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US-Unternehmen liefern in dieser Berichtssaison die besten Quartalszahlen seit Jahren ab. An der Börse bleibt die Reaktion jedoch verhalten. Der S&P 500 kommt kaum voran. Das wirft eine drängende Frage auf: Warum werden starke Ergebnisse nicht mehr belohnt?

Beste S&P-500-Zahlen seit fünf Jahren

Von den Unternehmen im S&P 500, die bis einschließlich gestern ihre Zahlen vorgelegt haben, übertrafen rund 85 Prozent die Gewinnerwartungen. Das ist der höchste Anteil seit fünf Jahren, wie Daten von Bloomberg Intelligence zeigen.

Für die durchschnittliche Aktie zahlt sich das dennoch kaum aus. Am Tag nach der Zahlenvorlage schneidet sie nicht besser ab als der übrige Index.

Die Erwartungen waren allerdings extrem hoch. Analysten rechneten für das zweite Quartal mit einem Gewinnwachstum von 23 Prozent, einer der höchsten Prognosen überhaupt. Auch in Europa steuern die Gewinne auf das stärkste Wachstum seit drei Jahren zu.

Nach Einschätzung von Karen Georges, Aktienfondsmanagerin bei Ecofi in Paris, liegt genau darin das Problem. „Die Marktreaktion auf positive Überraschungen fiel eher gedämpft aus, weil die Messlatte seit der starken Berichtssaison im ersten Quartal sehr hoch liegt.“

Enttäuschungen werden dagegen hart abgestraft. In Europa blieben Aktien, die die Erwartungen knapp verfehlten, im Schnitt um 4,7 Prozentpunkte hinter dem Markt zurück, wie Morgan Stanley berechnete.

Selbst gute Nachrichten bieten keinen Schutz. Der Chiphersteller Texas Instruments verlor 3,1 Prozent, obwohl er einen besseren Ausblick als erwartet vorlegte. Die finnische Nokia-Aktie fiel um 5,1 Prozent, weil das Unternehmen seine Wachstumsprognose für Netzwerkkomponenten nicht anhob.

Hohe Zinsen treffen KI-Unternehmen am stärksten

Seit die großen US-Banken in der vergangenen Woche die Berichtssaison eröffnet haben, ist der S&P 500 um rund 1,4 Prozent gefallen. Der europäische Stoxx 600 bewegt sich nahezu seitwärts.

Die steigenden Zinsen spielen dabei eine wichtige Rolle. Die zunehmenden Spannungen rund um die Vereinigten Staaten haben dem Ölpreis einen weiteren Schub gegeben und die Inflationssorgen neu angefacht.

Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen ist dadurch auf rund 4,7 Prozent gestiegen. Das ist der höchste Stand seit Januar 2025.

Höhere Zinsen belasten Aktienkurse auf zwei Arten. Gewinne, die erst in einigen Jahren anfallen, sind heute weniger wert; zugleich verteuert sich die Finanzierung für Unternehmen.

Besonders stark trifft das alles, was mit künstlicher Intelligenz (KI) zu tun hat. Die großen Tech-Konzerne wollen in diesem Jahr zusammen rund 660 Milliarden Dollar für Rechenzentren und Chips ausgeben, fast doppelt so viel wie im Vorjahr. Ein erheblicher Teil davon wird fremdfinanziert, während die Erträge größtenteils erst in der Zukunft liegen.

Da diese Ausgaben von Quartal zu Quartal weiter steigen, wächst die Skepsis, ob die hohen Bewertungen noch zu rechtfertigen sind. Die Investitionen legen derzeit deutlich schneller zu als die Erlöse aus KI.

In der kommenden Woche legen Schwergewichte wie Microsoft, Meta und Apple ihre Zahlen vor. Nach Einschätzung von Michael Hewson, leitender Marktanalyst bei iForex, ist selbst das keine Garantie für ein Kursfeuerwerk.

„Die großen Tech-Konzerne, die nächste Woche berichten, können allesamt die Erwartungen übertreffen – und der Markt dürfte trotzdem nicht zulegen, weil vieles bereits eingepreist ist. Die Nervosität über die Investitionsausgaben ist enorm, und entscheidend werden die Prognosen sein.“

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