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Der schwache japanische Yen setzt immer mehr Unternehmen unter Druck. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres meldeten 45 Firmen wegen der billigen Währung Insolvenz an – so viele wie seit 2022 nicht mehr. Vor allem kleine Importeure geraten zunehmend in Existenznot.
Die Zahl der Insolvenzen infolge des schwachen Yen liegt mehr als 30 Prozent über dem Vorjahreswert. Das geht aus einem Bericht des Analysehauses Tokyo Shoko Research hervor. Seit Beginn der Erhebung im Jahr 2022 war der Wert noch nie so hoch.
Besonders stark trifft es den Großhandel. Ein schwacher Yen verteuert Importe erheblich, die häufig in Dollar abgerechnet werden. Kleinere Unternehmen können diese Mehrkosten wegen des harten Wettbewerbs kaum an ihre Kunden weitergeben.
Ein Beispiel ist Merry Time Foods aus Tokio, ein Importeur von Krabben, Garnelen und Thunfisch. Das Unternehmen meldete im Mai Insolvenz an und verwies dabei auf den schwachen Yen sowie politische Unruhen in den Herkunftsländern seiner Waren.
„Der schwache Yen ist ein belastender Faktor“, sagt Yoshihiro Sakata von Tokyo Shoko Research. „Zusammen mit Inflation und steigenden Lohnkosten erhöht er den Druck auf die Unternehmen erheblich.“
Die japanische Währung notierte heute bei rund 162 Yen je Dollar und damit nahe dem schwächsten Niveau seit vier Jahrzehnten. Hauptgrund ist der große Zinsabstand zu den Vereinigten Staaten, der Anleger in großem Stil aus dem Yen in den Dollar treibt.
Der Krieg rund um Iran verschärft die Lage zusätzlich. Der hohe Ölpreis macht Japans Energieimporte, die in Dollar bezahlt werden, noch teurer. Händler rechnen inzwischen ernsthaft damit, dass Tokio am Devisenmarkt eingreift, um die Währung zu stützen.
Normalerweise würde die Zentralbank angeschlagenen Unternehmen mit einer Zinssenkung helfen. In Japan hätte dieses Mittel jedoch den gegenteiligen Effekt.
Niedrigere Zinsen würden den Abstand zum US-Zinsniveau von 4,25 bis 4,50 Prozent vergrößern und den Yen weiter schwächen. Genau diese Yen-Schwäche ist jedoch der Auslöser der Insolvenzwelle. Importe würden noch teurer, weitere Importeure könnten scheitern.
Die Bank of Japan ist damit in die andere Richtung gedrängt. Der Leitzins liegt bereits bei 1 Prozent, dem höchsten Niveau seit mehr als drei Jahrzehnten, und nur weitere Erhöhungen könnten den Yen stärken. Der Preis wären höhere Finanzierungskosten – ausgerechnet für die kleinen Unternehmen, die ohnehin schon am Rand der Zahlungsunfähigkeit stehen. Tokyo Shoko Research rechnet deshalb vorerst weiter mit vielen währungsbedingten Insolvenzen.
Ein solcher Eingriff würde auch den Kryptomarkt treffen. Anleger leihen sich seit Jahren günstig Yen, um das Geld anderswo zu investieren, etwa in Aktien und Bitcoin (BTC). Bekannt ist diese Strategie als Carry Trade.
Steigt der Yen abrupt, müssen solche Positionen abgebaut werden. Im August 2024 wurde deutlich , wie heftig diese Dynamik ausfallen kann. Eine unerwartete Zinserhöhung der Bank of Japan ließ den Yen steigen, der japanische Topix verlor an einem Tag 12 Prozent, und der Nasdaq fiel in den folgenden Wochen um mehr als 13 Prozent.
Gleichwohl deutet die aktuelle Korrelation auf das Gegenteil hin: Bitcoin bewegt sich seit einem Jahr nahezu spiegelbildlich zum Dollar-Yen-Kurs. Greift Tokio ein, könnte die größte Kryptowährung diesem Muster zufolge sogar davon profitieren.
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