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Der Einbruch am südkoreanischen Aktienmarkt hat inzwischen auch politische Folgen. Präsident Lee Jae Myung hatte eine florierende Börse zum Kern seiner Wirtschaftspolitik gemacht: Er ermutigte private Haushalte, Vermögen aus Immobilien in Aktien umzuschichten, und gab seiner Ambition eine konkrete Zielmarke: Der Kospi sollte bis 2030 auf 5.000 Punkte steigen.
Dieses Ziel wurde deutlich schneller erreicht, als irgendjemand erwartet hatte. Getrieben vom KI-Hype, Rekordgewinnen bei Samsung Electronics und SK Hynix sowie massiven Zuflüssen von Privatanlegern schoss der Index zeitweise in Richtung 9.000 Punkte.
Inzwischen ist die Euphorie jedoch in Wut umgeschlagen – und sie richtet sich gegen den Mann, der die Rally befeuert hatte.

Der Kospi notiert inzwischen fast 40 Prozent unter seinem Hoch vom Juni. Besonders hart traf es Anleger, die spät eingestiegen waren und auf Hebelprodukte gesetzt hatten: Tausende Privatanleger rutschten ins Minus oder wurden mit Margin Calls konfrontiert, bei denen Broker Positionen zwangsweise schließen, sobald die Sicherheiten nicht mehr ausreichen.
Die Wut richtet sich zunehmend gegen die Regierung. Nach Angaben von Interessenverbänden der Privatanleger füllen sich Chatgruppen mit Kritik an Präsident Lee. Einige Anleger erklären sogar, bei der nächsten Wahl nicht mehr für seine Partei stimmen zu wollen.
Für Lee ist das heikel, weil er seinen politischen Erfolg eng mit der Börse verknüpft hat. Seine Zustimmungswerte fielen auf 44,5 Prozent und liegen damit nahe dem niedrigsten Stand seit seinem Amtsantritt im vergangenen Jahr.
Ein zentraler Vorwurf betrifft gehebelte ETFs. Ende Mai genehmigten die Aufsichtsbehörden erstmals gehebelte Single-Stock-ETFs. Damit konnten Anleger mit Hebel auf Aktien wie Samsung und SK Hynix setzen.

Innerhalb weniger Wochen flossen mehr als 10 Milliarden Dollar in diese Produkte. Solange der Markt stieg, wirkte das attraktiv. Doch als der KI-Trade drehte, schlug der Hebel gnadenlos in die Gegenrichtung aus. Verluste wurden verstärkt, Zwangsverkäufe nahmen zu, und die Volatilität schoss nach oben.
Die Aufsicht räumte später ein, dass die Einführung dieser Produkte unglücklich verlaufen sei. Der Zugang zu gehebelten ETFs wurde inzwischen verschärft.
Vor allem Menschen in ihren Dreißigern scheinen schwer getroffen zu sein. Politisch ist das sensibel, weil viele junge Koreaner Aktien als Alternative zu einem unerschwinglichen Immobilienmarkt sahen. Wer sich kein Haus leisten konnte, versuchte über Aktien Vermögen aufzubauen.
Einige setzten dafür Ersparnisse, Altersvorsorgevermögen oder geliehenes Geld ein. Deshalb fühlt sich der Börsencrash für viele Haushalte nicht wie ein abstrakter Marktverlust an, sondern wie ein direkter Schlag gegen ihre Zukunftspläne.
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