direktinvestitionen südkoreanischer Unternehmen in den USA im ersten Quartal auf 10,2 Milliarden Dollar. Das ist der höchste Stand seit fast fünf Jahren. Im Gesamtjahr 2025 stiegen die Investitionen um knapp 15 Prozent auf 25,7 Milliarden Dollar.

Damit rückt im KI-Wettlauf ein neues zentrales Thema in den Vordergrund. Die Gewinner von heute nutzen ihre Cashflows, um sich die Infrastruktur von morgen zu sichern.

Samsung und SK Hynix profitieren vom KI-Boom

Vor allem Samsung Electronics und SK Hynix spielen dabei eine Schlüsselrolle. Beide Unternehmen profitieren stark von der Nachfrage nach KI-Infrastruktur. Ihre Speicherchips sind für Rechenzentren, KI-Server und den weiteren Ausbau von Rechenleistung entscheidend.

Die Aktien von Samsung und SK Hynix haben im vergangenen Jahr deutlich zugelegt. Diese Finanzkraft wird nun genutzt, um strategische Beteiligungen an US-Technologieunternehmen aufzubauen.

Samsung und SK Hynix im vergangenen Jahr. Quelle: TradingView

Samsung investierte unter anderem in ZutaCore, einen Spezialisten für Kühlung in KI-Rechenzentren. Das fügt sich in den Markttrend ein, denn Energieverbrauch und Wärmeentwicklung werden in der KI-Infrastruktur zu immer größeren Engpässen.

Zudem beteiligte sich Samsung an einer Finanzierungsrunde für Groq, einen US-amerikanischen KI-Chiphersteller. Außerhalb der USA soll Samsung auch über eine Beteiligung am französischen KI-Unternehmen Mistral sprechen.

SK Hynix hatte bereits angekündigt, 10 Milliarden Dollar in innovative US-Unternehmen investieren zu wollen. Das Unternehmen beteiligte sich unter anderem an Avicena, einem Start-up, das an optischer Verbindungstechnologie arbeitet, um KI-Systeme energieeffizienter zu machen.

KI verändert den M&A-Markt

Der rote Faden ist klar. KI verändert nicht nur den Aktienmarkt, sondern auch die Welt der Fusionen und Übernahmen. Unternehmen wollen nicht mehr nur mehr Chips verkaufen. Sie wollen Kontrolle über die gesamte Kette gewinnen: Speicher, Kühlung, Energieeffizienz, Rechenzentrumstechnologie, Chipdesign, Software und Konnektivität.

Wer heute mit KI hohe Gewinne erzielt, will morgen nicht von anderen abhängig sein. Deshalb kaufen sich südkoreanische Unternehmen bei US-Start-ups und Technologieplattformen ein. Die Vereinigten Staaten bleiben das Zentrum der KI-Innovation. Südkorea verfügt über das Kapital, das industrielle Know-how und die starke Stellung im Chipsektor, um direkt davon zu profitieren.

Weniger Konkurrenz aus China

Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Abwesenheit Chinas. Bis vor wenigen Jahren traten chinesische Unternehmen sehr aktiv als Käufer westlicher Technologiefirmen auf. Häufig zahlten sie hohe Preise, um Zugang zu strategischem Wissen, Marken und Märkten zu erhalten.

Doch wegen der verschlechterten Beziehungen zwischen Washington und Peking sind chinesische Unternehmen in vielen Fällen von US-Übernahmen ausgeschlossen.

Das schafft Spielraum für Südkorea. Bankern zufolge erleben koreanische Unternehmen dadurch eine Art goldenes Zeitfenster für M&A-Transaktionen in den USA. Sie verfügen über starke Cashflows, wollen näher am US-Markt sein und müssen ihre Lieferketten geopolitisch robuster aufstellen.

Mehr als nur Chips

Die südkoreanische Einkaufsoffensive beschränkt sich nicht auf Chipkonzerne. Auch Unternehmen aus Schiffbau, Robotik, Biotech und fortgeschrittener Fertigung suchen in den USA nach Übernahmen oder Beteiligungen.

Die Übernahme von Boston Dynamics durch Hyundai ist ein bekanntes Beispiel. Damit entwickelte sich Hyundai vom klassischen Autohersteller zu einem ernstzunehmenden Akteur in der Robotik.

Hanwha kaufte Philly Shipyard zu einem Zeitpunkt, an dem Washington versucht, den amerikanischen Schiffbau wiederzubeleben. Doosan Robotics übernahm eine Mehrheitsbeteiligung am US-Automatisierungsunternehmen ONExia.

Südkorea will nicht nur Zulieferer von Komponenten sein. Das Land will tiefer in strategische Technologieketten vordringen.

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