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Die US-amerikanische Ratingagentur Moody’s Ratings arbeitet an einem neuen Bewertungssystem für Stablecoins, das Investoren mehr Sicherheit bei der Einschätzung von Risiken in diesem schnell wachsenden Markt bieten soll. Ziel ist es, mehr Transparenz in einen Sektor zu bringen, der mittlerweile einen gemeinsamen Wert von rund 300 Milliarden Dollar repräsentiert.
Die 116 Jahre alte Ratingagentur veröffentlichte am Freitag einen Vorschlag, in dem Stablecoins eine sogenannte Einlagenbewertung erhalten sollen. Diese Bewertung basiert auf der Zusammensetzung und Qualität der Reserveaktiva, dem Marktrisiko der Reservewerte und den operativen Sicherheiten des Herausgebers. Öffentliche Rückmeldungen zu dem Vorschlag können bis zum 29. Januar eingereicht werden, danach möchte Moody’s das System endgültig einführen.
Stablecoins sind in der Regel durch Bargeld und Bargeldäquivalente wie kurzfristige US-Staatsanleihen gedeckt. Herausgeber veröffentlichen regelmäßig Berichte über ihre Reserven, aber umfassende unabhängige Prüfungen fehlen oft. Dies hat in der Vergangenheit zu Diskussionen geführt, unter anderem rund um Tether, den Herausgeber von USDT, der größten Stablecoin nach Marktkapitalisierung.
Ähnlich wie bei traditionellen Kreditratings müssen Herausgeber selbst eine Bewertung beantragen und dafür zahlen. Moody’s gab nicht an, ob USDT speziell bewertet wird, betont jedoch, dass berücksichtigt wird, ob unabhängige Dritte die bereitgestellten Daten überprüft haben.
Gemäß dem vorgeschlagenen Rahmenwerk analysiert Moody’s jedes einzelne Asset im Reserveportfolio einer Stablecoin. Auf dieser Grundlage wird ein gewogenes Mittel berechnet, wobei auch der Marktwert der Vermögenswerte einbezogen wird. Die endgültige Bewertung basiert auf dem niedrigsten Ergebnis der Kreditqualitätsanalyse und der Marktwertbewertung, ergänzt durch eventuelle Korrekturen.
Die Bewertungssystematik umfasst fünf Kategorien liquider Aktiva, wobei Bareinlagen und Staatsanleihen in derselben Währung am günstigsten bewertet werden. Zudem prüft Moody’s Governance, Regulierung und mögliche Stressszenarien.
Aber auch technologische Risiken, wie Schwachstellen in der Blockchain-Sicherheit oder Probleme bei Forks, werden berücksichtigt. Algorithmische Stablecoins fallen nicht unter das Rahmenwerk. Laut Moody’s ist die Bewertung nicht als Urteil über Rendite oder Preisstabilität gedacht, sondern ausschließlich als Hinweis auf die Wahrscheinlichkeit, dass eine Stablecoin rechtzeitig eingelöst werden kann.
Der Vorschlag von Moody’s erscheint zu einem bedeutsamen Zeitpunkt. Denn es war ein Durchbruchsjahr für Stablecoins im traditionellen Finanzsystem, zumindest in den Vereinigten Staaten. Aber auch in anderen Jurisdiktionen treten Stablecoins zunehmend in den Vordergrund.
Stablecoins gewinnen weltweit an Bedeutung und neue Gesetzgebungen werden schnell eingeführt. In den Vereinigten Staaten wurde beispielsweise im Juli das Genius Act verabschiedet, das Regeln für die Ausgabe und das Management von Stablecoins festlegt. Laut Moody’s werden Stablecoins für Banken, Unternehmen und Zahlungssysteme immer relevanter, da sie als Liquiditätsinstrument innerhalb des Kryptomarkts dienen.
Tether hält nach Angaben von Unternehmenschef Paolo Ardoino 150.000 Bitcoin im Wert von 11,5 Milliarden Dollar. Das ist deutlich mehr, als aus dem jüngsten Reservebericht hervorgeht.
Tether meldet einen Quartalsgewinn von 1,5 Milliarden Dollar und zusätzliche Reserven von knapp 8 Milliarden Dollar. USDT bleibt dominant, doch in der Kryptobranche bleiben Fragen zur Transparenz offen.
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