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Die Hacker, die kürzlich bei der brasilianischen Kryptobörse Mercado Bitcoin mehrere zehn Millionen Dollar erbeuteten, konnten deutlich länger ungehindert agieren als bislang angenommen.
Neue Untersuchungen zeigen, dass die Angreifer noch stundenlang Kryptowerte entwendeten, nachdem die Handelsplattform den Angriff für eingedämmt erklärt hatte. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass dieselben Täter auch eine zweite Kryptobörse angegriffen haben.
Das Blockchain-Analyseunternehmen Bitquery hat die Transaktionen im Zusammenhang mit dem Cyberangriff vom 2. November untersucht. Dabei zeigte sich eine auffällige zeitliche Diskrepanz: Mercado Bitcoin hielt den Angriff bereits für eingedämmt, als der Diebstahl tatsächlich noch andauerte.
Die Kryptobörse meldete am 2. November um 13.56 Uhr MEZ, der Angriff sei eingedämmt. Aus den Blockchain-Daten geht jedoch hervor, dass die Hacker noch bis 17.56 Uhr Kryptowerte abzweigten.
Die Angreifer hatten bereits um 13.27 Uhr damit begonnen, Guthaben von Adressen im Ethereum-Netzwerk (ETH) abzuziehen. Insgesamt waren 36.042 Adressen betroffen, über die Kunden Kryptowerte auf ihre Handelskonten einzahlten.
Dass der Diebstahl nach der offiziellen Mitteilung noch vier Stunden andauerte, wirft die Frage auf, wie schnell Mercado Bitcoin den Angriff tatsächlich unter Kontrolle bekam.
Laut Bitquery deuten die Transaktionen darauf hin, dass die Hacker möglicherweise Zugriff auf Systeme hatten, mit denen die Kryptobörse Kundeneinzahlungen verwaltet. So könnten sie trotz der vom Unternehmen ergriffenen Maßnahmen über längere Zeit Gelder abgezweigt haben.
Die Untersuchung liefert auch neue Erkenntnisse zum Ausmaß des Schadens. Bitquery hat inzwischen gestohlene Kryptowerte im Umfang von 48,6 Millionen Dollar auf zehn verschiedenen Blockchain-Netzwerken identifiziert. Zuvor war von rund 40 Millionen Dollar die Rede gewesen.
Die Ermittler entdeckten zudem eine mögliche Verbindung zu einem weiteren Cyberangriff. Offenbar waren dieselben Hacker auch an einem Angriff auf die Kryptobörse BitMart beteiligt.
Eine den Angreifern zugeschriebene Krypto-Adresse erhielt bereits vor dem Angriff auf Mercado Bitcoin Gelder von verschiedenen Adressen in den Netzwerken Base, Arbitrum und Optimism.
Bitquery vermutet, dass diese Adressen zu BitMart gehören. Über die Transaktionen sollen rund 391.000 Dollar erbeutet worden sein. BitMart hat diese Summe bislang allerdings nicht bestätigt.
Gründer Sheldon Xia bestätigte jedoch, dass seine Kryptobörse am 2. November gehackt wurde. Nach seinen Angaben deutet die vorläufige Untersuchung darauf hin, dass dieselbe Gruppe hinter beiden Angriffen steckt.
Die mögliche Verbindung wirft weitere Fragen auf. Denkbar ist, dass die Hacker Zugang zu technischer Infrastruktur erlangt haben, die mehrere Kryptobörsen nutzen. Damit könnten sie verschiedene Handelsplattformen angreifen, ohne jedes Mal eine neue Sicherheitslücke finden zu müssen.
Für diese Erklärung gibt es bislang jedoch keine Belege. Wie die Angreifer genau eingedrungen sind und ob beide Vorfälle tatsächlich dieselbe Ursache haben, bleibt unklar.
Während die Ermittlungen zu den Hackern weiterlaufen, versucht Mercado Bitcoin, die Folgen für seine Kunden zu begrenzen. Die Kryptobörse hat zugesagt, betroffenen Nutzern sämtliche Verluste zu erstatten.
Unterstützung erhielt das Unternehmen zudem von Tether, Circle und dem Blockchain-Analyseunternehmen Chainalysis. Durch die Zusammenarbeit konnten inzwischen gestohlene Kryptowerte im Wert von mehr als 15 Millionen Dollar eingefroren werden.
Ein- und Auszahlungen sind für Nutzer weiterhin nicht möglich. Mercado Bitcoin will seine Website am 9. November wieder zugänglich machen. Kunden können dann jedoch lediglich ihre Daten und Guthaben einsehen.
Wann Nutzer wieder Kryptowerte ein- oder auszahlen können, ist noch nicht bekannt. Mercado Bitcoin hat sich bislang nicht zu den neuen Erkenntnissen von Bitquery geäußert.
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