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Noch vor wenigen Jahren wollte die russische Zentralbank den Kryptohandel vollständig verbieten. Nun bereitet sich die größte Börse des Landes auf den direkten Handel mit Bitcoin (BTC) vor.
Die Tests haben vergangene Woche begonnen. Doch der Kreml macht strenge Vorgaben: Längst nicht alle russischen Anleger dürfen uneingeschränkt investieren.
An der Moskauer Börse (MOEX) sollen Kunden ab dem 1. Dezember Kryptowährungen kaufen und verkaufen können, wie die russische Nachrichtenagentur Interfax berichtet. Erste Tests mit professionellen Marktteilnehmern laufen seit Anfang dieses Monats.
Das bestätigte Boris Blochin, Senior Managing Director für Vertrieb und Geschäftsentwicklung bei der Börse, auf einem Forum von Sber Investments. Die Tests liefen seit einer Woche, sagte er.
Kunden sollen künftig ein Konto bei einer digitalen Verwahrstelle eröffnen, die mit der Börse zusammenarbeitet. Diese erfasst ähnlich wie bei einem Wertpapierdepot, wem welche Coins gehören. Zusätzliche Genehmigungen sind laut Blochin nicht erforderlich.
Grundlage dafür ist das russische Kryptogesetz, das am 1. September in Kraft trat. Am 6. Oktober ließ die Zentralbank daraufhin die ersten fünf digitalen Verwahrstellen und vier Krypto-Wechselstellen zu, darunter die Großbanken Sberbank und VTB.
Kryptoprodukte sind für die Moskauer Börse kein Neuland. Seit dem 4. Juni 2025 können Anleger dort Bitcoin-Futures handeln. Mit diesen Terminkontrakten spekulieren sie auf den Kurs, ohne Bitcoin selbst zu besitzen.
Die Futures bilden die Entwicklung von IBIT ab, dem Bitcoin-Börsenfonds des Vermögensverwalters BlackRock. Im August 2025 kamen Futures auf Ethereum (ETH) hinzu. Am 22. September dieses Jahres folgten unbefristete Futures unter anderem auf Solana (SOL) und Ripple (XRP).
Nach Angaben der Börse haben bereits mehr als 72.000 Anleger diese Kryptoprodukte gehandelt. Das Handelsvolumen übersteigt 600 Milliarden Rubel. Das entspricht rund 7 Milliarden Dollar oder 6 Milliarden Euro.
Bei all diesen Produkten ging es jedoch um Spekulationen auf die Kursentwicklung. Ab Dezember sollen Anleger die Coins selbst erwerben können. Für eine traditionelle Börse ist das weltweit noch eine Seltenheit: Die Börse Stuttgart und die Deutsche Börse gingen diesen Schritt bereits 2019 beziehungsweise 2024.
Russland vollzieht damit einen bemerkenswerten Kurswechsel. Anfang 2022 hatte die Zentralbank noch ein vollständiges Verbot des Kryptohandels vorgeschlagen. Im selben Jahr wurden Zahlungen mit Kryptowährungen verboten.
Seitdem haben westliche Sanktionen das Land schwer getroffen, und Moskau bewertet Kryptowährungen inzwischen anders. Präsident Wladimir Putin äußerte sich bereits 2024 positiv. Auf einem Forum erklärte er, niemand könne Bitcoin verbieten.
Das Verbot von Kryptozahlungen innerhalb Russlands bleibt bestehen. Exporteure und Importeure dürfen Kryptowährungen nach Angaben der Zentralbank jedoch für grenzüberschreitende Zahlungen nutzen .
Wer künftig in Russland Bitcoin kaufen will, muss zunächst einen Test bestehen. Privatanleger ohne besondere Qualifikation dürfen anschließend nur Bitcoin, Ethereum (ETH) und USDT kaufen. USDT ist ein Stablecoin von Tether, der im Verhältnis eins zu eins an den Dollar gebunden ist.
Für diese Anleger gilt eine Obergrenze von 300.000 Rubel pro Jahr, umgerechnet rund 3.100 Euro. Laut der russischen Zentralbank müssen sie ihre Käufe über einen einzigen Vermittler abwickeln. Ob Anleger über mehrere Broker insgesamt mehr kaufen dürfen, geht aus den Vorgaben nicht hervor.
Als qualifizierte Anleger gelten vermögende oder erfahrene Investoren mit einem gesonderten Status. Sie dürfen ohne Obergrenze sämtliche Coins kaufen, die an der Börse oder außerbörslich gehandelt werden.
Bislang mussten russische Anleger für den direkten Kauf von Coins auf ausländische Plattformen oder inoffizielle Wechselstellen ausweichen. Binance, die größte Kryptobörse der Welt, verkaufte sein Russlandgeschäft bereits 2023.
Künftig soll der Kauf über ein reguläres Anlagekonto möglich sein, in Rubel und unter Aufsicht der Zentralbank. Die Coins liegen dann bei einer registrierten Verwahrstelle statt bei einem ausländischen Unternehmen, gegenüber dem russische Anleger ihre Ansprüche kaum durchsetzen können.
Das bietet Anlegern mehr Sicherheit, verschafft aber auch dem Staat zusätzliche Kontrolle: Jeder Kauf läuft über einen Anbieter, der bei der Zentralbank registriert ist.
Die Zentralbank will die letzten Ausführungsbestimmungen Ende Oktober festlegen. Gelingt das rechtzeitig, können russische Privatanleger am 1. Dezember erstmals über die heimische Börse direkt Bitcoin kaufen.
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