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Der Markt für tokenisierte Aktien wächst rasant. Eine Entscheidung der US-Börsenaufsicht hat ihm zuletzt zusätzlichen Auftrieb gegeben. Seither dürfen Plattformen tokenisierte Aktien rund um die Uhr auf einer Blockchain handeln, ohne eine Börsenzulassung zu benötigen.
Die Regelung räumt Unternehmen allerdings auch ein Widerspruchsrecht ein. Davon machen seit Montag immer mehr namhafte Konzerne Gebrauch. Darunter ist ausgerechnet eine Großbank, die in der Tokenisierung selbst Wachstumschancen sieht.
Microsoft, die Google-Muttergesellschaft Alphabet und Goldman Sachs wollen nicht, dass ihre Aktien auf OKXICE TSV gehandelt werden. Die Kryptobörse OKX und der NYSE-Eigentümer Intercontinental Exchange (ICE) bauen die Plattform derzeit auf. Das geht aus einer öffentlichen Mitteilung vom Montag hervor.
Auch Qualcomm, McDonald’s und Caterpillar haben Widerspruch eingelegt. Damit ist die Zahl der Unternehmen auf 16 gestiegen. Vier Tage zuvor waren es noch neun.
Die Widersprüche beruhen unmittelbar auf den neuen Vorschriften. Eine Plattform muss jedes Unternehmen vorab informieren und ihm eine Frist von 30 Tagen für einen Widerspruch einräumen. Lehnt das Unternehmen ab, darf der Token nach den Vorgaben der Securities and Exchange Commission (SEC) dort nicht gehandelt werden.
Aus der Mitteilung geht allerdings nicht ausdrücklich hervor, ob die Aktien tatsächlich von der Plattform genommen werden. Die Unternehmen nennen zudem keine Gründe für ihre Ablehnung.
Die Vorbehalte sind durchaus nachvollziehbar. Unternehmen haben keinen Einfluss auf einen Token, den ein Dritter auf Basis ihrer Aktie ausgibt. Ihr Name bleibt jedoch damit verbunden.
OKXICE scheint darauf bereits zu reagieren. Seit Montag können Unternehmen ihre Aktien auf der Plattform auch selbst tokenisieren. Dadurch behalten sie mehr Kontrolle darüber, in welcher Form ihre Aktien auf der Blockchain abgebildet werden.
Auslöser dieser Entwicklung ist die sogenannte Innovation Exemption, eine befristete Ausnahmegenehmigung der SEC. Seit dem 17. September dürfen Plattformen damit US-Aktien in Form von Token handeln, ohne sich zuvor als Börse registrieren zu müssen.
Zuvor war das nur über eine registrierte Börse oder ein registriertes Handelssystem möglich. Die SEC setzte die Regelung durch, nachdem der Clarity Act im vergangenen Monat im Senat gescheitert war. Das Gesetz sollte einen verbindlichen Rechtsrahmen für den Kryptomarkt schaffen.
Die Ausnahme gilt nur für Token, die dieselben Rechte wie eine herkömmliche Aktie verbriefen, etwa auf Dividenden und Stimmrechte. Synthetische Token, die lediglich den Aktienkurs nachbilden, sind davon ausgenommen.
Bei OKXICE kauft deshalb ein Intermediär echte Aktien und gibt für jede Aktie einen Token aus. Kritiker sehen dabei allerdings eine Schwachstelle: Die Plattform unterliegt nicht den Vorschriften, die Anlegern den bestmöglichen Preis garantieren.
Nasdaq nimmt die eigene Aktie aus diesem Grund von der Ausnahmeregelung aus, wie ein Sprecher dem Wall Street Journal sagte. Der Börsenbetreiber will nicht, dass seine Aktie an Handelsplätzen gehandelt wird, an denen der beste Preis nicht in Echtzeit sichtbar ist.
Der Markt wächst unterdessen kräftig. Laut RWA.xyz waren Anfang des Jahres tokenisierte Aktien im Wert von rund 687 Millionen Dollar auf Blockchains erfasst. Am 11. Oktober erreichte der Wert mit etwa 3,37 Milliarden Dollar einen Rekord.
Der Widerspruch von Goldman Sachs fällt besonders auf, weil die Investmentbank bereits seit 2022 eine eigene Plattform für tokenisierte Vermögenswerte entwickelt. Bei der jüngsten Vorstellung der Quartalszahlen bezeichnete Vorstandschef David Solomon die Tokenisierung denn auch nicht als Bedrohung für das Handelsgeschäft.
Er verglich die Entwicklung mit dem Übergang zum elektronischen Aktienhandel vor fast 50 Jahren. Damals habe es ähnliche Befürchtungen gegeben. Das Aktiengeschäft von Goldman sei anschließend jedoch gewachsen.
Solomon dämpfte allerdings die Erwartungen. Die bisherigen Aktivitäten seien noch gering und von untergeordneter Bedeutung.
Auch Wells Fargo und Morgan Stanley sehen Chancen. Wells Fargo wickelt bereits internationale Zahlungen mit tokenisierten Bankguthaben ab. Nach Angaben von Finanzvorstand Michael Santomassimo sind die Volumina allerdings noch gering.
Arkham verlangt für den Zugang zu erweiterten Krypto-Tools künftig 1.500 US-Dollar im Monat. Trotz Kritik steigt der ARKM-Kurs um fast acht Prozent.
Morgan Stanley will ab Anfang 2027 tokenisierte Aktien anbieten. Die Bank erwartet, dass dieser Markt bis 2030 auf zehn Billionen US-Dollar wächst.
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